Last Updated on 13/05/2026 by TodayWhy Editorial
Nach einer dreijährigen Testphase wird das „Basic Income for the Arts“ ab September 2026 dauerhaft eingeführt – mit 325 Euro pro Woche für 2.000 Kunstschaffende.
Was ist das „Basic Income for the Arts“?
Das Basic Income for the Arts (BIA) – auf Deutsch etwa „Grundeinkommen für die Künste“ – ist ein staatliches Förderprogramm der irischen Regierung. Es zahlt ausgewählten Kunstschaffenden ein regelmäßiges, bedingungsloses Einkommen aus, unabhängig davon, welche anderen Einkünfte sie erzielen oder welche staatlichen Leistungen sie bereits beziehen.
Konkret erhalten Förderberechtigte 325 Euro pro Woche, was monatlich rund 1.400 Euro und jährlich etwa 17.000 Euro entspricht. Das Geld ist nicht zweckgebunden: Die Empfängerinnen und Empfänger können frei entscheiden, wofür sie es verwenden – ob für Miete, Arbeitsmaterial oder den Lebensunterhalt, damit sie Zeit für ihre künstlerische Praxis gewinnen.
Hintergrund: Warum wurde das Programm gestartet?
Der Auslöser war die COVID-19-Pandemie. Während der Lockdowns und Veranstaltungsverbote der Jahre 2020 und 2021 brach für Tausende irischer Kunstschaffender das Einkommen nahezu vollständig weg. Konzerte, Ausstellungen, Theateraufführungen, Filmproduktionen – all das kam zum Erliegen.
Kulturministerin Catherine Martin initiierte daraufhin das BIA als strukturelle Antwort auf ein systemisches Problem: Die meisten Künstlerinnen und Künstler arbeiten unter prekären Bedingungen, mit unregelmäßigen Einkünften und ohne ausreichenden Zugang zu sozialen Sicherungssystemen.
Wer konnte sich bewerben?
Rund 9.000 Personen bewarben sich beim Start im April 2022 um eine Förderung. Per Losverfahren wurden daraus 2.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ausgewählt. Weitere 1.000 berechtigte Personen, die nicht berücksichtigt wurden, bildeten eine wissenschaftliche Kontrollgruppe – ein methodisch anspruchsvolles Design, das die Qualität der späteren Studienergebnisse erheblich stärkte.
Zeitstrahl: Von 2022 bis 2026
- April 2022: Start des BIA-Pilotprojekts unter Kulturministerin Catherine Martin. 2.000 Kunstschaffende erhalten erstmals 325 Euro pro Woche.
- 2022–2025: Dreijährige Testphase mit wissenschaftlicher Begleitung. Parallel läuft eine Kontrollgruppe aus 1.000 nicht geförderten Berechtigten.
- Sommer 2025: Das Programm sollte ursprünglich im August 2025 enden, wird jedoch um sechs Monate verlängert.
- Oktober 2025: Kulturminister Patrick O’Donovan kündigt im Rahmen des Haushaltsbeschlusses 2026 die dauerhafte Fortführung des BIA an.
- Februar 2026: Offizielles Ende der verlängerten Pilotphase.
- Erste Jahreshälfte 2026: Bewerbungsphase für das dauerhafte Nachfolgeprogramm. Kriterien werden noch festgelegt.
- September 2026: Start des permanenten BIA-Programms mit erneut 2.000 Förderplätzen.
Was zeigte die dreijährige Testphase?
Die wissenschaftliche Begleitforschung lieferte klare, ermutigende Ergebnisse – in mehreren Dimensionen:
Mehr Zeit für künstlerische Arbeit
Geförderte Kunstschaffende verbrachten nachweislich mehr Zeit mit ihrer eigentlichen künstlerischen Tätigkeit. Der Nebenjob zur Existenzsicherung verlor an Dringlichkeit, was Raum für Kreativität schuf.
Geringerer Stress, höhere Lebenszufriedenheit
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer berichteten von weniger finanziellem Stress und einer spürbar höheren Lebenszufriedenheit. Das psychische Wohlbefinden verbesserte sich messbar – ein Effekt, der in der Kontrollgruppe nicht auftrat.
Mehr kreative Projekte ohne wirtschaftliche Einschränkung
Viele Geförderte setzten Projekte um, die sie ohne das Grundeinkommen nicht realisiert hätten – weil sie zu risikoreich, zu zeitaufwendig oder zu wenig kommerziell verwertbar gewesen wären. Das BIA ermöglichte damit eine qualitative Erweiterung der Kulturlandschaft.
Wirtschaftliche Sinnhaftigkeit
„Das Programm hat sich als wirtschaftlich sinnvoll erwiesen.“— Patrick O’Donovan, irischer Kulturminister, Oktober 2025
Der Kulturminister betonte, dass die Förderung nicht nur sozialpolitisch, sondern auch volkswirtschaftlich gerechtfertigt sei – durch die Stärkung des Kultursektors als Ganzes und durch die Bindung von Talenten im Land.
Das dauerhafte Programm ab September 2026
Das permanente Nachfolgeprogramm knüpft direkt an die Pilotphase an:
- Erneut 2.000 Förderplätze
- Wöchentliche Auszahlung von 325 Euro (monatlich ausbezahlt)
- Bewerbungen ab der ersten Jahreshälfte 2026 möglich
- Programmbeginn: September 2026
Ob genaue Zugangsvoraussetzungen geändert werden – etwa statt des Losverfahrens andere Auswahlkriterien – stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest. Das Ministerium für Kunst, Kultur, Kommunikation, Medien und Sport hat die Pläne offiziell veröffentlicht, die finale Zustimmung der Regierung stand jedoch noch aus.
Internationale Aufmerksamkeit: Wer schaut nach Irland?
Das irische Modell hat international für erhebliches Aufsehen gesorgt. Laut Kulturminister O’Donovan haben sich bereits zahlreiche Länder und Institutionen über das Programm informiert:
AustralienWalesSüdkoreaKanadaNorwegenLitauenEstlandEuropäische KulturräteBelgische EU-Ratspräsidentschaft
Das ist ein außergewöhnlich breites Interesse, das zeigt: Das irische Modell könnte Blaupause für andere Kulturnationen sein – besonders in Europa, wo viele Länder mit der Prekarisierung des Kunstsektors kämpfen.
Warum ist das ein Wendepunkt für die Kulturpolitik?
In der Debatte um das Grundeinkommen gibt es seit Jahrzehnten Modellversuche – doch die meisten enden ohne politische Konsequenz. Irland bricht mit diesem Muster: Hier haben Forschungsergebnisse tatsächlich zu einer dauerhaften politischen Entscheidung geführt.
Das BIA ist dabei kein universelles Grundeinkommen für alle Bürgerinnen und Bürger – es ist ein sektoral begrenztes Instrument, das gezielt eine strukturell benachteiligte Berufsgruppe unterstützt. Eben deshalb ist es politisch durchsetzbar gewesen.
Für Deutschland, Österreich und andere deutschsprachige Länder liefert das irische Experiment wichtige Impulse: Was passiert, wenn der Staat Kunst nicht nach wirtschaftlicher Verwertbarkeit fördert, sondern nach dem Prinzip des Vertrauens in die kreative Arbeit selbst?
Verwandte Konzepte
Das BIA ähnelt in seiner Logik dem bedingungslosen Grundeinkommen (BGE), ist jedoch kein universelles Programm. Es kombiniert Elemente eines Stipendiums, eines Sozialeinkommens und einer strukturellen Kulturförderung – und unterscheidet sich damit von klassischen Künstlersozialkassen oder projektbezogener Förderung.
Häufige Fragen (FAQ)
Welches Projekt wird ab 2026 in Irland dauerhaft fortgesetzt?
Das „Basic Income for the Arts“ (BIA) – ein staatliches Grundeinkommensprogramm für Kunstschaffende, das seit April 2022 als Pilotprojekt lief und ab September 2026 dauerhaft eingeführt wird.
Wie hoch ist das Grundeinkommen für Künstler in Irland?
325 Euro pro Woche, ausgezahlt monatlich. Das entspricht rund 1.400 Euro im Monat oder etwa 17.000 Euro im Jahr.
Wie lange hat die Testphase des BIA gedauert?
Ursprünglich drei Jahre (April 2022 bis August 2025), danach um sechs Monate bis Februar 2026 verlängert.
Wie viele Kunstschaffende werden gefördert?
Sowohl im Pilotprojekt als auch im dauerhaften Programm sind es 2.000 Förderplätze. Bei der Pilotphase wurden die Teilnehmenden per Losverfahren aus rund 9.000 Bewerberinnen und Bewerbern ausgewählt.
Wer hat das Programm angekündigt?
Die dauerhafte Fortführung kündigte Kulturminister Patrick O’Donovan im Oktober 2025 im Rahmen des irischen Haushalts 2026 an. Gestartet wurde das Programm 2022 von der damaligen Kulturministerin Catherine Martin.
Kann man sich aus Deutschland für das BIA bewerben?
Das Programm richtet sich an in Irland tätige Kunstschaffende. Eine Bewerbung aus Deutschland ist nicht vorgesehen. Informationen über genaue Förderkriterien werden vor dem Start im Herbst 2026 vom irischen Kulturministerium veröffentlicht.
Quellen: Backstage PRO, KUNSTFORUM International, mein-grundeinkommen.de, t3n, bonedo.de, taz.de · Alle Angaben nach bestem Wissen, Stand Mai 2026.