Last Updated on 10 Stunden ago by TodayWhy Editorial
Kurz vor dem Jahreswechsel schien es, als hätte Deutschland das Inflationsproblem endlich hinter sich gelassen. Im Dezember 2025 fiel die Inflationsrate auf 1,8 Prozent – erstmals seit Jahren unter die symbolische 2-Prozent-Marke der Europäischen Zentralbank. Ökonomen atmeten vorsichtig auf. Bundesbankpräsident Joachim Nagel sprach behutsam von einer „Normalisierung.“
Dann kam der 28. Februar 2026.
US-amerikanische und israelische Streitkräfte griffen Iran an und lösten einen Konflikt aus, der die Straße von Hormus teilweise blockierte – jene enge Meeresstraße, durch die rund 25 Prozent des weltweit gehandelten Öls fließen. Innerhalb weniger Wochen stiegen die Rohölpreise über 100 Dollar pro Barrel. An deutschen Tankstellen kletterten die Preise für Benzin erstmals seit der Russland-Ukraine-Energiekrise 2022 über 2 Euro pro Liter. Und die deutsche Inflationsrate, die sich gerade auf dem Weg zu ihrem Ziel befunden hatte, drehte schlagartig um.
Im März 2026 lag sie bei 2,7 Prozent. Im April erreichte sie 2,9 Prozent – der höchste Stand seit Januar 2024.
Dies ist die Geschichte, warum die Preise in Deutschland 2026 wieder steigen, wen es am härtesten trifft und was die Politik dagegen unternommen hat.

Was 2,9 Prozent im Alltag bedeuten
Wenn Statistiker von 2,9 Prozent Inflation sprechen, meinen sie: Ein Warenkorb, der im April 2025 noch 100 Euro kostete, kostet im April 2026 102,90 Euro. Klingt nicht dramatisch. Doch Inflation summiert sich – und baut auf früheren Preissteigerungen auf.
Die deutschen Verbraucherpreise werden monatlich vom Statistischen Bundesamt (Destatis) gemessen. Das Amt verfolgt Preisveränderungen in einem definierten Warenkorb: Lebensmittel, Mieten, Energie, Transport, Versicherungen, Gastronomie, Gesundheit, Kleidung und mehr. Die Gesamtrate ist der gewichtete Durchschnitt all dieser Kategorien, die sich mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten bewegen.
Was das Bild 2026 besonders ist: Es laufen zwei verschiedene Inflationen gleichzeitig ab – ein externer Schock von außen und ein struktureller Druck von innen. Und beide verstärken sich gegenseitig.

Ursache 1: Der Iran-Krieg und der Energiepreisschock
Die sichtbarste und unmittelbarste Ursache des deutschen Inflationsanstiegs 2026 ist Energie.
Die US-israelische Militäroperation gegen Iran, die Ende Februar 2026 begann, löste das aus, was die Internationale Energieagentur (IEA) als die größte Ölversorgungsstörung in der Geschichte der globalen Energiemärkte beschreibt. Angriffe auf Energieinfrastruktur am Persischen Golf, verbunden mit der faktischen Blockade der Straße von Hormus, schickten die Rohölmärkte in einen historischen Schock. Brent-Rohöl-Futures überstiegen Ende April und Anfang Mai 2026 die Marke von 100 Dollar pro Barrel – ein Niveau, das zuletzt 2022 erreicht worden war.
Deutschland bezieht zwar keinen großen Teil seines Öls direkt über die Straße von Hormus. Aber Rohölmärkte sind globale Märkte: Eine Versorgungsstörung irgendwo erhöht die Preise überall. Die Auswirkungen spürte Deutschland nahezu unmittelbar.
Was die Zahlen zeigen:
Laut offiziellen Destatis-Daten lagen die Energiepreise in Deutschland im April 2026 um 10,1 Prozent über dem Vorjahreswert. Innerhalb dieser Kategorie stiegen Kraftstoffe – Benzin und Diesel – um 26,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Preise für leichtes Heizöl waren bereits im März um 44,4 Prozent gestiegen. Das sind keine graduellen, strukturellen Verschiebungen – das sind die scharfen, akuten Folgen eines geopolitischen Schocks, der sich innerhalb von Wochen in den Verbraucherpreisen niederschlägt.
Mitte März 2026 kursierten Fotos Berliner Tankstellen mit E10-Preisen über 2,10 Euro pro Liter in deutschen sozialen Netzwerken. Die Regierung reagierte schnell: Am 16. März wurde eine Notverordnung eingeführt, die Tankstellen auf eine Preiserhöhung pro Tag begrenzte – nachdem die Daten gezeigt hatten, dass manche Stationen die Preise bis zu 22 Mal täglich angepasst hatten.
Die Folgekosten:
Energiepreise wirken nicht nur direkt. Wenn Kraftstoffkosten steigen, erhöht das die Transportkosten für Waren – was nahezu alles teurer macht. Fluggesellschaften erhöhen Tarife. Logistikunternehmen geben Energieaufschläge weiter. Heizkosten steigen. IEA-Chef Fatih Birol beschrieb die kombinierten Auswirkungen des Iran-Kriegs als „die größte Bedrohung für die globale Energiesicherheit in der Geschichte“ – und Ökonomen begannen innerhalb von Tagen nach Kriegsbeginn, ihre deutschen Wachstums- und Inflationsprognosen nach oben zu revidieren.
Ursache 2: Hartnäckige Dienstleistungspreise und die Lohn-Preis-Spirale
Während Energiepreise den Schock von 2026 lieferten, drückt seit 2024 eine zweite, beständigere Kraft die deutsche Inflation über das Ziel: Dienstleistungen.
Dienstleistungen – Restaurantbesuche, Kfz-Versicherungen, Fahrzeugwartung, Gesundheitsversorgung, Mieten, Personennahverkehr – steigen seit Januar 2024 in Deutschland jeden Monat stärker als die Gesamtinflation. Dieser Trend war bereits gut etabliert, bevor der Energieschock eintraf.
Was Destatis für März und April 2026 zeigt:
- Soziale Schutzleistungen: +6,8 bis +7,0 Prozent gegenüber dem Vorjahr
- Kombinierte Personenbeförderung (u.a. Preiserhöhung Deutschlandticket): +6,2 Prozent
- Wartung und Reparatur von Fahrzeugen: +4,8 bis +5,0 Prozent
- Krankenversicherung: +4,4 Prozent
- Gaststättenleistungen: +3,2 bis +3,3 Prozent
- Versicherungsdienstleistungen: +3,2 Prozent
- Kaltmieten (ohne Heizung): +1,8 bis +2,1 Prozent
Warum sind Dienstleistungen so teuer? Die Antwort lautet: Löhne.
Die Lohn-Preis-Dynamik:
Der deutsche Mindestlohn wurde zum 1. Januar 2026 erneut angehoben – eine bewusste Regierungspolitik zur Stärkung der Kaufkraft nach Jahren realer Lohnverluste in der Inflationsphase 2022–2023. Das Lohnwachstum in der Gesamtwirtschaft ist stark: Laut Ende Mai 2026 veröffentlichten Daten stiegen die Nominallöhne im Bergbau um 6,9 Prozent, im Finanz- und Versicherungsbereich um 6,5 Prozent und in der Energieversorgung um 5,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Höhere Löhne sind für Arbeitnehmer eine gute Nachricht – und die Reallöhne steigen tatsächlich seit mehr als zwei Jahren schneller als die Preise. Aber für Unternehmen, besonders in arbeitsintensiven Dienstleistungsbranchen wie Gastronomie, Hotellerie, Gesundheit und Transport, sind Löhne der dominante Kostenfaktor. Steigen die Lohnkosten, erhöhen diese Unternehmen ihre Preise. Der Kunde zahlt mehr. Die Inflation bleibt erhöht.
Bundesbankpräsident Joachim Nagel hat diese Dynamik Ende 2025 klar benannt, als er warnte, der Rückgang der Inflation erweise sich als „klebriger als gedacht“ – vor allem wegen steigender Löhne und nur mäßiger Entlastung bei Energiekosten.
Die Entwicklung Monat für Monat
| Monat | Inflationsrate | Haupttreiber |
|---|---|---|
| Dezember 2025 | 1,8 % | Energiekosten rückläufig |
| Januar 2026 | 2,1 % | Lebensmittelpreise gestiegen; Dienstleistungen hartnäckig |
| Februar 2026 | 1,9 % | Energie weiter sinkend; Lebensmittel stabiler |
| März 2026 | 2,7 % | Iran-Krieg — Energie +7,2 % |
| April 2026 | 2,9 % | Energie +10,1 %; Kraftstoffe +26,2 % |
Was die Regierung getan hat: Der Tankrabatt 2026
Angesichts von Benzinpreisen über 2 Euro und wachsendem öffentlichem Unmut einigte sich die Koalition unter Bundeskanzler Friedrich Merz Mitte April 2026 auf ein temporäres Entlastungspaket. Das Kernstück war eine Kraftstoffsteuersenkung – offiziell das Zweite Energiesteuerentlastungsgesetz – das am 1. Mai 2026 in Kraft trat.
Die Maßnahme senkt die Energiesteuer auf Benzin und Diesel um jeweils 14,04 Cent pro Liter. Inklusive der entfallenden Mehrwertsteuer auf diesen Steueranteil ergibt sich eine effektive Entlastung von rund 17 Cent pro Liter an der Zapfsäule – in etwa derselbe Umfang wie beim ersten Tankrabatt während der Russland-Ukraine-Krise 2022.
Die Maßnahme ist zeitlich begrenzt: Sie gilt bis zum 30. Juni 2026 und kostet den Bundeshaushalt rund 1,6 Milliarden Euro.
Dazu verabschiedete die Bundesregierung eine zweite Maßnahme: eine optionale steuerfreie Entlastungsprämie von bis zu 1.000 Euro, die Arbeitgeber ihren Beschäftigten steuerfrei zahlen können – ohne Pflicht, aber mit der Möglichkeit, den Betrag als Betriebsausgabe abzusetzen.
Die Deutsche Bahn kündigte außerdem an, die Fernverkehrspreise ab Mai 2026 für ein Jahr einzufrieren und auf die übliche Herbstpreisrunde zu verzichten.
Hat der Tankrabatt funktioniert?
Teilweise. Am Morgen des 1. Mai maß der ADAC einen Rückgang von 10,7 Cent pro Liter bei E10 und 10,4 Cent bei Diesel – weniger als die theoretischen 17 Cent. Das Bundeskartellamt erklärte, der zunächst teilweise Weitergabe sei zu erwarten gewesen, da Tankstellen zunächst Lagerbestände aus der Vorsteuerperiode abverkaufen mussten. Bis Mitte Mai war eine vollständigere Weitergabe messbar.
Kritiker – darunter Klimagruppen und Energiewende-Forscher – bemängelten jedoch, die Senkung begünstige ausschließlich Fahrer von Verbrennern, beschleunige nicht den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und bringe einkommensschwachen Haushalten ohne Auto gar nichts.
Wohin geht die Inflation? Die Perspektive
Die deutsche Inflationsentwicklung hängt 2026 stark davon ab, ob sich der Iran-Konflikt stabilisiert oder verschärft.
Die Europäische Kommission prognostiziert in ihrer Mai-2026-Prognose eine deutsche HVPI-Inflation von 2,9 Prozent für 2026 und 2,7 Prozent für 2027. Ersteres ist getrieben vom Energieschock, Letzteres vom anhaltenden Druck durch Dienstleistungspreise.
Die Kerninflation – ohne Nahrungsmittel und Energie – lag Anfang 2026 hartnäckig bei 2,3 bis 2,5 Prozent. Ein schneller Rückgang unter 2 Prozent ist kurzfristig nicht zu erwarten.
Für Haushalte lautet die nüchterne Einschätzung der Ökonomen: Die Preise werden nicht zurück auf das Vor-Pandemie-Niveau fallen. Sie mögen langsamer steigen. Die Reallöhne wachsen schneller als die Preise – das bedeutet, Menschen holen schrittweise Kaufkraft zurück, die 2022 und 2023 verloren ging. Aber das absolute Preisniveau – was ein Restaurantbesuch, ein Volltanken oder eine Kfz-Versicherung kostet – ist dauerhaft höher als vor fünf Jahren.

Warum das über Deutschland hinaus wichtig ist
Deutschlands Inflationsgeschichte 2026 betrifft ganz Europa.
Erstens: Deutschland ist die größte Volkswirtschaft der Eurozone. Was die deutsche Inflation tut, beeinflusst direkt die Kalkulationen der EZB. Die Zentralbank hatte 2024 und Anfang 2025 die Zinsen mehrfach gesenkt, als die Inflation fiel. Der Energieschock von 2026 verkompliziert diesen Pfad und könnte weitere Zinssenkungen verzögern – mit direkten Folgen für Kreditkosten von Haushalten und Unternehmen in allen 20 Eurozone-Mitgliedstaaten.
Zweitens offenbart der 2026er Schock eine strukturelle Verwundbarkeit, die innerhalb von vier Jahren zum zweiten Mal sichtbar wurde: 2022 durch russische Gaslieferstopps, 2026 durch die iranische Sperrung der Ölrouten. Die Abhängigkeit von globalen Fossilenergiemärkten macht Deutschland verletzlich – und das wird mittelfristig das Tempo der Energiewende prägen.
Häufig gestellte Fragen
Warum steigt die Inflation in Deutschland 2026 wieder? Zwei Hauptursachen: der akute Energiepreisschock durch den Iran-Krieg und die faktische Blockade der Straße von Hormus, sowie ein anhaltender Strukturdruck durch Dienstleistungspreise, getrieben von starkem Lohnwachstum. Die Inflationsrate erreichte im April 2026 mit 2,9 Prozent den höchsten Stand seit Januar 2024.
Was hat den Energiepreisanstieg ausgelöst? Die US-israelische Militäroperation gegen Iran, die am 28. Februar 2026 begann, verursachte die größte Ölversorgungsstörung der Marktgeschichte. Brent-Rohöl überstieg 100 Dollar pro Barrel. In Deutschland stiegen Energiepreise im April um 10,1 Prozent, Kraftstoffe sogar um 26,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Was ist der Tankrabatt 2026? Die Bundesregierung senkte die Energiesteuer auf Benzin und Diesel vom 1. Mai bis 30. Juni 2026 um 14,04 Cent pro Liter (rund 17 Cent inklusive Mehrwertsteuer). Die Maßnahme kostete den Haushalt rund 1,6 Milliarden Euro und war als kurzfristige Entlastung für Autofahrer gedacht.
Warum sind Gastronomie und Dienstleistungspreise so hartnäckig teuer? Seit Januar 2024 steigen Dienstleistungspreise in Deutschland beständig schneller als die Gesamtinflation. Haupttreiber ist das starke Lohnwachstum: Höhere Personalkosten in gastronomischen, medizinischen und Transportbetrieben werden an die Kunden weitergegeben. Der Mindestlohn stieg zum 1. Januar 2026 erneut.
Wird die Inflation in Deutschland bald sinken? Die Europäische Kommission prognostiziert 2,9 Prozent für 2026 und 2,7 Prozent für 2027. Der Verlauf hängt stark vom Iran-Konflikt ab. Die Kerninflation dürfte sich langsam abschwächen, wird aber kurzfristig kaum unter 2 Prozent fallen.
Ist die Inflation in Deutschland höher als in anderen EU-Ländern? Deutschlands 2,9 Prozent im April 2026 lagen leicht unter dem Eurozonendurchschnitt. Spanien beispielsweise verzeichnete im April 2026 einen HVPI von 3,5 Prozent.
Quellen: Statistisches Bundesamt (Destatis), Verbraucherpreise Januar–April 2026; Europäische Kommission, Wirtschaftsprognose Mai 2026; Deutsche Bundesbank; Ifo-Institut; Clean Energy Wire; The Local Germany; Euronews; CNBC; ADAC