Last Updated on 2 Wochen ago by TodayWhy Editorial
Der Ölpreis ist seit Anfang Juli mehrfach sprunghaft gestiegen, und mit ihm die Spritpreise an deutschen Tankstellen. Was am 7. Juli mit Tankerangriffen in der Straße von Hormus begann, hat sich über eine angekündigte Hormus-Blockade am 13. Juli bis zu neuen US-Luftschlägen auf Iran am 15. Juli fortgesetzt. Warum steigen die Spritpreise nach diesem Iran-Angriff so beharrlich weiter, und wie stark trifft es die Zapfsäule in Deutschland?
Diese Seite wird bei jeder neuen Eskalationsstufe aktualisiert. Der aktuelle Stand: Diesel und Super E10 liegen wieder klar über der Marke von 2 Euro je Liter.
Warum steigen die Spritpreise nach dem Iran-Angriff?
Auslöser ist die Straße von Hormus, durch die täglich rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls verschifft wird. Als am 7. Juli mehrere Tanker durch Raketen oder unbekannte Projektile beschädigt wurden, reagierten die Märkte sofort. Die Ölpreise steigen nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus fast reflexartig, weil Händler eine längere Unterbrechung der Lieferketten einpreisen.
Seitdem ist die Lage nicht abgeklungen, sondern eskaliert. Am 13. Juli kündigte US-Präsident Trump an, die US-Marine werde die Straße von Hormus wieder blockieren und künftig 20 Prozent des Warenwerts aller durchfahrenden Schiffe als Gebühr einziehen. Brent-Rohöl sprang daraufhin um mehr als 9 Prozent, den stärksten Tagesanstieg seit 2020. Einen Tag später nahm Trump die Gebühr zwar zurück, doch am 15. Juli flog das US-Militär eine siebenstündige Angriffswelle gegen Ziele in Iran und reaktivierte die Blockade der iranischen Häfen. Brent kletterte daraufhin auf rund 85,63 US-Dollar je Barrel, den dritten Tag in Folge im Plus.
Was ist in der Straße von Hormus passiert?
Mindestens drei Handelsschiffe wurden Anfang Juli innerhalb von zwei Tagen getroffen, darunter ein katarischer Flüssiggastanker und ein Schiff nahe Oman. Die britische Meeresschutzbehörde UKMTO bestätigte die Vorfälle. Kurz danach begann das US-Zentralkommando CENTCOM mit Luftschlägen gegen Ziele im Süden Irans, woraufhin Iran am 8. Juli mit Angriffen auf US-nahe Militäranlagen in Kuwait und Bahrain reagierte. Die zweite Eskalationswelle folgte am 13. Juli, als Trump die erneute Blockade und eine Hormus-Maut ankündigte. Nachdem er die Maut am 14. Juli wieder fallen ließ, weil entgangene Einnahmen durch künftige Golf-Investitionen in die USA mehr als ausgeglichen würden, griff das US-Militär am 15. Juli erneut an: Dutzende militärische Ziele entlang der iranischen Küste und nahe der Meerenge wurden in einer siebenstündigen Operation getroffen.
Wie stark hat der Ölpreis reagiert?
Die Nordseesorte Brent legte am Tag der ersten Tankerangriffe (7. Juli) zunächst um rund 3 Prozent auf etwa 74 US-Dollar je Barrel zu. Nach dem Entzug der iranischen Ölhandelslizenz sprang Brent zeitweise um 5,6 Prozent auf über 76 US-Dollar.
Der eigentliche Ausschlag kam aber erst mit der Blockade-Ankündigung am 13. Juli: Brent stieg um mehr als 9 Prozent, der größte Tagesgewinn seit 2020. Seitdem pendelt der Ölpreis auf erhöhtem Niveau und legte nach den neuen Luftschlägen vom 15. Juli erneut zu, auf zuletzt rund 85,63 US-Dollar je Barrel — den dritten Anstieg in Folge und den höchsten Stand seit rund einem Monat. Das bleibt zwar unter dem Höhepunkt des Iran-Kriegs im Frühjahr, als Brent zeitweise über 100 US-Dollar kostete, zeigt aber, wie schnell und wie oft die Risikoprämie inzwischen zurückkehrt.
Was bedeutet das für Diesel und Benzin in Deutschland?
Die Ausgangslage war schon vor der jüngsten Eskalation angespannt. Nach dem Auslaufen des Tankrabatts am 30. Juni waren die Preise bereits deutlich gestiegen, weil die befristete Energiesteuer-Senkung von rund 17 Cent je Liter wegfiel.
Die aktuelle ADAC-Auswertung zeigt, wie stark sich die Iran-Eskalation seitdem zusätzlich bemerkbar macht: Ein Liter Diesel kostet im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,070 Euro, ein Plus von 11,7 Cent gegenüber der Vorwoche. Super E10 liegt bei 2,083 Euro je Liter, 5,9 Cent teurer als eine Woche zuvor. Beide Sorten haben die Marke von 2 Euro damit wieder klar überschritten, und der übliche Preisvorteil von Diesel gegenüber Super E10 ist auf nur noch 1,3 Cent zusammengeschmolzen — ein Zeichen dafür, wie empfindlich Diesel auf internationale Krisen am Öl- und Produktmarkt reagiert.
Der ADAC nennt als Haupttreiber ausdrücklich zwei Faktoren gemeinsam: den höheren Rohölpreis durch die Spannungen um die Straße von Hormus und das Ende des Tankrabatts. Beide Effekte verstärken sich gerade gegenseitig, mitten im Beginn der Sommerreisezeit.
Ist die Waffenruhe zwischen Iran und den USA damit beendet?
Offiziell nicht durchgehend, aber faktisch mehrfach durchbrochen. Ein im Juni vereinbartes Rahmenabkommen gilt formal weiter, doch die Ereignisse der vergangenen Woche zeigen, wie schnell aus einem fragilen Waffenstillstand erneut Angriffe auf Tanker, Häfen und militärische Ziele werden können. Nach US-Medienberichten hat Präsident Trump sich zudem über Optionen briefen lassen, den Konflikt weiter auszuweiten, einschließlich zusätzlicher Bombardierungen und eines möglichen Bodeneinsatzes.
Zum Nachschlagen: Zeitlicher Ablauf
- 7. Juli: Mindestens drei Tanker in der Straße von Hormus beschädigt, Brent steigt um rund 3 Prozent.
- 7. Juli, abends: USA widerrufen die Ölhandels-Ausnahmegenehmigung für Iran, Brent springt auf über 76 US-Dollar.
- 8. Juli, früh: Iran greift nach eigenen Angaben US-nahe Anlagen in Kuwait und Bahrain an.
- 13. Juli: Trump kündigt neue Hormus-Blockade und 20-Prozent-Maut an, Brent springt um mehr als 9 Prozent.
- 14. Juli: Trump nimmt die Maut zurück; Diesel- und Benzinpreise in Deutschland ziehen trotzdem weiter an.
- 15. Juli: Siebenstündige US-Luftschläge gegen Ziele in Iran, Blockade der iranischen Häfen reaktiviert, Brent bei rund 85,63 US-Dollar.
Häufige Fragen
Wie stark ist der Ölpreis wegen des Iran-Konflikts gestiegen?
In mehreren Etappen. Nach den ersten Tankerangriffen Anfang Juli legte Brent um rund 3 bis 5,6 Prozent zu. Die Blockade-Ankündigung am 13. Juli brachte den bislang stärksten Sprung von mehr als 9 Prozent. Seitdem pendelt Brent bei rund 85 US-Dollar je Barrel, dem höchsten Stand seit rund einem Monat.
Werden Diesel und Benzin in Deutschland jetzt wieder teurer?
Ja, spürbar. Der ADAC meldet aktuell 2,070 Euro je Liter Diesel (plus 11,7 Cent binnen einer Woche) und 2,083 Euro je Liter Super E10 (plus 5,9 Cent). Damit summieren sich zwei Effekte: das Auslaufen des Tankrabatts zum 30. Juni und die neue Ölpreis-Prämie durch die Iran-Eskalation.
Gilt der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA noch?
Formal ja, beide Seiten berufen sich weiter auf das im Juni vereinbarte Rahmenabkommen. Praktisch wurde er aber bereits mehrfach durchbrochen, zuletzt durch die US-Luftschläge vom 15. Juli. Wie instabil die Lage bleibt, zeigt auch, dass Trump laut Medienberichten über eine mögliche Ausweitung des Konflikts briefen lassen hat.
Warum ist Diesel plötzlich fast so teuer wie Super E10?
Diesel reagiert besonders empfindlich auf internationale Engpässe an den Öl- und Produktmärkten, weil ein größerer Anteil davon importiert und international gehandelt wird. In der aktuellen ADAC-Auswertung ist der übliche Preisvorteil von Diesel gegenüber Super E10 auf nur noch 1,3 Cent je Liter geschrumpft.