Last Updated on 6 Tagen ago by TodayWhy Editorial
Diesel liegt aktuell auf beziehungsweise nahe seinem Allzeithoch. Super E10 kostet
rund 2,27 Euro je Liter, Diesel bewegt sich in vergleichbarer Höhe und ist zuletzt
binnen kurzer Zeit um fast neun Cent gestiegen.
Drei Dinge treffen gerade zusammen:
- Die Straße von Hormus. Am 13. September wurde dort erneut ein Handelsschiff
getroffen. Brent notiert wieder nahe 100 US-Dollar je Barrel. - Der Tankrabatt ist ausgelaufen. Die befristete Senkung der Energiesteuer um
rund 17 Cent je Liter fällt weg. - Die Heizsaison beginnt. Heizöl und Diesel stammen aus derselben Raffineriefraktion
und konkurrieren ab dem Herbst um dieselbe Menge.
Der Dieselpreis in Deutschland hat im März 2026 ein neues Rekordhoch erreicht. Laut ADAC lag der Monatsdurchschnitt bei 2,164 Euro pro Liter – teurer als je zuvor in einem März. Anfang April 2026 pendelt der Preis bundesweit oft zwischen 2,20 und 2,35 Euro. Viele Autofahrer, Pendler und besonders Landwirte fragen sich: Warum ist Diesel plötzlich so teuer – und warum sogar teurer als Benzin?
In diesem Beitrag erklären wir die aktuellen Ursachen Schritt für Schritt, wie sich der Dieselpreis zusammensetzt und was Verbraucher jetzt tun können.
1. Geopolitische Krisen treiben den Rohöl- und Dieselpreis in die Höhe
Der aktuelle Auslöser hat einen Namen: die Straße von Hormus. Durch diese Meerenge zwischen Iran und Oman läuft ein erheblicher Teil des weltweit seetransportierten Öls. Seit dem Frühjahr 2026 kommt es dort wiederholt zu Angriffen auf Tanker und Handelsschiffe, zuletzt am 13. September.
Entscheidend ist: Nicht die ausgefallene Menge treibt den Preis, sondern das Risiko. Sobald eine Route als unsicher gilt, steigen Versicherungsprämien und Frachtraten, Reedereien fahren Umwege, und der Markt preist die Möglichkeit einer künftigen Unterbrechung ein. Brent ist so von rund 70 auf nahe 100 US-Dollar gestiegen.
Für Diesel wirkt dieser Effekt stärker als für Benzin. Europa deckt seinen Dieselbedarf seit dem Wegfall russischer Lieferungen zu einem großen Teil über Importe aus dem Nahen Osten und Indien — also genau über jene Seewege, die jetzt als riskant gelten. Benzin produziert Europa dagegen weitgehend selbst und exportiert sogar Überschüsse.

2. Diesel ist krisenanfälliger als Benzin – der Heizöl-Effekt
Diesel und Heizöl entstehen in der Raffinerie aus derselben Fraktion, den
Mitteldestillaten. Beide konkurrieren also um denselben Rohstoff — und ab September
füllen Haushalte und Händler ihre Heizöltanks für den Winter.
Das ist der Grund, warum Diesel im Herbst regelmäßig anzieht, selbst wenn der Ölpreis
stabil bleibt. In einem Jahr wie 2026, in dem zusätzlich eine geopolitische Krise auf
die Lieferwege drückt, verstärken sich beide Effekte.
👉 Ausführlich erklärt: Warum ist Diesel teurer als Benzin? Die 5 Gründe

3. Steuern und Abgaben machen den Großteil des Preises aus
Mehr als die Hälfte des Preises an der Zapfsäule sind Steuern und Abgaben:
Energiesteuer, CO2-Preis und darauf noch einmal 19 Prozent Mehrwertsteuer.
Aktuell relevant: Der Tankrabatt ist ausgelaufen. Die befristete Senkung der
Energiesteuer um rund 17 Cent je Liter, die der Bundestag im Frühjahr 2026 beschlossen
hatte, gilt nicht mehr. Nach Auswertung des Bundeskartellamts kamen davon seinerzeit
13,8 von 16,7 Cent tatsächlich beim Verbraucher an. Über einen Spritpreisdeckel
als Alternative wird derzeit diskutiert.
👉 Die genaue Aufschlüsselung der Steueranteile finden Sie hier:
Warum ist Diesel teurer als Benzin?

4. Weitere Faktoren: Raffineriemargen, Logistik und Markttransparenz
- Hohe Raffinerie- und Handelsmargen: Studien und Berichte deuten darauf hin, dass nicht jeder Cent des Preisanstiegs allein durch Rohöl und Steuern erklärbar ist. Manche Experten sprechen von erweiterten Gewinnspannen der Konzerne.
- Transport- und Versicherungskosten: Durch geopolitische Risiken (z. B. Angriffe auf Tanker) steigen die Fracht- und Versicherungspreise.
- Tageszeitliche Schwankungen: In Deutschland dürfen Preise seit April 2026 nur noch einmal täglich um 12 Uhr angehoben werden („Österreich-Modell“). Dennoch gab es direkt danach teils deutliche Sprünge.

Was können Verbraucher tun?
Auf Ölpreis und Steuern haben Sie keinen Einfluss. Auf drei Dinge schon — und deren
Hebel ist größer, als die meisten annehmen:
- Die Tageszeit. Der Preis schwankt im Tagesverlauf um mehr als zehn Cent je Liter.
Am teuersten ist es morgens, am günstigsten in der Regel am frühen Abend. - Die Tankstelle. Autobahntankstellen liegen dauerhaft deutlich über dem
Durchschnitt. Ein Abstecher von wenigen Kilometern rechnet sich fast immer. - Der Zeitpunkt im Monat und in der Woche. Rund um Ferienbeginn und lange
Wochenenden ziehen die Preise an.
Preisvergleichs-Apps greifen auf die Daten der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe
beim Bundeskartellamt zurück — dieselbe amtliche Quelle, die alle Tankstellen zur
Meldung ihrer Preise verpflichtet.
Was nicht hilft: den Tank grundsätzlich nur halb zu füllen (die Ersparnis durch
weniger Gewicht ist zu klein, um den Mehraufwand zu rechtfertigen), oder auf ein
Absinken zu warten — die Preise geben nach Ölpreisrückgängen erfahrungsgemäß deutlich
langsamer nach, als sie steigen.
Fazit: Warum Diesel gerade so teuer ist
Diesel ist gerade so teuer wegen einer ungünstigen Mischung aus geopolitischen Schocks (Iran-Krieg, Straße von Hormus), höheren staatlichen Klimakosten (CO₂-Abgabe, THG-Quote) und der besonderen Anfälligkeit des Dieselmarkts. Hinzu kommen Margen der Mineralölwirtschaft und Logistikkosten.
Eine schnelle Entspannung ist nur zu erwarten, wenn der Nahost-Konflikt deeskaliert und der Ölpreis wieder fällt. Bis dahin bleibt Tanken teuer – besonders für Diesel-Fahrer.
Tipp: Bleiben Sie mit Preisvergleichsportalen auf dem Laufenden und planen Sie Tankstopps clever. Wer langfristig sparen möchte, sollte Alternativen zum klassischen Verbrenner prüfen.