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Andy Burnham gilt als der mit Abstand wahrscheinlichste Nachfolger von Keir Starmer als britischer Premierminister. Der 56-jährige Politiker, bislang Bürgermeister von Greater Manchester, kehrte mit einem deutlichen Wahlsieg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield am 18. Juni 2026 ins Unterhaus zurück – und damit erstmals seit 2017 wieder ins Zentrum der nationalen Politik.
Vom Hinterbänkler zum „King of the North“
Burnham wurde am 7. Januar 1970 in Aintree geboren und wuchs im nordenglischen Culcheth auf. Er studierte Englisch am Fitzwilliam College in Cambridge und trat der Labour Party bereits mit 15 Jahren bei. 2001 wurde er erstmals als Abgeordneter für den Wahlkreis Leigh ins Unterhaus gewählt – ein Mandat, das er bis 2017 hielt. In dieser Zeit bekleidete er mehrere Kabinettsposten, unter anderem als Kultur- und zuletzt als Gesundheitsminister unter Premierminister Gordon Brown bis 2010.
Nach Browns Rücktritt bewarb sich Burnham zweimal erfolglos um den Labour-Vorsitz: 2010 unterlag er Ed Miliband, 2015 wurde er Dritter hinter Jeremy Corbyn. 2017 wechselte er die politische Bühne und ließ sich zum ersten direkt gewählten Bürgermeister von Greater Manchester wählen – ein noch junges Amt, das durch die Dezentralisierungsreformen unter Finanzminister George Osborne entstanden war.
Seinen Spitznamen „King of the North“ erhielt Burnham während der Corona-Pandemie, als er sich öffentlich und wiederholt mit der konservativen Regierung unter Boris Johnson anlegte – insbesondere um zusätzliche finanzielle Unterstützung für Nordengland während der Lockdowns. Diese Auseinandersetzungen machten ihn zu einer der populärsten Figuren der britischen Politik und sicherten ihm drei Wiederwahlen als Bürgermeister, zuletzt 2024 mit rund 63 Prozent der Stimmen.

„Manchesterism“: Burnhams politisches Markenzeichen
Als Bürgermeister entwickelte Burnham ein eigenes politisches Programm, das er selbst „Manchesterism“ nennt – eine Mischung aus unternehmerfreundlicher Politik und stärkerer öffentlicher Kontrolle über wesentliche Dienstleistungen wie Verkehr, Wohnen und Energie. Sichtbarstes Ergebnis ist das „Bee Network“, ein integriertes, nach Londoner Vorbild kommunal kontrolliertes Bus- und Straßenbahnsystem, das 2025 die Buslinien erstmals seit vier Jahrzehnten wieder unter lokale Kontrolle brachte. Burnham initiierte zudem ein umfangreiches Wohnungsbauprogramm und positionierte sich wiederholt für eine stärkere Verlagerung politischer Macht von Westminster in die Regionen.
Der Weg zurück nach Westminster
Da Labour-Parteiregeln verlangen, dass Bewerber um den Parteivorsitz ein Unterhausmandat innehaben müssen, war Burnham trotz seiner Popularität lange von einer möglichen Starmer-Nachfolge ausgeschlossen. Das änderte sich, als der bisherige Makerfield-Abgeordnete Josh Simons im Mai 2026 sein Mandat niederlegte und damit den Weg für eine Nachwahl frei machte. Burnham wurde am 19. Mai offiziell als Labour-Kandidat aufgestellt – nachdem laut Wikipedia kein anderer Bewerber auf die engere Auswahlliste gelangt war.
Bei der Abstimmung am 18. Juni gewann er mit 54,8 Prozent der Stimmen und einem Vorsprung von mehr als 9.000 Stimmen vor dem Kandidaten von Nigel Farages Reform UK – ein deutlich höheres Ergebnis, als es Umfragen vorausgesagt hatten. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,8 Prozent, einem der höchsten Werte für eine Nachwahl seit Jahren. In seiner Siegesrede sprach Burnham von einer „letzten Chance zum Wandel“ für seine Partei und forderte einen „Makerfield-Test“ für künftige Regierungspolitik: Maßnahmen sollten danach beurteilt werden, ob sie tatsächlich vernachlässigten Regionen wie Makerfield zugutekommen.
Weil das Bürgermeisteramt von Greater Manchester gesetzlich nicht mit einem Unterhausmandat vereinbar ist – der Posten umfasst auch die Befugnisse eines Polizei- und Kriminalitätskommissars –, musste Burnham als Bürgermeister zurücktreten. Eine Nachwahl für seine Nachfolge ist für den 30. Juli 2026 angesetzt; bis dahin übernimmt sein Stellvertreter, der Salford-Bürgermeister Paul Dennett, die Amtsgeschäfte kommissarisch.
Politische Ausrichtung und Positionen
Burnham bezeichnet sich selbst seit Jahren als Sozialist und vertritt das, was er „aspirational socialism“ nennt – eine Politik, die soziale Gerechtigkeit mit individuellem Aufstieg verbindet. Er wird dem linken Flügel der Labour Party zugerechnet, gilt jedoch als pragmatischer und weniger mit der Corbyn-Ära verbunden als andere Vertreter dieses Lagers. Im Mai 2026 unterstützte er überraschend den Plan von Innenministerin Shabana Mahmood, sowohl legale als auch illegale Einwanderung stärker zu begrenzen – eine Position, die manche als Anpassung an den wachsenden Druck von Reform UK werten.
Was das für Deutschland und Europa bedeutet
Für die deutsch-britischen Beziehungen ist vor allem relevant, wie sich ein möglicher Premierminister Burnham außenpolitisch positionieren würde – etwa zur europäischen Verteidigungszusammenarbeit gegen russische Bedrohungen oder zur Unterstützung der Ukraine, Themen, die Deutschland, Frankreich, die Ukraine und Großbritannien zuletzt gemeinsam beraten haben. Burnham hat bislang vor allem innenpolitisch profiliert und zu außenpolitischen Fragen wenig öffentlich Stellung bezogen, was seine künftige Linie in diesen Bereichen noch unklar macht.
Wie geht es weiter?
Mit seinem Wahlsieg ist Burnham nun erstmals berechtigt, sich offiziell um den Labour-Vorsitz zu bewerben. Die Nominierungsphase für die Nachfolge Starmers beginnt am 9. Juli, ein neuer Parteivorsitzender und damit voraussichtlich neuer Premierminister soll vor der Rückkehr des Parlaments aus der Sommerpause im September feststehen. Umfragen sehen Burnham als mit Abstand populärsten Labour-Politiker, sollte es zu einer Mitgliederabstimmung kommen – einige Parteistrategen hoffen jedoch, Starmer könne die Macht ohne einen langwierigen und öffentlich ausgetragenen Wahlkampf übergeben.