Wahl Mecklenburg-Vorpommern: Warum die CDU erstmals rausfliegt

Last Updated on 20 Minuten ago by TodayWhy Editorial

Die Wahl Mecklenburg-Vorpommern am 20. September 2026 hat ein Ergebnis gebracht, das es in der Bundesrepublik noch nie gab. Die CDU ist aus dem Landtag in Schwerin geflogen. Mit 4,9 Prozent scheiterte sie an der Fünf-Prozent-Hürde. Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik verpasst die CDU damit den Einzug in ein Landesparlament.

Gleichzeitig wurde die AfD mit 38,2 Prozent stärkste Kraft. Die SPD von Ministerpräsidentin Manuela Schwesig landete mit 35,5 Prozent knapp dahinter. Trotzdem spricht vieles dafür, dass Schwesig weiterregiert. Wie passt das zusammen? Dieser Text erklärt die Zahlen, die Gründe und die möglichen Koalitionen.

Das Ergebnis der Wahl Mecklenburg-Vorpommern im Überblick

Nach dem vorläufigen Ergebnis verteilen sich die Stimmen und die 71 Sitze im Landtag so. Für eine Mehrheit sind 36 Sitze nötig.

Partei20262021Sitze 2026
AfD38,2 %16,7 %32
SPD35,5 %39,6 %29
Die Linke6,5 %9,9 %5
Grüne5,7 %6,3 %5
CDU4,9 %13,3 %0
BSW4,8 %0
FDPunter 5 %5,8 %0

Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1 Prozent. Das sind 7,3 Prozentpunkte mehr als 2021. Rund 1,3 Millionen Menschen waren wahlberechtigt. Zum ersten Mal durften in Mecklenburg-Vorpommern auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben.

In absoluten Zahlen war das Rennen enger, als die Prozente vermuten lassen. Die AfD kam auf rund 388.000 Stimmen, die SPD auf rund 360.000. Der Abstand beträgt also knapp 28.000 Stimmen.

Warum Umfragen und Ergebnis der Wahl Mecklenburg-Vorpommern auseinanderlagen

Vor der Wahl suchten Zehntausende nach der aktuellen Umfrage und der Sonntagsfrage für Mecklenburg-Vorpommern. Ein Vergleich zeigt: Die Richtung stimmte, das Ausmaß nicht ganz.

ZeitpunktAfDSPDCDUBSW
Umfrage Oktober 2024 (NDR/Infratest dimap)28 %22 %19 %14 %
Umfrage Januar 2026 (Infratest dimap)35 %25 %13 %
Prognose 18 Uhr (Forschungsgruppe Wahlen)38,0 %36,5 %5,0 %4,8 %
Vorläufiges Ergebnis38,2 %35,5 %4,9 %4,8 %

Zwei Entwicklungen fallen auf. Erstens holte die SPD in den letzten Monaten stark auf – von 22 auf 35,5 Prozent. Zweitens verlor die CDU gerade in der Schlussphase an Boden. Im Januar lag sie in der Umfrage noch bei 13 Prozent.

Die Meinungsforscher hatten selbst davor gewarnt, ihre Zahlen als Vorhersage zu lesen. Die Sonntagsfrage misst eine Stimmung, kein Wahlverhalten. Viele Wähler entscheiden sich erst kurz vor dem Wahltag. Genau das dürfte hier passiert sein: Als das Rennen auf ein Duell zwischen SPD und AfD hinauslief, wanderten Stimmen zur SPD.

Prognose und Hochrechnung am Wahlabend lagen dagegen sehr nah am Ergebnis. Sie beruhen nicht auf Umfragen vor der Wahl, sondern auf Befragungen direkt am Wahllokal und ersten ausgezählten Stimmen.

Warum die CDU bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern erstmals rausfliegt

Das ist die eigentliche Wahlsensation dieses Abends. Bei jeder bisherigen Landtagswahl, zu der die CDU antrat, schaffte sie den Einzug ins Parlament. In Bayern tritt traditionell die Schwesterpartei CSU an. In Mecklenburg-Vorpommern stellte sie nach der Wende sogar die ersten Ministerpräsidenten. Am 20. September 2026 reichte es nicht einmal mehr für die Fünf-Prozent-Hürde.

Der Absturz kam nicht über Nacht. Schon 2021 hatte die CDU mit 13,3 Prozent ihr schlechtestes Ergebnis seit 1990 geholt. In den Umfragen des Wahljahres lag sie lange stabil bei rund 13 Prozent. Erst in den letzten Wochen brach sie weiter ein.

Mehrere Faktoren kamen zusammen:

  • Zuspitzung auf zwei Parteien: Der Wahlkampf lief am Ende auf ein Duell zwischen SPD und AfD hinaus. Wer die AfD als stärkste Kraft verhindern wollte, hatte einen Anreiz, SPD zu wählen – auch wenn er eigentlich der CDU nahestand.
  • Schwache Personalie: Laut Infratest dimap wollten im Mai 2026 nur 6 Prozent CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters als Ministerpräsidenten. Schwesig kam auf 47 Prozent, AfD-Kandidat Leif-Erik Holm auf 27 Prozent.
  • CDU-Anhänger bevorzugten Schwesig: In der September-Umfrage von Infratest dimap zogen 73 Prozent der CDU-Anhänger die SPD-Ministerpräsidentin dem AfD-Bewerber vor.
  • Rückenwind aus Berlin fehlte: Nach der Wahl in Sachsen-Anhalt, bei der die CDU weit hinter der AfD landete, stand die Union bundesweit unter Druck.

Die genaue Wählerwanderung wird erst in den kommenden Tagen feststehen. Die Umfragedaten deuten aber klar darauf hin, dass ein Teil der bürgerlichen Wählerschaft taktisch zur SPD gewechselt ist. Für die CDU war das fatal: Ein kleiner Verlust reichte, um unter die Hürde zu rutschen.

Warum die AfD gewinnt – aber wohl nicht regiert

Die AfD hat ihr Ergebnis von 2021 mehr als verdoppelt. Sie ist nach Thüringen und Sachsen-Anhalt nun im dritten Landtag stärkste Kraft. Für die Partei ist das ein klarer Erfolg.

Regieren wird sie aber voraussichtlich nicht. Der Grund ist einfache Arithmetik. Mit 32 Sitzen fehlen der AfD vier Stimmen zur Mehrheit. Rechnerisch könnte sie mit der SPD oder mit Linken und Grünen eine Mehrheit bilden. Alle diese Parteien schließen eine Zusammenarbeit aber aus. Die Partei, die am ehesten Gespräche geführt hätte, das BSW, ist mit 4,8 Prozent knapp am Einzug gescheitert.

Schwesig betonte am Wahlabend, die AfD habe ihr Ziel verfehlt. Die Partei wollte eine absolute Mehrheit. Stattdessen habe sich eine Mehrheit im Land für demokratische Parteien entschieden, sagte Schwesig im ZDF. Leif-Erik Holm hat wegen fehlender Koalitionspartner praktisch keine Aussicht, Ministerpräsident zu werden.

Warum die SPD trotz Platz zwei wohl weiterregiert

Für die SPD ist Platz zwei ein Rückschritt gegenüber 2021. Trotzdem wirkte Schwesig am Wahlabend erleichtert. Der Grund liegt in der Ausgangslage. Vor einem Jahr stand die SPD in Umfragen bei nur 19 Prozent. Im Januar 2026 waren es 25 Prozent. Am Ende wurden es 35,5 Prozent.

Diese Aufholjagd hat vor allem mit der Person Schwesig zu tun. Laut Infratest dimap waren Anfang September 57 Prozent der Wahlberechtigten mit ihrer Arbeit zufrieden. Schwesig sagte im ZDF, über 60 Prozent wollten, dass sie ihre Arbeit fortsetze. Auf die Frage, ob sie Ministerpräsidentin bleiben wolle, antwortete sie knapp: „Ja!“

Die bisherige Koalition aus SPD und Linken hat keine Mehrheit mehr. Zusammen kommen beide nur auf 34 Sitze. Mit den Grünen reicht es aber: SPD, Linke und Grüne haben gemeinsam 39 Sitze – drei mehr als nötig.

Welche Koalitionen nach der Wahl Mecklenburg-Vorpommern möglich sind

Die Sitzverteilung lässt nur wenige realistische Optionen zu. Die folgende Übersicht zeigt die rechnerischen Möglichkeiten.

BündnisSitzeMehrheit (36)?Realistisch?
SPD + Linke + Grüne39JaWahrscheinlichste Option
SPD + Linke34NeinBisherige Koalition reicht nicht
AfD + SPD61JaVon der SPD ausgeschlossen
AfD + Linke + Grüne42JaVon Linken und Grünen ausgeschlossen
AfD allein32NeinAbsolute Mehrheit verfehlt

Eine rot-rot-grüne Koalition wäre für Mecklenburg-Vorpommern neu. Die Grünen waren bisher nie Teil einer Landesregierung in Schwerin. Die Verhandlungen dürften deshalb nicht nur Formsache sein. Schwesig kündigte an, sie werde prüfen, mit welchen demokratischen Kräften eine Regierung möglich sei.

Wie sich die Wahl Mecklenburg-Vorpommern seit 1990 verändert hat

Ein Blick zurück zeigt, wie stark sich die Parteienlandschaft im Nordosten verschoben hat. Nach der Wiedervereinigung regierte in Schwerin zunächst die CDU. Ab 1998 übernahm die SPD die Führung und stellt seither ununterbrochen den Regierungschef. Die Koalitionspartner wechselten: erst die PDS, später die CDU, zuletzt die Linke.

Die AfD zog 2016 erstmals in den Landtag ein – damals direkt mit 20,8 Prozent und vor der CDU. 2021 fiel sie auf 16,7 Prozent zurück, die SPD holte fast 40 Prozent. Fünf Jahre später hat sich dieses Verhältnis umgedreht. Die AfD ist erstmals stärkste Kraft bei einer Wahl in Mecklenburg-Vorpommern, die SPD liegt knapp dahinter. Die CDU, einst Regierungspartei, ist nicht mehr vertreten.

Weitere Hintergründe zu Wahlen und Parteien finden Sie in unserer Rubrik Politik.

Warum die kleinen Parteien bis zuletzt zittern mussten

Die Fünf-Prozent-Hürde hat diese Wahl stark geprägt. Gleich mehrere Parteien lagen am Wahlabend knapp darüber oder knapp darunter. In der ersten Prognose des ZDF standen die Grünen bei 5,5 Prozent, die CDU bei 5,0 und das BSW bei 4,8 Prozent.

Am Ende hatten Linke und Grüne Glück, CDU und BSW nicht. Das hat große Folgen. Die Stimmen der gescheiterten Parteien verfallen. Dadurch bekommen die Parteien im Landtag mehr Sitze, als ihr Stimmanteil allein vermuten lässt. Genau das macht eine rot-rot-grüne Mehrheit mit zusammen nur rund 48 Prozent der Stimmen möglich.

Für das BSW ist das Ergebnis ein Rückschlag. Im Herbst 2024 lag die Partei in Umfragen noch bei 14 Prozent. Nun ist sie in Schwerin nicht vertreten.

Warum die Wahl Mecklenburg-Vorpommern auch in Berlin genau beobachtet wird

Das Ergebnis aus Schwerin hat eine Bedeutung, die weit über das Land hinausgeht. Sie fand am selben Tag statt wie die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Und sie kam nur zwei Wochen nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt.

Dort hatte die AfD am 6. September 43,8 Prozent geholt. Die CDU war auf 17,2 Prozent gefallen. Mehr dazu erklärt unser Artikel Warum gewann die AfD Sachsen-Anhalt die Landtagswahl?. Seitdem steht Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz stark unter Druck. Laut ZDFheute rief er noch am Wahlabend das gesamte Parteipräsidium zusammen.

Für die CDU ist das Ergebnis aus Schwerin deshalb doppelt schmerzhaft. Es ist nicht nur ein regionaler Absturz. Es ist ein Symbol: Die Partei, die die Bundesregierung anführt, ist in einem Landesparlament erstmals nicht vertreten.

Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt im Vergleich

Beide Wahlen im Osten liegen nur zwei Wochen auseinander. Sie zeigen ein ähnliches Muster bei der AfD, aber ein ganz unterschiedliches Bild bei den anderen Parteien.

Sachsen-AnhaltMecklenburg-Vorpommern
Wahltag6. September 202620. September 2026
AfD43,8 %38,2 %
Zweitstärkste ParteiCDU (17,2 %)SPD (35,5 %)
CDU17,2 %4,9 % (nicht im Landtag)
Wahlbeteiligung77,8 %78,1 %
Mehrheit ohne AfD?Nur mit fünf FraktionenJa, mit drei Fraktionen

Der entscheidende Unterschied: In Sachsen-Anhalt gab es keinen starken Gegenpol zur AfD. In Mecklenburg-Vorpommern hatte die SPD mit Schwesig eine Amtsinhaberin, hinter der sich viele Wähler sammeln konnten. Das erklärt, warum die AfD in Schwerin zwar gewinnt, eine Mehrheit gegen sie aber leichter zu bilden ist.

Häufige Fragen

Wer hat die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern 2026 gewonnen?

Die AfD wurde mit 38,2 Prozent stärkste Kraft vor der SPD mit 35,5 Prozent. Die AfD hat im Landtag 32 von 71 Sitzen und damit keine Mehrheit.

Warum ist die CDU nicht mehr im Landtag?

Die CDU erreichte nur 4,9 Prozent und scheiterte an der Fünf-Prozent-Hürde. Es ist das erste Mal in der Geschichte der Bundesrepublik, dass die CDU nicht in einem Landesparlament vertreten ist.

Bleibt Manuela Schwesig Ministerpräsidentin?

Das ist wahrscheinlich. SPD, Linke und Grüne kommen zusammen auf 39 Sitze, die Mehrheit liegt bei 36. Schwesig hat angekündigt, weiterregieren zu wollen. Eine Koalition ist aber noch nicht vereinbart.

Kann die AfD in Mecklenburg-Vorpommern regieren?

Nur mit einem Partner. Rechnerisch wäre das mit der SPD oder mit Linken und Grünen möglich. Alle diese Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD aus.

Wie hoch war die Wahlbeteiligung?

Die Wahlbeteiligung lag bei 78,1 Prozent und damit 7,3 Prozentpunkte höher als 2021. Erstmals durften auch 16- und 17-Jährige wählen.

Ist das BSW im Landtag?

Nein. Das BSW kam auf 4,8 Prozent und verpasste den Einzug knapp.

Was bedeutet die Wahl für Friedrich Merz?

Der Druck auf den CDU-Chef und Bundeskanzler wächst. Nach dem schwachen Ergebnis in Sachsen-Anhalt ist das Ausscheiden aus dem Schweriner Landtag der zweite schwere Rückschlag innerhalb von zwei Wochen.

Wann ist die nächste Wahl Mecklenburg-Vorpommern?

Die Wahlperiode des Landtags in Schwerin dauert fünf Jahre. Die nächste reguläre Landtagswahl steht damit im Jahr 2031 an – es sei denn, eine Regierungsbildung scheitert und es kommt zu vorgezogenen Neuwahlen.

Wann war die Wahl in Mecklenburg-Vorpommern?

Die Landtagswahl fand am Sonntag, dem 20. September 2026, statt – am selben Tag wie die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus.

Schreibe einen Kommentar