Warum hat die EU AliExpress bestraft?

Last Updated on 38 Minuten ago by TodayWhy Editorial

Die EU-Kommission hat AliExpress mit 550 Millionen Euro belegt — die höchste Strafe, die je unter dem Digital Services Act (DSA) verhängt wurde. Der chinesische Online-Marktplatz, der zum Alibaba-Konzern gehört, habe nicht genug gegen gefälschte Kleidung, unsicheres Spielzeug und gefährliche Kosmetika unternommen, teilte Brüssel mit.

Für deutsche Verbraucher ist der Fall besonders relevant: AliExpress gehört neben Temu und Shein zu den chinesischen Plattformen, die im deutschen Online-Handel zuletzt einen Rekordanteil erreicht haben. Hier die Hintergründe zur Strafe und was sie für Kunden in Deutschland bedeutet.

Warum wurde AliExpress bestraft?

Die EU-Kommission hatte im März 2024 ein Verfahren gegen AliExpress eröffnet. Ihr Vorwurf: Das Unternehmen habe seine zentrale Pflicht unter dem DSA verletzt, das Risiko der Verbreitung illegaler Produkte sorgfältig zu bewerten und zu verringern. Gefälschte Kleidung, unsicheres Kinderspielzeug und gefährliche Kosmetika blieben laut Kommission wochenlang auf der Plattform, selbst nachdem sie gemeldet worden waren.

Konkret bemängelte Brüssel mehrere Punkte: AliExpress habe nie überprüft, ob genügend Personal zur Kontrolle verdächtiger Angebote vorhanden war. Zudem hätten Empfehlungs- und Werbesysteme der Plattform illegale Produkte sogar aktiv beworben, bevor sie entfernt wurden. Ein Sanktionssystem, das eigentlich wiederholt auffällige Verkäufer bestrafen sollte, sei kaum durchgesetzt worden — betroffene Shops konnten ihr Geschäft demnach oft einfach weiterführen.

Was das für Kunden in Deutschland bedeutet

AliExpress ist längst kein Nischenanbieter mehr. Zusammen mit Temu und Shein kamen die chinesischen Plattformen im zweiten Quartal 2026 auf einen Rekordanteil von 5,3 Prozent am gesamten deutschen Online-Handelsumsatz, wie der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) ermittelte. Der Grund für die Beliebtheit sind vor allem die niedrigen Preise.

Der wachsende Zustrom von Billigpaketen aus dem Ausland hat die Behörden bereits auf den Plan gerufen: Seit diesem Monat erhebt der deutsche Zoll eine Pauschalgebühr von drei Euro auf jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro — eine direkte Reaktion auf die Paketflut, die vor allem von Plattformen wie AliExpress und Temu ausgeht.

Warum die Strafe trotz Rekordhöhe vergleichsweise milde ausfiel

Bei schweren DSA-Verstößen sind theoretisch Strafen von bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes möglich. Für den Alibaba-Konzern, dessen relevanter Jahresumsatz die EU-Kommission auf rund 120 Milliarden Euro beziffert, läge die Höchststrafe bei über sieben Milliarden Euro — deutlich über den nun verhängten 550 Millionen. Als mildernden Umstand wertete die Kommission die relative Neuheit des DSA, der erst seit Februar 2024 vollständig in Kraft ist.

Hinzu kommt: AliExpress hatte bereits vor gut einem Jahr Zugeständnisse gemacht und zugesagt, gezielt gegen illegale und potenziell gefährliche Produkte wie gefälschte Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel vorzugehen. Die Kommission akzeptierte diese Zusagen damals, sah ihre grundsätzlichen Bedenken damit aber nicht ausgeräumt.

Wie ordnet sich die Strafe im Vergleich ein?

AliExpress ist erst die dritte Plattform, die unter dem DSA bestraft wird — und trifft es bislang am härtesten. Im Dezember hatte die EU bereits Elon Musks Plattform X mit 120 Millionen Euro belegt, im Mai folgte eine 200-Millionen-Euro-Strafe gegen den chinesischen Konkurrenten Temu, ebenfalls wegen des Verkaufs illegaler Produkte. Gegen Shein läuft weiterhin ein eigenes Verfahren.

EU-Digitalkommissarin Henna Virkkunen begründete die Höhe mit der schieren Reichweite der Plattform: AliExpress zählte im vergangenen Jahr 193 Millionen Nutzer in Europa, verglichen mit 156 Millionen bei Shein und 130 Millionen bei Temu. Das Verhalten von AliExpress gefährde Verbraucher, sei aber auch unfair gegenüber Unternehmen, die sich an alle Regeln hielten, sagte sie.

Wie geht es weiter?

AliExpress muss der EU-Kommission bis zum 20. Oktober einen Aktionsplan vorlegen, der Maßnahmen zur Behebung der Verstöße enthält. Ein Gremium nationaler Aufsichtsbehörden hat danach einen Monat Zeit für eine Stellungnahme, bevor die Kommission innerhalb eines weiteren Monats eine endgültige Entscheidung trifft und eine Umsetzungsfrist setzt. Zeigt sich AliExpress dabei nicht ausreichend kooperativ, drohen zusätzlich zur bereits verhängten Strafe tägliche Zwangsgelder.

Häufig gestellte Fragen

Warum hat die EU AliExpress bestraft?
Weil das Unternehmen laut EU-Kommission nicht ausreichend gegen die Verbreitung illegaler, unsicherer und gefälschter Produkte auf seiner Plattform vorgegangen ist — eine Kernpflicht unter dem Digital Services Act.

Ist das die höchste DSA-Strafe bisher?
Ja. Sie übertrifft die 120-Millionen-Euro-Strafe gegen X im Dezember und die 200-Millionen-Euro-Strafe gegen Temu im Mai deutlich.

Hätte die Strafe höher ausfallen können?
Theoretisch ja — bis zu sechs Prozent des weltweiten Jahresumsatzes wären möglich gewesen, was beim Alibaba-Konzern über sieben Milliarden Euro entsprochen hätte. Die Kommission nannte die Neuheit des Gesetzes als Grund für die geringere Strafe.

Was bedeutet das für Kunden in Deutschland?
Unmittelbar ändert sich für Käufer zunächst nichts. AliExpress hat aber bis Oktober Zeit, sein System für die Produktprüfung nachzubessern — inklusive der Frage, wie schnell gemeldete gefälschte oder gefährliche Artikel entfernt werden.

Quellen: Europäische Kommission, 20. Juli 2026; WirtschaftsWoche (dpa), 20. Juli 2026.

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