Warum findet die WM 2030 in 6 Ländern statt?

Last Updated on 12 Sekunden ago by TodayWhy Editorial

Die WM 2030 findet in sechs Ländern auf drei Kontinenten statt — ein Novum in der Turniergeschichte. Spanien, Portugal und Marokko tragen den Großteil der Spiele aus, während Uruguay, Argentinien und Paraguay jeweils ein Jubiläumsspiel ausrichten, bevor das Turnier nach Europa und Afrika weiterzieht.

Hinter der ungewöhnlichen Konstellation steckt aber mehr als nur eine Jubiläumsfeier — auch ein umstrittener Kuhhandel im FIFA-Rat.

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Turnierform?

Ursprünglich gab es zwei konkurrierende Bewerbungen: Spanien, Portugal und Marokko auf der einen Seite, Uruguay, Paraguay, Argentinien und Chile auf der anderen. Die südamerikanische Bewerbung galt allerdings von Anfang an als chancenlos. Bei einer Abstimmung im FIFA-Kongress hätte Südamerika abzüglich der eigenen Bewerber gerade einmal 10 Stimmen gehabt — Europa und Afrika kamen zusammen, ebenfalls abzüglich ihrer Bewerber, auf 109 Stimmen.

Statt einer Abstimmung wurden beide Bewerbungen unerwartet und ohne nähere Erklärung im FIFA-Rat zu einer verschmolzen: Spanien, Portugal und Marokko erhielten den Zuschlag für den Großteil des Turniers, Uruguay, Argentinien und Paraguay bekamen im Gegenzug je ein Eröffnungsspiel zum 100-jährigen Jubiläum der Weltmeisterschaft, die 1930 erstmals in Uruguay ausgetragen wurde.

WM 2030

Warum ausgerechnet Uruguay, Argentinien und Paraguay?

Die Begründung der FIFA folgt der Turniergeschichte von 1930: Uruguay war damals nicht nur Gastgeber, sondern gewann auch den allerersten WM-Titel. Argentinien wurde im ersten Finale überhaupt Vizemeister, unterlag Uruguay in Montevideo mit 2:4. Paraguay wiederum ist Sitz von CONMEBOL, dem südamerikanischen Fußballverband, der 1930 die einzige Kontinentalföderation überhaupt war.

Wie soll der ungewöhnliche Spielplan funktionieren?

Nach bisheriger FIFA-Planung finden am 8. und 9. Juni 2030 die Hundertjahrfeier und die drei Auftaktspiele in Uruguay, Argentinien und Paraguay statt. Nach einer kurzen Pause folgen am 13. und 14. Juni die offizielle Eröffnungsfeier und die ersten Spiele in Spanien, Portugal und Marokko. Die übrigen Teams aus den Gruppen mit Uruguay, Argentinien und Paraguay starten am 15. und 16. Juni, die zweiten Gruppenspiele der südamerikanischen Teams folgen am 21. und 22. Juni. Das Finale ist für den 21. Juli 2030 vorgesehen. Das Turnier würde damit mehr als sechs Wochen dauern — 2026 waren es gut fünf.

Um den Reiseaufwand auszugleichen, sollen die sechs in Südamerika spielenden Mannschaften vor ihrem zweiten Gruppenspiel elf bis zwölf Tage Zeit zur Erholung und Anreise bekommen. Die übrigen Teams, die direkt in Europa oder Afrika spielen, haben dagegen nur fünf bis sechs Tage.

Der eigentliche Hintergrund: eine aufgehobene FIFA-Reform

Möglich wurde die gemeinsame Vergabe von WM 2030 und WM 2034 überhaupt erst durch eine Statutenänderung. Doppelvergaben waren nach den FIFA-Reformen von 2016 verboten worden — Hintergrund war der Verdacht auf Stimmenkauf und Absprachen bei der umstrittenen Doppelvergabe der Turniere 2018 und 2022. 2024 machte die FIFA unter Präsident Gianni Infantino mehrere dieser Reformen rückgängig, darunter das Verbot der Doppelvergabe.

Die Folge: Für die WM 2034 wurden Nordamerika (wegen 2026), sowie Europa, Afrika und Südamerika (wegen 2030) als Bewerber ausgeschlossen. Damit war der Weg für Saudi-Arabien frei, das als einziger verbliebener Bewerber praktisch automatisch den Zuschlag erhielt — ein Verfahren, das Kritiker als intransparenten „Deal im Hinterzimmer“ bezeichnen.

Wo genau wird gespielt?

Geplant sind insgesamt 23 Stadien — mehr als je zuvor bei einer WM. Elf Stadien sollen in Spanien liegen, darunter das Camp Nou in Barcelona und das Estadio Santiago Bernabéu in Madrid, das als mögliches Finalstadion gehandelt wird. Marokko stellt sechs Stadien, darunter das neu geplante Grand Stade Hassan II in Casablanca mit 115.000 Plätzen — mehr Kapazität als jedes andere WM-Stadion. Portugal steuert drei Stadien bei, dazu kommen je eine Spielstätte in Uruguay (Estadio Centenario, Montevideo), Argentinien (Estadio Monumental, Buenos Aires) und Paraguay (Estadio Defensores del Chaco, Asunción).

Kritik: CO2-Bilanz und Menschenrechte

Fanverbände kritisieren das Turnier als Belastung fürs Klima, da Fans zwischen drei Kontinenten reisen müssten. Da aber planmäßig nur drei Spiele in Südamerika stattfinden, muss die WM 2030 in dieser Hinsicht nicht zwangsläufig schlechter abschneiden als die WM 2026, die als bislang klimaschädlichstes Turnier der Geschichte gilt.

Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und die Sport and Rights Alliance kritisieren zudem, dass die von Spanien, Portugal und Marokko vorgelegten Menschenrechtsstrategien keine ausreichenden konkreten Zusagen enthielten. Als Risiken nennen sie unter anderem den Einsatz von Gummigeschossen gegen Menschenmengen sowie drohende Zwangsräumungen beim Stadionbau in Marokko, wo zudem außereheliche und gleichgeschlechtliche Beziehungen weiterhin strafbar sind.

Häufig gestellte Fragen

Warum findet die WM 2030 in sechs Ländern statt?
Offiziell, um das 100-jährige Jubiläum der ersten WM 1930 in Uruguay zu feiern. Der eigentliche Auslöser war aber eine unerklärte Verschmelzung zweier konkurrierender Bewerbungen im FIFA-Rat, nachdem die südamerikanische Bewerbung praktisch chancenlos war.

Warum sind ausgerechnet Uruguay, Argentinien und Paraguay dabei?
Uruguay war Gastgeber und Sieger der ersten WM 1930, Argentinien wurde im ersten Finale Vizemeister, und Paraguay ist Sitz des südamerikanischen Verbands CONMEBOL.

Sind alle sechs Gastgeberländer automatisch qualifiziert?
Ja, alle sechs — Spanien, Portugal, Marokko, Uruguay, Argentinien und Paraguay — qualifizieren sich automatisch, ohne Qualifikationsspiele.

Was hat die WM 2030 mit der umstrittenen Vergabe an Saudi-Arabien 2034 zu tun?
Beide Turniere wurden am selben Tag vergeben, ermöglicht durch eine aufgehobene FIFA-Reform gegen Doppelvergaben. Durch den Ausschluss der übrigen Kontinente als Bewerber für 2034 blieb Saudi-Arabien als einziger möglicher Gastgeber übrig.

Quelle: Sportschau (ARD), 20. Juli 2026, unter Bezug auf FIFA-Erklärungen und -Beschlüsse von Oktober 2023 und Dezember 2024.

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