Warum ist Israel bei der EM dabei? Erklärt

Last Updated on 4 Wochen ago by TodayWhy Editorial

Wer die Leichtathletik-EM 2026 in Birmingham verfolgt, stößt früher oder später auf eine Frage, die auf den ersten Blick keinen Sinn ergibt: Warum ist Israel bei der EM dabei, wenn das Land doch auf keiner Landkarte zu Europa gehört?

Die kurze Antwort: Die Teilnahme ist keine geografische Entscheidung, sondern das Ergebnis einer jahrzehntelangen politischen Sackgasse im asiatischen Sport — einer Geschichte mit einem abgesagten Turnier, einem einstimmigen Verbandsbeschluss und einer über zehn Jahre langen Wartezeit bis zur ersten Medaille.

Bei der EM 2026 in Birmingham ist die israelische Mannschaft ein regulärer Teil des rund 1.600 Athletinnen und Athleten starken Teilnehmerfelds aus 51 Mitgliedsverbänden der European Athletic Association — derselben Struktur, in die das Land 1990 erstmals aufgenommen wurde.

Warum Israel geografisch nicht zu Europa gehört

Ein Blick auf die Landkarte macht die Verwirrung verständlich. Israel liegt am östlichen Rand des Mittelmeers, umgeben von Ägypten, Jordanien, Syrien und dem Libanon — geografisch eindeutig Teil Asiens, wie seine direkten Nachbarn auch. Niemand würde Ägypten oder Jordanien zu Europa zählen. Bei Israel sorgt aber ausgerechnet der Sport seit Jahrzehnten für Verwirrung, weil das Land dort unter europäischer Flagge antritt.

Warum Israel ursprünglich in Asien startete

Der Israelische Leichtathletikverband wurde bereits 1931 gegründet, damals noch als „Federation for Amateur Sports in Palestine“ während der britischen Mandatszeit. Nach der Staatsgründung 1948 nahm Israel zunächst regulär an asiatischen Wettbewerben teil: Bei den Asienspielen zwischen 1954 und 1974 gewann das Land insgesamt 53 Medaillen, davon 18 Gold — sportlich lief es in Asien also außergewöhnlich gut.

Politisch wurde die Lage zunehmend untragbar. Zahlreiche arabisch und muslimisch geprägte Staaten erkennen Israel bis heute nicht an und untersagen ihren eigenen Sportlerinnen und Sportlern offiziell, gegen israelische Konkurrenz anzutreten.

Warum 1977 ein ganzes Turnier abgesagt werden musste

Der entscheidende Bruch kam 1977. Die Asiatischen Leichtathletik-Meisterschaften jenes Jahres wurden komplett abgesagt, nachdem Streit über Israels Teilnahme eskalierte. Die Folgeturniere zwischen 1979 und 1989 erkannte der Weltverband IAAF nicht einmal offiziell als Meisterschaften an — sie liefen nur als informelles „Asian Track and Field Meeting“, weil die politische Blockade eine reguläre, von allen Seiten akzeptierte Meisterschaft schlicht unmöglich machte.

Für den asiatischen Verband war das ein struktureller Dauerkonflikt: Sobald Israel startete, verweigerten einzelne Nationalverbände die Teilnahme oder Wettkämpfe gegen israelische Athleten wurden boykottiert. Ein Turnier, bei dem ein Teil der gemeldeten Länder grundsätzlich nicht antritt, verliert seinen Sinn als echte Kontinentalmeisterschaft.

Die Asiatischen Leichtathletik-Meisterschaften 1977 wurden wegen der politischen Kontroverse um Israels Teilnahme komplett abgesagt. Die darauffolgenden Veranstaltungen von 1979 bis 1989 wurden von der IAAF nicht als offizielle Meisterschaften anerkannt und liefen lediglich unter der Bezeichnung „Asian Track and Field Meeting“.

Warum der Wechsel Israels bei der EM die einzige praktikable Lösung war

Im September 1989 stimmte der Kongress der damaligen IAAF unter Präsident Primo Nebiolo einstimmig dafür, Israel als „vorübergehendes“ Mitglied in die European Athletic Association aufzunehmen. Bereits 1990 nahm Israel mit drei Athletinnen und Athleten erstmals an den Europameisterschaften in Split teil. Die Mitgliedschaft wurde später zu einer vollen Mitgliedschaft.

Die Lösung kam im September 1989: Der Kongress des Weltverbands IAAF unter Präsident Primo Nebiolo stimmte einstimmig dafür, Israel als „vorübergehendes“ Mitglied in die European Athletic Association aufzunehmen. 1990 schickte Israel drei Athletinnen und Athleten zu seiner ersten Europameisterschaft im kroatischen Split.

Der Umstieg nach Europa war damit von Anfang an eine pragmatische Notlösung, kein geografisches Umdenken.

Andere Sportarten durchliefen einen fast identischen Weg, oft mit noch dramatischeren Details: Der israelische Fußballverband wurde 1974 nach einem Kuwait-Antrag mit 17 zu 13 Stimmen bei sechs Enthaltungen aus dem Asiatischen Fußballverband ausgeschlossen — ausgerechnet nach einem knappen 0:1 gegen den Ausrichter Iran im Finale der Asienspiele desselben Jahres. Es folgten 17 Jahre in der sportpolitischen Schwebe: Von 1978 bis 1986 spielte die Nationalmannschaft provisorisch im ozeanischen Verband, reiste über 25.000 Kilometer für einzelne Qualifikationsspiele gegen Neuseeland und Australien und verpasste trotzdem regelmäßig die Weltmeisterschaft. Erst 1992 wurde Israel vorläufiges, 1994 vollwertiges UEFA-Mitglied.

Auch im Basketball verlief die Geschichte ähnlich, wenn auch weniger dramatisch dokumentiert: Israels Vereine wie Maccabi Tel Aviv zählen heute mit sechs europäischen Titeln zu den erfolgreichsten Klubs des Kontinents — ein weiterer Beleg dafür, dass aus einer ursprünglich politisch erzwungenen Notlösung längst gewachsene sportliche Realität geworden ist.

Warum es zwölf Jahre bis zur ersten Medaille dauerte

Der Umstieg brachte keinen sofortigen sportlichen Erfolg. Nach dem Debüt 1990 mit nur drei Startern dauerte es bis 2002, ehe Alexander Averbukh im Stabhochsprung die erste EM-Goldmedaille für Israel gewann. Bis 2022 kamen insgesamt drei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille zusammen — ein bescheidener, aber stetig wachsender Medaillenspiegel, der zeigt, dass die europäische Startberechtigung längst zur sportlichen Realität geworden ist, nicht nur zu einer administrativen Fußnote.

Die erste EM-Medaille für Israel gewann Alexander Averbukh 2002 mit Gold im Stabhochsprung. Bis 2022 hatte Israel insgesamt drei Gold-, eine Silber- und eine Bronzemedaille errungen. Seither kamen weitere Medaillen hinzu; der Medaillenspiegel wächst weiter.

Warum Israel bei der EM kein Einzelfall im Weltsport ist

Israel ist zwar das bekannteste Beispiel, aber nicht das einzige Land, das aus politischen statt geografischen Gründen einem anderen Kontinentalverband zugeordnet wurde. Kasachstan etwa liegt geografisch überwiegend in Asien, ist im Fußball aber seit 2002 UEFA-Mitglied — dort spielten wirtschaftliche und sportliche Erwägungen die Hauptrolle, nicht ein Ausschluss wie bei Israel. Auch Armenien, Aserbaidschan, Georgien und Zypern liegen geografisch ganz oder teilweise in Asien und treten dennoch europäisch an, wenn auch aus unterschiedlichen historischen Gründen.

Der Unterschied bei Israel bei der EM liegt in der Eindeutigkeit der Vorgeschichte: Bei kaum einem anderen Land lässt sich der Wechsel so präzise auf ein einzelnes, dokumentiertes Ereignis zurückführen wie auf die abgesagte Asienmeisterschaft 1977 und den einstimmigen IAAF-Beschluss von 1989.

Ist Israel damit offiziell ein europäisches Land?

Nein — und das ist der Punkt, der am häufigsten missverstanden wird. Israel bei der EM zu sehen bedeutet nicht, dass das Land staatsrechtlich oder geografisch zu Europa gerechnet wird. Es handelt sich ausschließlich um eine sportverbandsinterne Zuordnung, die einzeln für Fußball, Basketball, Leichtathletik und weitere Sportarten getroffen wurde. Sie hat keinerlei Auswirkung auf EU-Mitgliedschaft, Geografie oder andere internationale Einordnungen außerhalb des Sports.

Diese Sonderregelung ist bis heute nicht unumstritten und wird in unregelmäßigen Abständen politisch diskutiert, zuletzt im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. An der grundsätzlichen sportverbandsrechtlichen Zugehörigkeit Israels zu den europäischen Kontinentalverbänden hat das bislang nichts geändert.

Häufige Fragen

Warum ist Israel bei der EM dabei, obwohl es in Asien liegt?

Weil viele arabische und muslimische Staaten Israel nicht anerkennen und ihren Sportlern die Teilnahme an Wettkämpfen gegen israelische Athleten untersagen. Nachdem deshalb 1977 sogar eine komplette Asien-Meisterschaft abgesagt werden musste, nahm der Weltverband IAAF Israel 1989 einstimmig in die europäischen Strukturen auf.

Seit wann tritt Israel bei der Leichtathletik-EM an?

Seit 1990. Damals starteten drei israelische Athletinnen und Athleten erstmals bei den Europameisterschaften in Split (Kroatien). Die erste Medaille – Gold im Stabhochsprung durch Alexander Averbukh – folgte 2002.

Warum wurde 1977 die Asien-Meisterschaft der Leichtathletik abgesagt?

Wegen des eskalierenden Streits um Israels Teilnahme. Die Folgeturniere bis 1989 wurden von der IAAF nur als inoffizielle „Asian Track and Field Meetings“ anerkannt.

Gehört Israel offiziell zu Europa?

Nein. Die Zuordnung gilt ausschließlich für einzelne Sportverbände und hat keine Bedeutung für die geografische, politische oder staatsrechtliche Einordnung des Landes.

Gilt dieselbe Regelung auch im Fußball?

Ja, mit einer ähnlichen Geschichte: Israel wurde 1974 aus dem Asiatischen Fußballverband ausgeschlossen, spielte danach zeitweise im ozeanischen Verband und wurde erst 1994 vollwertiges UEFA-Mitglied.

Ähnliche Wege gingen auch andere Sportarten: Der israelische Fußballverband wurde 1974 aus dem Asiatischen Fußballverband ausgeschlossen und wurde 1994 vollwertiges UEFA-Mitglied. Im Basketball sind israelische Vereine wie Maccabi Tel Aviv seit Jahrzehnten fest in den europäischen Wettbewerben verankert.

Ist die Teilnahme Israels an europäischen Meisterschaften umstritten?

Ja, sie wird immer wieder politisch diskutiert, etwa zuletzt im Zusammenhang mit dem Gaza-Krieg. An der sportverbandsrechtlichen Zugehörigkeit zu den europäischen Strukturen hat das bislang jedoch nichts geändert.

Die Zuordnung Israels zur European Athletic Association basiert auf dem einstimmigen Beschluss des IAAF-Kongresses von 1989 und ist bis heute gültig. Sie gilt ausschließlich für den Sport und hat keine Auswirkungen auf die geografische oder politische Einordnung des Landes.

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