Last Updated on 42 Minuten ago by TodayWhy Editorial
Russlands modernster Kampfjet ist nahe der eigenen Hauptstadt abgestürzt – und ausgerechnet russische Militärblogger vermuten, dass die eigene Flugabwehr dahintersteckt. Hier ist, was zur Su-57 am 23. Juli 2026 bekannt ist, und warum die Erklärung so viel Erklärungsbedarf hat.
Was geschah mit der Su-57 am 23. Juli?
Gegen 13:50 Uhr Ortszeit stürzte ein Kampfjet im Bezirk Odinzowo nahe der Kleinstadt Swenigorod ab, etwa 65 Kilometer westlich von Moskau, unweit des Militärflugplatzes Kubinka. Augenzeugenvideos von Telegram zeigten Flammen und dichten Rauch über einem freien Feld. Der Pilot konnte sich per Schleudersitz retten und überlebte; das russische Verteidigungsministerium meldete keine Opfer und keine Schäden am Boden.
Die offizielle Erklärung des Ministeriums nannte den Flugzeugtyp bewusst nicht – die Rede war nur von einem „Trainings- und Kampfflugzeug“, das beim Start abgestürzt sei. Erst russische Medien wie die Wirtschaftszeitung Kommersant und Militärblogger identifizierten die Maschine als Su-57, Russlands einziges einsatzfähiges Kampfflugzeug der fünften Generation.
Warum vermuten viele einen Abschuss der Su-57 durch die eigene Flugabwehr?
Offiziell spricht Russland von einem „technischen Defekt“ – konkret von einem Triebwerksausfall kurz nach dem Start. Mehrere russische Militärblogger und Kommentatoren in sozialen Netzwerken verbreiteten aber kurz nach dem Absturz eine andere These: Die Su-57 sei Opfer eines „Friendly-Fire“-Vorfalls geworden, verursacht durch die eigene, wegen anhaltender ukrainischer Drohnenangriffe rund um Moskau verstärkte Flugabwehr.
Ein russischer Militärblogger mit dem Namen Romanow warf öffentlich Fragen an die Moskauer Flugabwehrstation „BARS“ auf – ein Hinweis, den Beobachter als indirekten Beleg für die Friendly-Fire-These werten. Die Vermutung ist angesichts der aktuellen Verteidigungslage um Moskau nicht abwegig: Satellitenaufnahmen zeigen mehrere konzentrische Ringe aus S-300-, S-400- und Pantsir-Systemen rund um die russische Hauptstadt, einige davon sogar per Hubschrauber auf Hochhausdächer montiert, um ukrainische Langstreckendrohnen abzufangen. Bei derart dichter Luftabwehr ist ein Kampfjet, der während eines Drohnenalarms durch umkämpften Luftraum fliegt, genau das Szenario, in dem Eigenbeschuss plausibel wird.
Warum bestätigt Russland den Su-57-Typ nicht offiziell?
Dass Moskau den Typ bei sensiblen Verlusten nicht offiziell nennt, ist ein bekanntes Muster – es begrenzt, wie viel ausländische Beobachter aus einem Verlust ableiten können. Laut einem Bericht von FLUG REVUE bestätigten Kommersant und die staatliche Nachrichtenagentur Tass unter Berufung auf Quellen aus dem Verteidigungsministerium zwar, dass es sich um den vermuteten Jet handelte – eine offizielle Bestätigung durch das Ministerium selbst blieb aber aus. Russlands Ermittlungskomitee eröffnete zusätzlich ein Strafverfahren wegen möglicher Verstöße gegen Flugvorschriften, das parallel zur militärischen Unfalluntersuchung läuft.
Sollte sich die Identifizierung bestätigen, wäre dies erst der zweite öffentlich bekannte Absturz einer Su-57 überhaupt – der erste ereignete sich bereits 2019 bei einem Testflug, Jahre bevor die Serienproduktion richtig anlief.
Wie viele Su-57 hat Russland schon verloren?
Russland verfügte zu Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 über gerade einmal vier einsatzfähige Su-57. Bestellt sind inzwischen 76 Maschinen, ausgeliefert bislang aber nur rund 30. Wie viele davon aktuell noch im Dienst stehen, lässt sich von außen kaum verlässlich beziffern.
Das Open-Source-Projekt Oryx hat bislang nur einen einzigen solchen Verlust mit Fotobeweisen bestätigt: eine durch einen ukrainischen Drohnenangriff auf einem Flugplatz beschädigte Maschine im Jahr 2024. Die Ukraine reklamiert weitere Treffer für sich, etwa einen Angriff auf eine Maschine tief im russischen Hinterland im Juni 2024 sowie einen weiteren mutmaßlichen Drohnenangriff im April 2026 – visuell bestätigt sind diese Fälle allerdings schwerer als bei häufiger eingesetzten russischen Kampfjets.
Warum ist der Verlust einer Su-57 für Russland so schmerzhaft?
Jeder solche Verlust trifft eine Flotte, die schon von Beginn an klein gehalten wurde. Russlands Produktionskapazitäten für den Jet sind begrenzt, und Präsident Wladimir Putin hat sie wiederholt persönlich als eines der besten Kampfflugzeuge der Welt angepriesen. Ein Absturz, der nach Eigenbeschuss aussieht statt nach gegnerischer Einwirkung, ist für Moskau eine deutlich unangenehmere Geschichte als ein Verlust durch ukrainische Angriffe – schließlich stellt sie nicht die Stärke der Ukraine infrage, sondern die Zuverlässigkeit der eigenen Luftabwehr.
Bislang hat nur Algerien den Jet als Exportkunde bestellt, nach Jahren, in denen Russland den Jet auf internationalen Flugschauen intensiv beworben hat, ohne ausländische Käufer zu finden. Ein Absturz durch die eigene Flugabwehr passt schlecht in dieses Verkaufsnarrativ.
Was ist die Su-57 überhaupt?
Die Su-57, NATO-Codename „Felon“, ist Russlands Antwort auf den amerikanischen Tarnkappenjäger F-22: ein zweistrahliges Mehrzweckflugzeug, das Luftüberlegenheit mit Angriffsfähigkeiten gegen Boden- und Seeziele verbinden soll. Der Erstflug fand bereits 2010 statt, Entwicklungsverzögerungen und eine zunächst sehr begrenzte Serienproduktion sorgten aber dafür, dass die Maschine erst Jahre später als geplant in den regulären Dienst ging.
Statt tief in umkämpften ukrainischen Luftraum vorzudringen, setzt Russland seine wenigen Exemplare vorsichtig ein – meist in einem Abstand von rund 200 Kilometern zur Frontlinie, von wo aus sie Marschflugkörper vom Typ Kh-59 und Kh-69 abfeuern. Genau dieses zurückhaltende Einsatzmuster zeigt, wie wenig Spielraum Russland hat, auch nur eine dieser Maschinen zu verlieren – ob durch Feindeinwirkung oder durch die eigene Luftabwehr.
Was bedeutet der Su-57-Absturz für Deutschland und die NATO?
Für die Bundeswehr und die NATO liefert der Vorfall ein weiteres Indiz dafür, dass Russlands Luftstreitkräfte trotz aller Modernisierungsversuche mit ernsthaften operativen Problemen kämpfen. Genau solche Einschätzungen zur russischen Bedrohungslage fließen auch in die Debatte um deutsche Verteidigungsausgaben ein: Deutschland hat seine Verteidigungsausgaben seit 2022 nach eigenen Angaben verdoppelt und meldete beim NATO-Gipfel 2026 einen Rekord von 124 Milliarden Euro. Mehr zu den Hintergründen dieser deutschen Rekord-Verteidigungsausgaben lässt sich in unserem separaten Artikel nachlesen.
Ob Pannen wie der Su-57-Absturz Russlands tatsächliche militärische Schlagkraft schmälern oder eher Ausdruck von Einzelfällen sind, bleibt unter Militärexperten umstritten. Klar ist nur: Für ein Land, das seine fortschrittlichsten Kampfjets so sparsam einsetzt, ist jeder einzelne Verlust ein Rückschlag, den es sich eigentlich nicht leisten kann.
Reiht sich die Su-57 in ein größeres Muster russischer Flugzeugverluste ein?
Der mutmaßliche Su-57-Absturz fällt in eine ungewöhnlich schlechte Phase für Russlands Luftstreitkräfte. Nur einen Tag zuvor, am 22. Juli, soll ein ukrainisches F-16-Kampfflugzeug erstmals im Krieg ein russisches Jagdflugzeug im Luftkampf abgeschossen haben. Auch Eigenbeschuss ist kein neues Phänomen: Bereits 2023 wurde eine russische Su-35 bei Tokmak von der eigenen Flugabwehr getroffen, und ukrainische Drohnen haben wiederholt russische Kampfjets auf Flugplätzen getroffen, die eigentlich als sicher weit im Hinterland galten.
Ob es sich beim aktuellen Fall tatsächlich um Eigenbeschuss handelt, lässt sich derzeit nicht abschließend beurteilen. Das Muster als Ganzes deutet aber darauf hin, dass ausgerechnet die Maschinen, die sich Russland am wenigsten leisten kann zu verlieren, immer wieder auf vermeidbare Weise zerstört werden – durch Drohnen, technische Pannen oder offenbar auch durch die eigenen Streitkräfte.
Häufig gestellte Fragen
Hat Russland wirklich eine Su-57 verloren?
Russische Behörden bestätigten den Absturz eines „Trainings- und Kampfflugzeugs“ am 23. Juli 2026 nahe Moskau, nannten den Typ aber nicht offiziell. Russische Medien und Militärblogger identifizierten die Maschine als Su-57 – eine offizielle Bestätigung durch den Kreml oder das Verteidigungsministerium steht noch aus.
Wurde die Su-57 von der eigenen Flugabwehr abgeschossen?
Das ist eine unter russischen Militärbloggern verbreitete These, angesichts der dichten Luftabwehr rund um Moskau gegen ukrainische Drohnen. Offiziell spricht Russland von einem technischen Defekt, konkret einem Triebwerksausfall. Der Vorfall wird zusätzlich strafrechtlich untersucht.
Wie viele Su-57 besitzt Russland?
Russland startete 2022 mit nur vier einsatzfähigen Su-57 in den Krieg. Bestellt sind inzwischen 76 Maschinen, ausgeliefert aber erst rund 30 – eine genaue, unabhängig verifizierte aktuelle Zahl im Einsatz gibt es nicht.
Ist die Su-57 Russlands Version des F-22?
Ja. Die Su-57, NATO-Codename „Felon“, ist ein zweistrahliger Tarnkappenjäger, der als russisches Gegenstück zum amerikanischen F-22 Raptor gilt und Luftüberlegenheit mit Angriffsfähigkeit kombinieren soll.
Hat schon jemand die Su-57 von Russland gekauft?
Bislang ist Algerien der einzige bestätigte Exportkunde für die Su-57, nachdem Russland den Jet jahrelang auf internationalen Flugschauen beworben hatte, ohne andere ausländische Käufer zu gewinnen.