Last Updated on 5 Tagen ago by TodayWhy Editorial
Deutschland meldet beim NATO-Gipfel 2026 in Ankara einen Rekord: 124 Milliarden Euro Verteidigungsausgaben, ein Anteil von 2,69 Prozent am Bruttoinlandsprodukt. Warum gibt Deutschland gerade jetzt so viel Geld für Verteidigung aus – und reicht das, um US-Präsident Trump zufriedenzustellen?
Was beim Gipfel in Ankara passiert ist
Am 7. und 8. Juli 2026 trafen sich die 32 NATO-Staats- und Regierungschefs in der türkischen Hauptstadt Ankara. Für Deutschland reisten Bundeskanzler Friedrich Merz, Verteidigungsminister Boris Pistorius und Außenminister Johann Wadephul an. Im Zentrum des Gipfels stand das sogenannte „Burden Shifting“: Die europäischen Bündnispartner und Kanada sollen einen größeren Teil der Lasten für die eigene Verteidigung und die Unterstützung der Ukraine tragen, während die USA ihre Truppenpräsenz in Europa reduzieren.
Deutschland ging dabei mit gutem Beispiel voran. Nach NATO-Berechnungen erreicht der Anteil der deutschen Verteidigungsausgaben am Bruttoinlandsprodukt 2026 rund 2,69 Prozent – im Vorjahr waren es noch 2,22 Prozent. In absoluten Zahlen bedeutet das einen Verteidigungshaushalt von 124 Milliarden Euro.
Warum Deutschland jetzt so stark aufrüstet
Der Auslöser liegt ein Jahr zurück: Beim NATO-Gipfel 2025 in Den Haag einigten sich die Alliierten auf ein neues Fünf-Prozent-Ziel, das bis 2035 erreicht werden soll – 3,5 Prozent für klassische Verteidigungsausgaben und 1,5 Prozent für sicherheitsrelevante Infrastruktur. Deutschland will das 3,5-Prozent-Teilziel bereits 2029 erreichen, sechs Jahre vor der eigentlichen Frist. Bundeskanzler Merz begründete das vor dem Abflug nach Ankara mit der Notwendigkeit einer „starken und geeinten NATO als Garant unserer Freiheit und für unsere Sicherheit.“
Seit 2022, dem Jahr des russischen Angriffs auf die Ukraine, hat Deutschland seine Verteidigungsausgaben nach eigenen Angaben verdoppelt. Das schnelle Tempo in diesem Jahr ist auch eine Reaktion auf den anhaltenden Druck aus Washington: US-Präsident Trump hatte kurz vor dem Gipfel die Investitionen der Europäer erneut als unzureichend kritisiert und Deutschlands Ausgaben abfällig kommentiert.
Reicht das Geld, um Trump zu besänftigen?
NATO-Generalsekretär Mark Rutte versuchte in Ankara, genau diese Zahlen als Erfolg für Trump zu verkaufen. Allein im vergangenen Jahr hätten die europäischen Verbündeten und Kanada fast 20 Prozent mehr für Verteidigung ausgegeben als im Jahr zuvor – zusätzliche 139 Milliarden Dollar. Zusammengenommen mit 2025 ergebe das einen Anstieg von 258 Milliarden Dollar. Rutte nannte das gegenüber Trump direkt einen „huge win“.
Trotzdem richtete sich Trumps öffentliche Kritik beim Gipfel vor allem gegen Spanien, das als einziges der 32 Mitgliedsländer das neue Fünf-Prozent-Ziel nicht mitgetragen hat. Deutschland blieb von direkter namentlicher Kritik in Ankara weitgehend verschont – auch weil die Bundesregierung mit dem beschleunigten Zeitplan bis 2029 ein Argument liefern konnte, das Rutte in der Verhandlung mit Trump nutzen konnte.
Wer die neue Rangliste anführt
Nach den in Ankara vorgelegten Zahlen liegen bei der Verteidigungsquote am BIP derzeit Litauen (5,33 Prozent), Estland (5,10 Prozent), Lettland (4,92 Prozent) und Polen (4,68 Prozent) weit vorn – deutlich vor Deutschland und auch vor den USA selbst, die 2026 auf 3,17 Prozent kommen sollen. Das zeigt: Deutschlands Rekordsumme von 124 Milliarden Euro ist in absoluten Zahlen beeindruckend, im prozentualen Vergleich zur Wirtschaftsleistung liegt Deutschland aber weiterhin hinter den baltischen Staaten und Polen, die direkt an Russland oder Belarus grenzen.
Was das für die Ukraine-Unterstützung bedeutet
In der Gipfelerklärung bekräftigten die Alliierten ihre Unterstützung für die Ukraine als „wesentlichen Beitrag zur transatlantischen Sicherheit“. Auf deutsche Initiative sollen die europäischen Verbündeten der Ukraine 2026 und 2027 jeweils zusätzliche 70 Milliarden Euro an militärischer Ausrüstung, Unterstützung und Ausbildung zur Verfügung stellen. Damit übernehmen die europäischen NATO-Staaten und Kanada inzwischen den überwiegenden Teil der militärischen Hilfe für die Ukraine – ein direktes Ergebnis der Lastenverschiebung, die Trump seit Monaten einfordert.
FAQ
Wie hoch ist Deutschlands Verteidigungshaushalt 2026?
124 Milliarden Euro, was einem Anteil von rund 2,69 Prozent am Bruttoinlandsprodukt entspricht.
Wann will Deutschland das Fünf-Prozent-Ziel erreichen?
Das 3,5-Prozent-Teilziel für klassische Verteidigungsausgaben will Deutschland bereits 2029 erreichen, sechs Jahre vor der NATO-weiten Frist 2035.
Welches Land gibt anteilig am meisten für Verteidigung aus?
Litauen führt mit 5,33 Prozent des BIP, gefolgt von Estland, Lettland und Polen – alle vier liegen deutlich vor Deutschland.
Warum kritisierte Trump vor allem Spanien und nicht Deutschland?
Spanien ist das einzige NATO-Mitglied, das sich nicht zum neuen Fünf-Prozent-Ziel verpflichtet hat. Deutschland konnte in Ankara auf seinen beschleunigten Zeitplan bis 2029 verweisen.