Last Updated on 20 Stunden ago by TodayWhy Editorial
Wer in Bayern wohnt, hat bis zu 14 gesetzliche Feiertage im Jahr. Wer in Berlin wohnt, hat 10. Für die gleiche Arbeit, im gleichen Land, im gleichen Jahr.
Das wirkt willkürlich. Ist es aber nicht. Hinter den Unterschieden steckt eine klare rechtliche Logik – und eine Geschichte, die fast 500 Jahre zurückreicht.
Dieser Überblick erklärt, warum die Feiertage nach Bundesland so unterschiedlich geregelt sind, welches Land welche Tage hat und was das für Sie praktisch bedeutet.
Wichtig vorab: Es geht dabei nicht um Schulferien. Die werden nach einem eigenen Rotationsverfahren festgelegt und folgen einer ganz anderen Logik.
Warum es keine bundesweite Feiertagsregelung gibt
Der Grund ist einfach: Der Bund darf es gar nicht.
Das Grundgesetz weist dem Bund keine Zuständigkeit für Feiertage zu. Damit fällt das Thema automatisch an die Länder. Jedes der 16 Bundesländer hat ein eigenes Sonn- und Feiertagsgesetz.
Das Bundesministerium des Innern formuliert es so: Eine ausdrückliche Kompetenz des Bundes für bundeseinheitliche Feiertage besteht nicht.
Deshalb unterscheiden sich die Feiertage nach Bundesland überhaupt erst. Es gibt genau eine Ausnahme. Der 3. Oktober wurde 1990 über den Einigungsvertrag festgelegt und ist damit der einzige Feiertag, der auf Bundesrecht beruht. Alle anderen bestimmen die Länder selbst.
Die neun Tage, die überall gelten
Trotzdem sind neun Feiertage bundesweit identisch – weil alle 16 Länder sie in ihre eigenen Gesetze geschrieben haben:
- Neujahr
- Karfreitag
- Ostermontag
- Tag der Arbeit (1. Mai)
- Christi Himmelfahrt
- Pfingstmontag
- Tag der Deutschen Einheit
- Erster Weihnachtstag
- Zweiter Weihnachtstag
Diese neun sind die Basis. Alles darüber hinaus ist Ländersache – und genau dort entstehen die Unterschiede.
Feiertage nach Bundesland: die vollständige Übersicht
Die folgende Tabelle zeigt, wie viele gesetzliche Feiertage jedes Land hat und welche Tage zu den bundesweiten neun hinzukommen.
| Bundesland | Anzahl | Zusätzlich zu den neun bundesweiten Tagen |
|---|---|---|
| Bayern | 12–14 | Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Allerheiligen; Mariä Himmelfahrt in den meisten Gemeinden; Friedensfest nur in Augsburg |
| Baden-Württemberg | 12 | Heilige Drei Könige, Fronleichnam, Allerheiligen |
| Saarland | 12 | Fronleichnam, Mariä Himmelfahrt, Allerheiligen |
| Nordrhein-Westfalen | 11 | Fronleichnam, Allerheiligen |
| Rheinland-Pfalz | 11 | Fronleichnam, Allerheiligen |
| Sachsen | 11 | Reformationstag, Buß- und Bettag; Fronleichnam in einzelnen Gemeinden |
| Sachsen-Anhalt | 11 | Heilige Drei Könige, Reformationstag |
| Thüringen | 11 | Weltkindertag, Reformationstag; Fronleichnam in einzelnen Landkreisen |
| Mecklenburg-Vorpommern | 11 | Frauentag, Reformationstag |
| Hessen | 10 | Fronleichnam |
| Berlin | 10 | Frauentag |
| Brandenburg | 10 | Reformationstag |
| Bremen | 10 | Reformationstag |
| Hamburg | 10 | Reformationstag |
| Niedersachsen | 10 | Reformationstag |
| Schleswig-Holstein | 10 | Reformationstag |
Der Abstand zwischen Bayern und den Stadtstaaten beträgt bis zu vier Tage. Über ein Arbeitsleben von 40 Jahren sind das rund 160 zusätzliche freie Tage.
Warum der Süden mehr freie Tage hat
Wer sich die Feiertage nach Bundesland ansieht, erkennt schnell ein Muster: Katholisch geprägte Länder haben mehr, protestantisch geprägte weniger.
Fronleichnam, Allerheiligen, Mariä Himmelfahrt und Heilige Drei Könige sind katholische Feste. Sie gelten in Bayern, Baden-Württemberg, im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.
Der Reformationstag am 31. Oktober ist das protestantische Gegenstück. Er gilt in den fünf ostdeutschen Ländern sowie in Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Die Wurzel liegt im Augsburger Religionsfrieden von 1555. Damals galt der Grundsatz, dass der Landesherr die Konfession seines Gebiets bestimmt. Die Konfessionsgrenzen von damals verlaufen heute noch fast deckungsgleich mit den Feiertagsgrenzen.
Warum blieb das so? Weil niemand ein Interesse daran hatte, es zu ändern. Ein Feiertag zu streichen ist politisch unpopulär. Einen neuen einzuführen kostet die Wirtschaft Geld. Also blieb es beim Status quo.
Bemerkenswert ist dabei, wie wenig die heutige Konfessionsverteilung noch eine Rolle spielt. In vielen Regionen ist die Mehrheit längst konfessionslos. Die Feiertage nach Bundesland richten sich trotzdem weiter nach den Verhältnissen von vor 1555 – schlicht weil die Gesetze nie angepasst wurden.
Feiertage nach Bundesland reichen nicht immer: wenn nur die Gemeinde zählt
Hier wird es kompliziert – und hier hilft eine allgemeine Übersicht nicht mehr weiter.
Fronleichnam in Sachsen und Thüringen: In beiden Ländern ist der Tag kein landesweiter Feiertag. Er gilt nur dort, wo die Bevölkerung überwiegend katholisch ist. In Sachsen betrifft das einige Gemeinden im Landkreis Bautzen. In Thüringen sind es das Eichsfeld sowie Teile des Unstrut-Hainich-Kreises und des Wartburgkreises.
Mariä Himmelfahrt in Bayern: Der 15. August ist nur in Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung frei. Das trifft auf die große Mehrheit der bayerischen Gemeinden zu, aber eben nicht auf alle. Wer in München arbeitet, hat frei. Wer wenige Kilometer weiter in einer evangelisch geprägten Gemeinde arbeitet, unter Umständen nicht.
Das Augsburger Friedensfest: Der 8. August ist gesetzlicher Feiertag – aber nur im Stadtgebiet Augsburg. Es ist der einzige Feiertag in Deutschland, der auf eine einzelne Stadt beschränkt ist.
Wenn Sie in einer dieser Regionen wohnen oder arbeiten, hilft nur eine Nachfrage bei der Gemeindeverwaltung. Landesweite Kalender sind hier oft ungenau.
Wie Feiertage entstehen – und wieder verschwinden
Die Karte ist nicht in Stein gemeißelt. In den letzten Jahrzehnten hat sie sich mehrfach verändert.
1995 wurde ein Feiertag abgeschafft. Der Buß- und Bettag fiel bundesweit weg, um die neu eingeführte Pflegeversicherung zu finanzieren. Nur Sachsen behielt ihn. Der Preis: Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Sachsen zahlen bis heute einen höheren Beitrag zur Pflegeversicherung als der Rest der Republik.
2018 kam ein Feiertag dazu. Hamburg, Bremen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein führten den Reformationstag dauerhaft ein. Auslöser war das 500-jährige Reformationsjubiläum 2017, das einmalig bundesweit frei war – danach wollte der Norden den Tag behalten.
2019 und 2023 folgten weitere. Thüringen führte den Weltkindertag ein. Berlin machte den Internationalen Frauentag zum Feiertag, Mecklenburg-Vorpommern zog 2023 nach.
Das zeigt: Ein einzelnes Bundesland kann jederzeit einen neuen Feiertag beschließen. Es braucht dafür nur ein Landesgesetz, keine Zustimmung des Bundes.
Zählt der Wohnort oder der Arbeitsort?
Das ist die Frage, die in der Praxis am häufigsten zu Streit führt.
Die Regel lautet: Es gilt der Arbeitsort. Wer in Hamburg wohnt, aber in Niedersachsen arbeitet, richtet sich nach den niedersächsischen Feiertagen.
Beim Homeoffice ist die Lage weniger eindeutig. Wenn die Arbeit tatsächlich zu Hause erbracht wird, spricht viel für die Feiertage am Wohnort. Eine gesetzliche Klarstellung fehlt bislang. Klären Sie das im Zweifel schriftlich mit dem Arbeitgeber, bevor der Tag da ist.
Ein zweiter Punkt betrifft Pendlerinnen und Pendler: Wenn am Arbeitsort ein Feiertag gilt, am Wohnort aber nicht, haben Geschäfte und Behörden zu Hause ganz normal geöffnet. Und umgekehrt.
Häufige Fragen
Welches Bundesland hat die meisten Feiertage?
Bayern. Je nach Gemeinde sind es 12 bis 13 Tage. In Augsburg kommt das Friedensfest hinzu – dort sind es 14 und damit die meisten in ganz Deutschland.
Welches Bundesland hat die wenigsten Feiertage?
Sieben Länder liegen gleichauf bei 10: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.
Welche Feiertage gelten in ganz Deutschland?
Neun: Neujahr, Karfreitag, Ostermontag, 1. Mai, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Tag der Deutschen Einheit sowie der erste und zweite Weihnachtstag. Nur der 3. Oktober beruht dabei auf Bundesrecht.
Gilt der Feiertag am Wohnort oder am Arbeitsort?
Grundsätzlich am Arbeitsort. Wer über eine Landesgrenze pendelt, richtet sich nach dem Feiertagsrecht des Landes, in dem er arbeitet – nicht nach dem, in dem er wohnt.
Warum ist Fronleichnam nicht überall ein Feiertag?
Weil es ein katholisches Fest ist. Es gilt landesweit nur in den fünf überwiegend katholisch geprägten Ländern sowie im Saarland. In Sachsen und Thüringen gilt es zusätzlich in einzelnen katholischen Gemeinden.
Kann ein Bundesland einfach einen neuen Feiertag einführen?
Ja. Dafür genügt ein Landesgesetz. Berlin, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern haben das zwischen 2019 und 2023 getan. Der Bund hat dabei kein Mitspracherecht.
Wo finde ich die Feiertage nach Bundesland verbindlich?
Verbindlich ist allein das Sonn- und Feiertagsgesetz des jeweiligen Landes. Kalender-Websites geben einen guten ersten Überblick, bilden regionale Ausnahmen auf Gemeindeebene aber häufig falsch ab.
Warum fällt Ostern jedes Jahr auf ein anderes Datum?
Weil sich das Datum nach dem Mond richtet, nicht nach dem Kalender. Und weil Ostern die Lage von Karfreitag, Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und Fronleichnam bestimmt, verschieben sich diese Feiertage nach Bundesland jedes Jahr mit. Die Details erklären wir in einem eigenen Beitrag zum wechselnden Osterdatum.
Was Sie sich merken sollten
Die Unterschiede bei den Feiertagen nach Bundesland sind kein Verwaltungsfehler. Sie sind das direkte Ergebnis von zwei Dingen: der Zuständigkeit der Länder und einer Konfessionsgrenze aus dem 16. Jahrhundert.
Praktisch heißt das: Prüfen Sie Ihren Arbeitsort, nicht Ihren Wohnort. Und wenn Sie in Bayern, Sachsen oder Thüringen leben, prüfen Sie zusätzlich Ihre Gemeinde – denn dort endet die Zuständigkeit des Landes und beginnt die des Ortes.