Last Updated on 2 Wochen ago by TodayWhy Editorial
Ja — die Spritpreise steigen erneut, und diesmal deutlich. Super E10 liegt bei rund
2,27 Euro je Liter, Diesel bewegt sich auf Rekordniveau. Auslöser ist eine neue
Eskalation an der Straße von Hormus: Am 13. September wurde dort ein Handelsschiff
getroffen. Der Brent-Ölpreis liegt wieder nahe 100 US-Dollar je Barrel. Hinzu kommt,
dass der Tankrabatt ausgelaufen ist — die Steuerentlastung von rund 17 Cent je Liter
fällt seither weg.
Der Ölpreis ist seit Anfang Juli mehrfach sprunghaft gestiegen, und mit ihm die Spritpreise an deutschen Tankstellen. Was am 7. Juli mit Tankerangriffen in der Straße von Hormus begann, hat sich über eine angekündigte Hormus-Blockade am 13. Juli bis zu neuen US-Luftschlägen auf Iran am 15. Juli fortgesetzt. Warum steigen die Spritpreise nach diesem Iran-Angriff so beharrlich weiter, und wie stark trifft es die Zapfsäule in Deutschland?
Diese Seite wird bei jeder neuen Eskalationsstufe aktualisiert. Der aktuelle Stand: Diesel und Super E10 liegen wieder klar über der Marke von 2 Euro je Liter.
Warum steigen die Spritpreise nach dem Iran-Angriff?
Auslöser ist die Straße von Hormus, durch die täglich rund ein Fünftel des weltweiten Rohöls verschifft wird. Als am 7. Juli mehrere Tanker durch Raketen oder unbekannte Projektile beschädigt wurden, reagierten die Märkte sofort. Die Ölpreise steigen nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus fast reflexartig, weil Händler eine längere Unterbrechung der Lieferketten einpreisen.
Seitdem ist die Lage nicht abgeklungen, sondern eskaliert. Am 13. Juli kündigte US-Präsident Trump an, die US-Marine werde die Straße von Hormus wieder blockieren und künftig 20 Prozent des Warenwerts aller durchfahrenden Schiffe als Gebühr einziehen. Brent-Rohöl sprang daraufhin um mehr als 9 Prozent, den stärksten Tagesanstieg seit 2020. Einen Tag später nahm Trump die Gebühr zwar zurück, doch am 15. Juli flog das US-Militär eine siebenstündige Angriffswelle gegen Ziele in Iran und reaktivierte die Blockade der iranischen Häfen. Brent kletterte daraufhin auf rund 85,63 US-Dollar je Barrel, den dritten Tag in Folge im Plus.
Was ist in der Straße von Hormus passiert?
Mindestens drei Handelsschiffe wurden Anfang Juli innerhalb von zwei Tagen getroffen, darunter ein katarischer Flüssiggastanker und ein Schiff nahe Oman. Die britische Meeresschutzbehörde UKMTO bestätigte die Vorfälle. Kurz danach begann das US-Zentralkommando CENTCOM mit Luftschlägen gegen Ziele im Süden Irans, woraufhin Iran am 8. Juli mit Angriffen auf US-nahe Militäranlagen in Kuwait und Bahrain reagierte. Die zweite Eskalationswelle folgte am 13. Juli, als Trump die erneute Blockade und eine Hormus-Maut ankündigte. Nachdem er die Maut am 14. Juli wieder fallen ließ, weil entgangene Einnahmen durch künftige Golf-Investitionen in die USA mehr als ausgeglichen würden, griff das US-Militär am 15. Juli erneut an: Dutzende militärische Ziele entlang der iranischen Küste und nahe der Meerenge wurden in einer siebenstündigen Operation getroffen.
Wie stark hat der Ölpreis reagiert?
Der Brent-Ölpreis ist seit Beginn der Eskalation im Frühjahr in mehreren Schüben
gestiegen und notiert inzwischen wieder nahe der Marke von 100 US-Dollar je Barrel.
Zum Vergleich: vor Beginn des Konflikts lag Brent bei rund 70 US-Dollar.
Entscheidend ist dabei weniger die tatsächlich ausgefallene Menge Öl als die
Risikoprämie. Die Straße von Hormus ist die wichtigste Öl-Engstelle der Welt.
Sobald dort Schiffe angegriffen werden, steigen Versicherungsprämien und Frachtraten,
Reedereien meiden die Route oder fahren Umwege — und der Markt preist die Möglichkeit
einer künftigen Unterbrechung ein, lange bevor sie eintritt.
Für europäische Verbraucher kommt ein zweiter Effekt hinzu: Öl wird in US-Dollar
gehandelt. Ein schwächerer Euro verteuert jeden Liter zusätzlich, unabhängig vom
Ölpreis selbst.
Was bedeutet das für Diesel und Benzin in Deutschland?
An der Zapfsäule ist die Entwicklung inzwischen deutlich angekommen. Super E10 kostet
rund 2,27 Euro je Liter, Diesel liegt auf beziehungsweise nahe seinem Allzeithoch —
zuletzt stieg Diesel binnen kurzer Zeit um fast neun Cent.
Zwischen Rohölmarkt und Zapfsäule liegen in der Regel ein bis zwei Wochen. Steigt
der Ölpreis, geben die Tankstellen das meist schnell weiter; fällt er, dauert es
erfahrungsgemäß länger — ein Muster, das das Bundeskartellamt seit Jahren beobachtet
und das Verbraucher regelmäßig als unfair empfinden.
Diesel reagiert in solchen Krisen typischerweise stärker als Benzin. Der Grund ist
struktureller Natur und hat mit der Raffinerie und mit Europas Importabhängigkeit zu
tun — warum Diesel grundsätzlich teurer ist als Benzin, erklären wir hier
ausführlich.
Gibt es noch eine Waffenruhe zwischen Iran und den USA?
Nein. Die im April 2026 vereinbarte, ausdrücklich auf zwei Wochen befristete
Waffenruhe ist längst ausgelaufen. Seither hat sich der Konflikt zu einem anhaltenden
Schlagabtausch um Tanker und Schifffahrtsrouten entwickelt, mit wiederholten Angriffen
im Bereich der Straße von Hormus — zuletzt am 13. September 2026.
Für den Ölmarkt bedeutet das: Es gibt derzeit keinen Zustand der Entwarnung, auf den
sich Preisprognosen stützen könnten. Die Risikoprämie bleibt im Preis, solange die
Route als unsicher gilt.
Die vollständige Abfolge der Ereignisse finden Sie in unserer
Chronologie zu Iran-Krieg und Ölpreis.
Warum der Wegfall des Tankrabatts den Anstieg verstärkt
Der Preisanstieg trifft Autofahrer derzeit doppelt. Zum geopolitischen Aufschlag kommt
eine hausgemachte Komponente: Der Tankrabatt ist ausgelaufen.
Der Bundestag hatte im Frühjahr 2026 ein Kraftstoffmaßnahmenpaket und eine befristete
Senkung der Energiesteuer beschlossen — eine Entlastung von rund 17 Cent je Liter,
zunächst für zwei Monate. Mit dem Auslaufen dieser Regelung ist der volle Steuersatz
zurück, zusätzlich zum gestiegenen Rohölpreis.
Wie viel von einer solchen Entlastung überhaupt beim Verbraucher ankommt, ist die
entscheidende Frage. Nach Auswertung des Bundeskartellamts kamen vom Tankrabatt
13,8 von 16,7 Cent tatsächlich an der Zapfsäule an — also ein erheblicher, aber
nicht vollständiger Anteil.
Genau darum wird nun über einen Spritpreisdeckel diskutiert: eine Obergrenze
statt einer Steuersenkung, weil sich eine Steuersenkung teilweise in den Margen
verliert. Ob ein Deckel technisch und europarechtlich funktioniert, ist umstritten.
Zum Nachschlagen: Zeitlicher Ablauf
- 7. Juli: Mindestens drei Tanker in der Straße von Hormus beschädigt, Brent steigt um rund 3 Prozent.
- 7. Juli, abends: USA widerrufen die Ölhandels-Ausnahmegenehmigung für Iran, Brent springt auf über 76 US-Dollar.
- 8. Juli, früh: Iran greift nach eigenen Angaben US-nahe Anlagen in Kuwait und Bahrain an.
- 13. Juli: Trump kündigt neue Hormus-Blockade und 20-Prozent-Maut an, Brent springt um mehr als 9 Prozent.
- 14. Juli: Trump nimmt die Maut zurück; Diesel- und Benzinpreise in Deutschland ziehen trotzdem weiter an.
- 15. Juli: Siebenstündige US-Luftschläge gegen Ziele in Iran, Blockade der iranischen Häfen reaktiviert, Brent bei rund 85,63 US-Dollar.
| Datum | Ereignis |
|---|---|
| April 2026 | Zweiwöchige Waffenruhe zwischen USA und Iran — läuft im April aus |
| Frühjahr 2026 | Bundestag beschließt Kraftstoffmaßnahmenpaket und befristete Energiesteuersenkung (Tankrabatt) |
| Sommer 2026 | Tankrabatt läuft aus; voller Steuersatz gilt wieder |
| Anfang Sept. 2026 | Iran kündigt Beschränkungszone nahe der Straße von Hormus an |
| 13. Sept. 2026 | Handelsschiff in der Straße von Hormus getroffen; Brent nahe 100 US-Dollar |
| 13. Sept. 2026 | Bundeskartellamt: 13,8 von 16,7 Cent des Tankrabatts kamen an der Zapfsäule an |
Was der Ölpreis NICHT erklärt
Ein Punkt geht in der Berichterstattung meist unter, ist aber der interessanteste:
Der ADAC weist darauf hin, dass Ölpreis und Wechselkurs das aktuelle Preisniveau
nur teilweise erklären.
Das heißt: Selbst wenn man den gestiegenen Rohölpreis und den schwächeren Euro
vollständig einrechnet, bleibt eine Lücke. Woher kommt sie?
- Raffineriemargen. Die Spanne zwischen Rohölpreis und Produktpreis ist keine feste
Größe. Bei knapper Verfügbarkeit von Diesel weitet sie sich aus. - Logistik und Lagerhaltung. Umwege in der Schifffahrt, höhere Versicherungskosten
und der Aufbau von Vorräten vor der Heizsaison schlagen auf den Produktpreis durch. - Zeitpunkt und Wochentag. Die Preise schwanken im Tagesverlauf um mehr als zehn
Cent. Wer morgens tankt, zahlt in der Regel deutlich mehr als am frühen Abend. - Regionale Unterschiede. Autobahntankstellen und strukturschwache Regionen mit
wenig Wettbewerb liegen dauerhaft über dem Durchschnitt.
Für Verbraucher ist das die praktisch nutzbare Erkenntnis: Auf den Ölpreis haben Sie
keinen Einfluss, auf Tageszeit und Tankstellenwahl schon — und dieser Hebel ist
größer, als viele annehmen.
Häufige Fragen
Wie stark ist der Ölpreis wegen des Iran-Konflikts gestiegen?
Brent ist von rund 70 US-Dollar vor der Eskalation auf zuletzt nahe 100 US-Dollar
je Barrel gestiegen. Ausschlaggebend ist die Risikoprämie für die Straße von Hormus,
nicht ein tatsächlicher Lieferausfall in entsprechender Höhe.
Werden Diesel und Benzin in Deutschland jetzt wieder teurer?
Sie sind es bereits. Super E10 liegt bei rund 2,27 Euro je Liter, Diesel auf oder nahe
seinem Allzeithoch. Zwischen Ölmarkt und Zapfsäule liegen ein bis zwei Wochen —
weitere Anpassungen nach oben sind daher wahrscheinlich, solange die Lage angespannt bleibt.
Gilt der Waffenstillstand zwischen Iran und den USA noch?
Nein. Die Waffenruhe vom April 2026 war auf zwei Wochen befristet und ist ausgelaufen.
Seither dauert der Konflikt um Tanker und Schifffahrtsrouten an.
Warum ist Diesel plötzlich fast so teuer wie Super E10?
Diesel reagiert besonders empfindlich auf internationale Engpässe an den Öl- und Produktmärkten, weil ein größerer Anteil davon importiert und international gehandelt wird. In der aktuellen ADAC-Auswertung ist der übliche Preisvorteil von Diesel gegenüber Super E10 auf nur noch 1,3 Cent je Liter geschrumpft.
Warum steigt Diesel stärker als Benzin?
Weil Diesel und Heizöl aus derselben Raffineriefraktion stammen und Europa seit dem
Wegfall russischer Lieferungen stark auf Diesel-Importe aus dem Nahen Osten und Indien
angewiesen ist. Beides macht Diesel anfälliger für Störungen der Schifffahrtsrouten
als Benzin.