Last Updated on 12 Sekunden ago by TodayWhy Editorial
Die Wahl Berlin am 20. September 2026 hat die Hauptstadt politisch umgekrempelt. Die Linke ist mit 25,7 Prozent erstmals stärkste Kraft im Abgeordnetenhaus. Die CDU, 2023 noch klarer Wahlsieger, fällt auf 18,8 Prozent. Die SPD rutscht mit 12,1 Prozent auf das schlechteste Ergebnis ihrer Berliner Geschichte.
Für die Linke ist es das beste Ergebnis, das sie je in Berlin geholt hat. Außerhalb von Thüringen war sie noch nie stärkste Partei bei einer Landtagswahl. Wie konnte das passieren? Und wer regiert jetzt im Roten Rathaus? Dieser Text erklärt die Zahlen, die Gründe und die möglichen Koalitionen.
Das Ergebnis der Wahl Berlin im Überblick
Nach dem vorläufigen Ergebnis der Landeswahlleitung verteilen sich die Stimmen so. Zum Vergleich steht das Ergebnis der Wiederholungswahl vom Februar 2023 daneben.
| Partei | Spitzenkandidat | 2026 | 2023 |
|---|---|---|---|
| Die Linke | Elif Eralp | 25,7 % | 12,2 % |
| CDU | Stefan Evers | 18,8 % | 28,2 % |
| AfD | – | 16,3 % | 9,1 % |
| Grüne | Werner Graf | 14,3 % | 18,4 % |
| SPD | Steffen Krach | 12,1 % | 18,4 % |
| BSW | – | 4,7 % | – |
| FDP | – | 2,5 % | 4,6 % |
Die Wahlbeteiligung stieg deutlich: von 62,9 Prozent im Jahr 2023 auf 74,2 Prozent. Nur Linke und AfD konnten zulegen. Alle anderen Parteien verloren Stimmen. BSW und FDP scheiterten an der Fünf-Prozent-Hürde.
Die genaue Zahl der Sitze steht noch nicht endgültig fest. Berlin vergibt Überhang- und Ausgleichsmandate, deshalb schwankt die Größe des Abgeordnetenhauses von Wahl zu Wahl. Die Hochrechnungen am Wahlabend nannten je nach Stand unterschiedliche Gesamtzahlen. An den Mehrheitsverhältnissen ändert das aber wenig.
Warum die Sitzzahl bei der Wahl Berlin schwankt
Wer am Wahlabend verschiedene Sender verfolgt hat, hat unterschiedliche Zahlen gesehen. Das liegt am Berliner Wahlrecht. Jede Wählerin und jeder Wähler hat zwei Stimmen: eine Erststimme für einen Kandidaten im Wahlkreis und eine Zweitstimme für eine Partei.
Das Abgeordnetenhaus hat regulär 130 Sitze. Gewinnt eine Partei aber mehr Wahlkreise direkt, als ihr nach der Zweitstimme zustehen, entstehen Überhangmandate. Die anderen Parteien bekommen dafür Ausgleichsmandate. So wächst das Parlament. Erst wenn alle Wahlkreise ausgezählt sind, steht die genaue Größe fest.
Für die Frage, wer regieren kann, ist das zweitrangig. Entscheidend sind die Zweitstimmen. Sie bestimmen, wie stark jede Partei im Verhältnis zu den anderen ist.
Warum die Linke die Wahl in Berlin gewonnen hat
Der Sieg der Linken kam nicht aus dem Nichts. Er hat mehrere Gründe, die sich gegenseitig verstärkt haben.
- Junge Wählerinnen und Wähler: Laut Forschungsgruppe Wahlen wählten 47 Prozent der 16- bis 24-Jährigen die Linke. Bei den über 60-Jährigen lag die Partei dagegen hinter CDU, SPD und AfD.
- Die Spitzenkandidatin: Auf die Frage, wen sie lieber als Regierende Bürgermeisterin oder Regierenden Bürgermeister hätten, nannten 37 Prozent Elif Eralp. Für Stefan Evers sprachen sich nur 29 Prozent aus.
- Das Wohnungsthema: Mieten und Wohnungsmarkt gehören in Berlin seit Jahren zu den wichtigsten Sorgen. Die Linke steht klar für die Vergesellschaftung großer Immobilienkonzerne. Damit besetzte sie ein Thema, bei dem sich viele Berlinerinnen und Berliner von den anderen Parteien nicht ausreichend vertreten fühlten.
- Schwäche der Regierungsparteien: CDU und SPD regierten gemeinsam. Beide verloren deutlich – die Wählerinnen und Wähler straften die Koalition insgesamt ab.
Eralp sprach am Wahlabend von einem Signal über Berlin hinaus. „Ab heute verändern wir gemeinsam unser Berlin und machen es zu einem besseren Ort“, sagte sie vor jubelnden Anhängern.
Warum die CDU bei der Wahl in Berlin ihren Sieg von 2023 verspielt hat
Vor drei Jahren war die CDU mit 28,2 Prozent der klare Gewinner. Kai Wegner wurde Regierender Bürgermeister und bildete eine Koalition mit der SPD. Doch 2026 trat Wegner gar nicht mehr an.
Der Grund liegt im Januar 2026. Damals gab es einen Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz. Wegners Kommunikation nach dem Anschlag wurde als fehlerhaft kritisiert und stürzte die CDU in ein Umfragetief. Im Juli, zwei Monate vor der Wahl, verzichtete Wegner auf eine erneute Kandidatur. Finanzsenator Stefan Evers übernahm kurzfristig.
Evers sprach am Wahlabend von „gemischten Gefühlen“. Das Ergebnis stimme „demütig“, man habe deutlich verloren. Gemessen an der schwierigen Ausgangslage sei es aber „ein ganz ordentliches Ergebnis“. Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz sah es ähnlich: Evers habe in einer sehr schwierigen Situation den Staffelstab übernommen.
Warum die Berliner SPD so tief gefallen ist
Für die SPD ist die Wahl Berlin 2026 ein historischer Tiefpunkt. Die Partei regierte die Stadt über Jahrzehnte, mit Bürgermeistern wie Willy Brandt und Klaus Wowereit. Schon 2023 hatte sie mit 18,4 Prozent ein Rekordtief erreicht. Nun liegt sie noch einmal über sechs Prozentpunkte darunter.
Spitzenkandidat Steffen Krach nannte das Ergebnis „katastrophal“. Die SPD sei Teil einer Landesregierung gewesen, die die Menschen nicht überzeugt habe. „Wir sind abgewählt worden“, sagte er. Der Regierungsauftrag liege bei anderen Parteien.
Belastet wurde der Wahlkampf zusätzlich durch Ermittlungen gegen Krach selbst. Die Staatsanwaltschaft Hannover ermittelt wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme in zwei Fällen. Krach hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Wie sehr die Ermittlungen dem Ergebnis geschadet haben, lässt sich nicht genau sagen.
Warum die AfD in Berlin zulegt, aber keine Rolle spielt
Die AfD kam auf 16,3 Prozent und legte damit gegenüber 2023 deutlich zu. Sie ist drittstärkste Kraft. An der Regierungsbildung wird sie dennoch nicht beteiligt sein. Alle anderen Parteien im Abgeordnetenhaus schließen eine Zusammenarbeit aus.
AfD-Chefin Alice Weidel erklärte den Sieg der Linken mit der sogenannten Brandmauer der CDU gegenüber der AfD. Sie forderte Merz zu einem Kurswechsel auf. Die CDU hält an ihrer Linie fest.
Welche Koalitionen nach der Wahl Berlin möglich sind
Die Lage ist übersichtlich, aber schwierig. Die CDU will nicht mit der Linken regieren. Mit der AfD will niemand regieren. Damit bleiben nach den Hochrechnungen nur zwei Dreierbündnisse mit einer Mehrheit.
| Bündnis | Regierungschef/in | Mehrheit? |
|---|---|---|
| Linke + Grüne + SPD | Elif Eralp | Ja, deutlich |
| CDU + Grüne + SPD | Stefan Evers | Ja, knapp |
| CDU + SPD (bisher) | – | Nein |
| Alle Bündnisse mit der AfD | – | Politisch ausgeschlossen |
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wer die Wahl gewonnen hat. Sie lautet: Wen wählen Grüne und SPD als Partner? Beide Parteien sind in jeder möglichen Mehrheit nötig.
Die Grünen haben ihre Präferenz schon vor der Wahl angedeutet. „Wir haben die größten Schnittmengen mit Linken und der SPD“, sagte Spitzenkandidat Werner Graf. Die SPD hält sich dagegen bedeckt. Zwischen Krach und Eralp gibt es inhaltliche Streitpunkte, vor allem bei der Vergesellschaftung von Wohnungskonzernen, die Krach ablehnt.
Warum eine linke Regierung umstritten ist
Ein Bündnis unter Führung der Linken wäre für Berlin nicht völlig neu. Von 2016 bis 2023 regierten SPD, Grüne und Linke schon einmal gemeinsam, damals aber unter SPD-Führung. Eine Regierende Bürgermeisterin der Linken gab es noch nie.
Kritik kommt vor allem wegen des Themas Antisemitismus. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, zeigte sich nach der Wahl „zutiefst beunruhigt“. Er warf der Partei vor, im Wahlkampf wiederholt mit antisemitischen Grenzüberschreitungen aufgefallen zu sein, ohne dass es personelle Konsequenzen gegeben habe. Auch der Tagesspiegel nennt antisemitische Positionen in Teilen der Berliner Linken eine Belastung für die Regierungsbildung. Für SPD und Grüne dürfte das in möglichen Koalitionsgesprächen ein zentrales Thema werden.
Warum die Wahl Berlin auch bundesweit Folgen hat
Berlin wählte am selben Tag wie Mecklenburg-Vorpommern. Dort wurde die AfD stärkste Kraft, und die CDU flog erstmals in ihrer Geschichte aus einem Landtag. Mehr dazu in unserem Artikel Warum die CDU bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern erstmals rausfliegt. Zwei Wochen zuvor hatte die CDU schon in Sachsen-Anhalt deutlich hinter der AfD gelegen.

Für die Bundesregierung ist das ein schwieriges Signal. Beide Regierungsparteien, CDU und SPD, verloren in Berlin deutlich. Merz kündigte laut ZDFheute dennoch an, im Amt zu bleiben und seinen Reformkurs fortzusetzen. „Die Reformen müssen kommen“, sagte er.
Weitere Hintergründe zu Wahlen und Parteien finden Sie in unserer Rubrik Politik.
Wie sich die Wahl in Berlin seit 2016 verändert hat
Ein Blick auf die letzten Wahlen zeigt, wie unruhig die Berliner Politik geworden ist. Innerhalb von zehn Jahren wechselte dreimal die stärkste Partei.
- 2016: Die SPD gewann mit nur 21,6 Prozent – das damals schwächste Ergebnis eines Wahlsiegers in der Geschichte der Bundesrepublik. Es folgte Rot-Rot-Grün.
- 2021: Die SPD gewann erneut, doch wegen zahlreicher Pannen am Wahltag ordnete das Berliner Verfassungsgericht eine komplette Wiederholung an.
- 2023: Bei der Wiederholungswahl siegte die CDU mit 28,2 Prozent. Die SPD entschied sich für Schwarz-Rot, obwohl eine Mehrheit für Rot-Grün-Rot möglich gewesen wäre.
- 2026: Die Linke wird erstmals stärkste Kraft, die Regierungskoalition verliert ihre Mehrheit.
Häufige Fragen
Wer hat die Wahl in Berlin 2026 gewonnen?
Die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp. Sie kam laut vorläufigem Ergebnis auf 25,7 Prozent und ist damit erstmals stärkste Kraft im Berliner Abgeordnetenhaus.
Wann war die Wahl in Berlin?
Die Wahl zum 20. Abgeordnetenhaus fand am Sonntag, dem 20. September 2026, statt – am selben Tag wie die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern.
Wird Elif Eralp Regierende Bürgermeisterin?
Das ist möglich, aber nicht sicher. Sie bräuchte Grüne und SPD als Partner. Alternativ könnten CDU, Grüne und SPD unter Stefan Evers eine Mehrheit bilden. Die Entscheidung liegt faktisch bei Grünen und SPD.
Warum ist Kai Wegner nicht mehr angetreten?
Wegner verzichtete im Juli 2026 auf eine erneute Kandidatur. Seine Kommunikation nach dem Brandanschlag auf das Berliner Stromnetz im Januar war stark kritisiert worden und hatte die CDU in ein Umfragetief gebracht.
Wie schlecht hat die SPD abgeschnitten?
Die SPD erreichte 12,1 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis der Partei in Berlin und liegt deutlich unter dem bisherigen Tiefstwert von 18,4 Prozent aus dem Jahr 2023.
Wie hoch war die Wahlbeteiligung bei der Wahl in Berlin?
Die Wahlbeteiligung lag bei 74,2 Prozent. Bei der Wiederholungswahl 2023 waren es nur 62,9 Prozent.
Wann ist die nächste Wahl in Berlin?
Die Wahlperiode dauert fünf Jahre. Die nächste reguläre Wahl zum Abgeordnetenhaus steht damit im Jahr 2031 an, sofern das Parlament nicht vorher aufgelöst wird.