Neue Euro Scheine: Warum die EZB das Design ändert

Last Updated on 18 Minuten ago by TodayWhy Editorial

Neue Euro Scheine stehen bevor – die größte Veränderung an unserem Bargeld seit über 20 Jahren. Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe vorgestellt und lässt nun ganz Europa mitentscheiden, wie das Geld der Zukunft aussehen soll.

Was hat die EZB bei den neuen Euro Scheinen vorgestellt?

Zehn Gestaltungsvorschläge für die nächste Generation der Banknoten. Sie stammen aus einem EU-weiten Wettbewerb, an dem sich laut offiziellen Angaben der EZB mehr als 1.200 Grafikdesignerinnen und -designer beworben hatten. 25 von ihnen durften am Ende tatsächlich Entwürfe ausarbeiten, eine unabhängige 21-köpfige Jury aus Grafikdesign, Kommunikation, Neurowissenschaft und Geschichte wählte daraus die zehn Finalisten aus.

Bis zum 21. September 2026 kann jeder in Europa online abstimmen, welcher Entwurf ihm am besten gefällt. Der EZB-Rat trifft die endgültige Entscheidung voraussichtlich gegen Jahresende – bis die Scheine tatsächlich im Portemonnaie landen, dauert es aber noch einige Jahre.

Wie sieht der Weg zu den neuen Euro Scheinen bisher aus?

Der Prozess läuft bereits seit Ende 2021, als die EZB ihre Pläne zur Neugestaltung erstmals bekannt gab. 2023 folgten zwei öffentliche Umfragen zu möglichen Themen, aus denen der EZB-Rat „Europäische Kultur“ sowie „Flüsse und Vögel“ auswählte. Ab Mitte 2025 lief dann der eigentliche Design-Wettbewerb, an dem sich Grafikdesignerinnen und -designer aus der ganzen EU bewerben konnten.

Die jetzt vorgestellten zehn Entwürfe markieren damit einen vorläufigen Höhepunkt eines mehrjährigen Verfahrens – und zugleich die erste vollständige Neugestaltung der Euro-Banknoten seit ihrer Einführung im Jahr 2002.

Neue Euro Scheine

Wie sehen die zehn Entwürfe für die neuen Euro Scheine aus?

Beim Thema „Europäische Kultur“ zeigen die Entwürfe historische Persönlichkeiten: die Sängerin Maria Callas auf dem Fünf-Euro-Schein, den Komponisten Ludwig van Beethoven auf dem Zehner, die Wissenschaftlerin Marie Curie auf dem Zwanziger, den Schriftsteller Miguel de Cervantes auf dem Fünfziger, den Künstler Leonardo da Vinci auf dem Hunderter und die Schriftstellerin Bertha von Suttner auf dem Zweihunderter.

Beim zweiten Thema, „Flüsse und Vögel“, dominieren stattdessen heimische Naturmotive: ein Mauerläufer auf dem Fünf-Euro-Schein, ein Eisvogel auf dem Zehner, ein Schwarm Bienenfresser auf dem Zwanziger, ein Weißstorch auf dem Fünfziger und ein Säbelschnäbler auf dem Hunderter. Die Rückseiten sollen bei beiden Themen jeweils passende Alltagsszenen zeigen, etwa Straßenkünstler oder ein Sängerfest mit Kinderchor.

Warum ändert die EZB das Design der Euro Scheine überhaupt?

Die aktuellen Euro Scheine gibt es seit 2002, ihr Grundlayout stammt sogar aus den 1990er-Jahren. Das ist für eine Leitwährung ungewöhnlich lange – und genau das ist ein Teil des Problems.

Je länger ein Design im Umlauf ist, desto besser kennen Fälscher seine Schwächen. Neue Sicherheitsmerkmale sollen die Euro Scheine wieder einen technologischen Schritt voraus bringen. Gleichzeitig will die EZB das Geld barrierefreier gestalten, etwa für Menschen mit Sehbeeinträchtigung, und den ökologischen Fußabdruck durch langlebigere Materialien senken.

Bundesbank-Präsident Joachim Nagel appelliert in diesem Zusammenhang an die Bürger, sich an der Umfrage zu beteiligen: Je mehr Menschen abstimmten, desto besser spiegele das Ergebnis die Vielfalt und die Werte Europas wider.

Warum überhaupt neue Euro Scheine, wenn immer mehr digital bezahlt wird?

Genau deshalb, sagt die EZB. Cash soll als freie Zahlungsoption erhalten bleiben, unabhängig davon, wie stark der digitale Euro künftig wächst. Bargeld gilt zudem als das einzige Zahlungsmittel, das komplett ohne Technik oder Internetverbindung funktioniert – ein Vorteil, den auch Verfechter des Bargelds immer wieder betonen, gerade in Deutschland, wo Bargeld traditionell einen hohen Stellenwert hat.

Über 30 Milliarden Euro Scheine sind derzeit im Umlauf, mit einem Gesamtwert von mehr als 1,5 Billionen Euro. Für die EZB ist die regelmäßige Erneuerung der Banknotenserie deshalb schlicht Teil der laufenden Aufgabe, Vertrauen in die gemeinsame Währung zu erhalten – ähnlich wie die Bundesregierung mit der Rentenreform 2026 langfristig Vertrauen in die finanzielle Absicherung der Bürger stärken will.

Warum zeigen die neuen Euro Scheine keine lebenden Personen?

Lebende Personen kommen bewusst nicht vor – das ist bei Zentralbank-Banknoten international übliche Praxis. Das ursprüngliche Design der Euro Scheine von 2002 zeigte deshalb sogar komplett erfundene Brücken und Tore: Der damalige Gestalter Robert Kalina wollte kein einzelnes Mitgliedsland bevorzugen.

Genau dieses Spannungsfeld bleibt bestehen, wenn nun echte Personen zur Wahl stehen. Kalina selbst äußerte inzwischen Bedenken: Konkrete Personen auf dem Geld könnten alte nationale Eifersüchteleien neu entfachen. Während der Italiener Leonardo da Vinci prominent auf dem Hunderter zu sehen wäre, tauchte die Griechin Maria Callas „nur“ auf dem Fünf-Euro-Schein auf – und die meisten Euro-Länder wären in keinem der beiden Themen überhaupt sichtbar vertreten.

Warum dürfen die Bürger mitentscheiden?

Die Abstimmung ist nicht bindend, soll aber in die finale Entscheidung einfließen. Neben der offenen Online-Umfrage lässt die EZB parallel ein unabhängiges Meinungsforschungsinstitut dieselben Fragen an einer repräsentativen Stichprobe von Bürgern im Euroraum stellen.

Der Grund: Euro Scheine sind für die EZB mehr als reines Zahlungsmittel. Sie gelten als eines der greifbarsten Symbole europäischer Einheit – und sollen deshalb möglichst breite Zustimmung aus der Bevölkerung erhalten, statt allein am Reißbrett von Experten entschieden zu werden. EZB-Präsidentin Christine Lagarde betonte bei der Vorstellung, Euro-Banknoten seien eine der greifbarsten Ausdrucksformen Europas und sollten Schönheit mit Sinn verbinden.

Was bedeutet das für Deutschland?

Für Deutschland ist die Debatte um die neuen Euro Scheine besonders heikel, weil Bargeld hierzulande traditionell einen höheren Stellenwert genießt als in vielen anderen Euro-Ländern. Gleichzeitig sinkt aber auch in Deutschland die Vorliebe fürs Bare, während digitale Zahlungen mit Karte oder Smartphone stetig zunehmen.

Genau in dieser Übergangsphase will die EZB mit den neuen Euro Scheinen zeigen, dass Bargeld weiterhin zeitgemäß bleiben kann – sicherer, zugänglicher und optisch an die Gegenwart angepasst, ohne die Freiheit zur Wahl des Zahlungsmittels einzuschränken.

Wie geht es mit den neuen Euro-Scheinen jetzt weiter?

Nach dem Ende der Umfrage im September fließen drei Elemente in die Entscheidung des EZB-Rats ein: die Einschätzung der Design-Jury, eine technische Bewertung der Entwürfe und die Ergebnisse beider Umfragen. Die endgültige Wahl soll gegen Jahresende fallen.

Danach wird das ausgewählte Design weiter ausgearbeitet und getestet, bevor die Produktion beginnt. Alte Euro-Scheine verlieren dabei nicht an Wert – sie bleiben, wie schon bei früheren Umstellungen in der Eurozone üblich, parallel zur neuen Serie gültig. Bis das neue Geld tatsächlich in Geldbörsen landet, dürften nach EZB-Angaben noch mehrere Jahre vergehen.

Für die grafische Umsetzung bedeutet das: Je nachdem, welches Thema am Ende gewinnt, wird sich das Erscheinungsbild von Geldscheinen im Portemonnaie deutlich verändern – von abstrakten Fensterbögen und Brücken hin zu Porträts bekannter Persönlichkeiten oder zu heimischen Vögeln und Flusslandschaften. Für viele Menschen dürfte das eine der sichtbarsten Veränderungen im Alltag seit der Euro-Einführung werden, auch wenn sie sich technisch schrittweise vollzieht.

Häufige Fragen

Wann kommen die neuen Euro-Scheine?

Ein genaues Datum gibt es noch nicht. Der EZB-Rat entscheidet voraussichtlich gegen Jahresende 2026 über das endgültige Design, danach folgen weitere Entwicklung, Tests und die Produktion. Die neuen Scheine sollen erst in den darauffolgenden Jahren in Umlauf kommen.

Werden die alten Euro-Scheine ungültig?

Nein. Frühere Serien behalten ihren Wert und bleiben neben der neuen Serie gültig, so wie es auch bei bisherigen Design-Anpassungen der Fall war.

Kann ich wirklich mitbestimmen, wie die neuen Euro-Scheine aussehen?

Bis zum 21. September 2026 kann jeder online an der EZB-Umfrage teilnehmen. Die Stimmen sind nicht bindend, fließen aber laut EZB in die finale Entscheidung mit ein.

Warum stehen keine lebenden Politiker oder Prominenten zur Wahl?

Weil Zentralbanken bei Banknoten traditionell auf lebende Personen verzichten, unter anderem um Neutralität zu wahren und mögliche Kontroversen zu vermeiden.

Welche Themen stehen bei den neuen Euro-Scheinen zur Auswahl?

Zwei Themen: „Europäische Kultur“ mit historischen Persönlichkeiten wie Beethoven oder Marie Curie, und „Flüsse und Vögel“ mit Naturmotiven wie Eisvogel oder Weißstorch.

Schreibe einen Kommentar