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Warum beansprucht Argentinien die Falklandinseln? Weil das Land seit seiner Unabhängigkeit 1816 der Ansicht ist, das Territorium von Spanien geerbt zu haben – bis britische Truppen 1833 die argentinische Verwaltung von den Inseln vertrieben. Dieser Anspruch steht bis heute in der argentinischen Verfassung. Aktuell ist das Thema so präsent wie selten: Nach dem WM-Halbfinalsieg gegen England am 15. Juli 2026 zeigten argentinische Spieler ein „Malvinas“-Transparent auf dem Rasen, und die Suchanfrage „Falklandinseln“ ist weltweit um 120 Prozent gestiegen.
Der Streit um die Falklandinseln – auf Spanisch Islas Malvinas – ist knapp 200 Jahre alt, gehört aber gerade wieder zu den meistdiskutierten Themen im Umfeld der Fußball-WM 2026. Hier die Hintergründe: die Geschichte, die Rechtslage und warum ausgerechnet ein Fußballspiel den alten Konflikt neu entfacht hat.
Die Geschichte: Wem gehörten die Falklandinseln zuerst?
Die Inselgruppe, rund 500 Kilometer vor der argentinischen Küste gelegen, war unbewohnt, bis Europäer sie im 17. und 18. Jahrhundert für sich beanspruchten. 1690 landete der britische Kapitän John Strong als Erster nachweislich auf den Inseln. 1764 gründeten französische Siedler unter Louis-Antoine de Bougainville die erste dauerhafte Kolonie, die 1766 an Spanien verkauft wurde. Ein Jahr zuvor hatten die Briten bereits eine eigene, unabhängig davon entstandene Siedlung auf einer Nachbarinsel errichtet. Als sich die spanischen Kolonien in Südamerika von der Krone lösten, erklärten die Vereinigten Provinzen des Río de la Plata – der Vorläuferstaat Argentiniens – 1816 ihre Unabhängigkeit. Buenos Aires beanspruchte daraufhin sämtliche Gebiete, die zuvor unter spanischer Verwaltung gestanden hatten, darunter auch die Falklandinseln. 1829 setzte Argentinien einen Gouverneur auf den Inseln ein.
Warum wurde Argentinien 1833 von den Inseln vertrieben?
Die argentinische Verwaltung hielt sich nicht lange. 1831 zerstörte das US-Kriegsschiff USS Lexington den argentinischen Außenposten im Streit um Robbenjagdrechte. Zwei Jahre später, 1833, entsandte Großbritannien eigene Streitkräfte und übernahm erneut die Kontrolle über die Inseln – ohne dass dabei Schüsse fielen, wie britische Quellen betonen, was Argentinien allerdings als gewaltsame Vertreibung wertet. Genau diese Episode gilt in Argentinien bis heute als Ursprung des Unrechts, das wiedergutgemacht werden müsse. In der argentinischen Verfassung ist die Rückgewinnung der „Malvinas“ seither als permanentes nationales Ziel verankert. Großbritannien wiederum argumentiert, sein eigener Anspruch reiche bis 1765 zurück und sei nie aufgegeben worden – auch nicht, als die britische Garnison 1774 aus wirtschaftlichen Gründen abgezogen wurde. Ein zurückgelassenes Schild erklärte damals ausdrücklich, die Souveränität bleibe bestehen.
Der Falklandkrieg 1982: Wie eskalierte der Streit?
1982 besetzte die argentinische Militärjunta die Inseln, auch um von der wirtschaftlichen Krise und den Protesten im eigenen Land abzulenken. Die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher schickte eine Streitmacht rund 13.000 Kilometer über den Atlantik. Nach 74 Tagen Krieg mit knapp 900 Toten – 649 Argentiniern und 255 Briten – kapitulierte Argentinien. Die Niederlage führte direkt zum Sturz der Militärdiktatur und zur Rückkehr Argentiniens zur Demokratie. Das erklärt, warum die Malvinas in Argentinien emotional so aufgeladen sind: Der verlorene Krieg gilt gleichzeitig als nationales Trauma und als Wendepunkt zur Demokratie. Seit 1982 hat jede argentinische Regierung, unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung, den Souveränitätsanspruch offiziell aufrechterhalten.
Warum wurde das Thema ausgerechnet vor dem WM-Halbfinale wieder laut?
Auslöser war das WM-Halbfinale zwischen Argentinien und England am 15. Juli 2026, das Argentinien durch ein Tor von Lautaro Martinez in der 92. Minute mit 2:1 gewann. Auf dem Rasen zeigten argentinische Spieler anschließend ein Transparent mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“. Bereits vor dem Spiel waren Videos aufgetaucht, in denen die Mannschaft nach dem Viertelfinalsieg gegen die Schweiz in der Kabine einen Gesang mit Bezug auf die Inseln anstimmte. Argentiniens Außenminister Pablo Quirno hatte den Anspruch wenige Tage zuvor in einem Artikel der Zeitung La Nación erneut bekräftigt. Nicht alle in Argentinien wollen den Konflikt auf den Fußballplatz tragen. Der Verband argentinischer Kriegsveteranen rief vor dem Spiel öffentlich dazu auf, das Match nicht als „bewaffnete Revanche oder historische Entschädigung“ zu verstehen, sondern die eigene Mannschaft ohne Hass zu unterstützen und der Kriegsopfer zu gedenken, wie SRF berichtete. Gleichzeitig machten sie deutlich: Für sie gehören die Inseln nach wie vor zu Argentinien.
Welche Rolle spielen Trump und der Iran-Krieg in diesem Streit?
Die Fußball-Episode traf auf eine ohnehin schon angespannte diplomatische Lage. Im April 2026 wurde ein internes Pentagon-Memo bekannt, das eine Überprüfung der US-Unterstützung für die „imperialen Besitzungen“ europäischer NATO-Partner vorschlug – als Vergeltung dafür, dass Verbündete wie Großbritannien die USA im Krieg gegen den Iran nicht ausreichend unterstützt hatten. Die Falklandinseln wurden darin ausdrücklich als Beispiel genannt. Argentiniens Präsident Javier Milei, ein enger Verbündeter von Donald Trump, begrüßte den Vorstoß und erklärte, die Inseln seien „immer argentinisch gewesen und würden es immer bleiben“. In London reagierten Politiker über Parteigrenzen hinweg umgehend: Sowohl die damalige Außenministerin Yvette Cooper als auch der konservative Oppositionsführer der Tories bekräftigten, die Souveränität liege eindeutig bei Großbritannien. Wenige Wochen später erklärte US-Außenminister Marco Rubio öffentlich, die US-Position zur Souveränität der Inseln habe sich nicht geändert – die Episode blieb damit ohne konkrete politische Folgen, zeigte aber, wie schnell der alte Inselstreit in aktuelle geopolitische Konflikte hineingezogen werden kann. Es ist derselbe Konflikt um die US-Verbündeten im Iran-Krieg, der auch die Frage neu aufwarf, wem die Straße von Hormus eigentlich gehört – einer weiteren Wasserstraße, deren Kontrolle 2026 plötzlich zur diplomatischen Streitfrage wurde.
Könnten die Falklandinseln jemals zu Argentinien gehören?
Rechtlich nur mit Zustimmung Großbritanniens oder durch eine grundlegende Änderung des Völkerrechts. Die Vereinten Nationen führen die Falklandinseln als „Gebiet ohne Selbstregierung“ und fordern seit Jahrzehnten Verhandlungen zwischen beiden Staaten – eine bindende Entscheidung zur Souveränitätsfrage hat die UN-Generalversammlung jedoch nie getroffen. Eine gewaltsame Rückeroberung ist ausgeschlossen, das hat der Krieg von 1982 gezeigt. Und eine politische Lösung bräuchte die Zustimmung der Inselbevölkerung, die 2013 in einem Referendum mit 99,8 Prozent für den Verbleib bei Großbritannien stimmte. Bewegung könnte eher aus der Politik als aus dem Recht kommen: eine dauerhafte Verschiebung der US-Position, Präzedenzfälle wie die Rückgabe der Chagos-Inseln von Großbritannien an Mauritius 2024, oder ein künftiges britisches Kabinett, das über ein „Leaseback“-Modell verhandeln will – eine Idee, die London Ende der 1970er-Jahre ernsthaft prüfte, bevor die Inselbewohner selbst sie ablehnten. Bis dahin bleibt der britische Anspruch, gestützt auf fast 200 Jahre ununterbrochene Verwaltung und den klaren Willen der Inselbevölkerung, nach Einschätzung unabhängiger Völkerrechtler die stärkere Position.
Häufig gestellte Fragen
Warum heißen die Falklandinseln auf Spanisch Islas Malvinas?
Der Name geht auf die französische Bezeichnung Îles Malouines zurück, benannt nach den Seefahrern aus der Hafenstadt Saint-Malo, die 1764 die erste Siedlung gründeten. Argentinien übernahm die spanische Form Islas Malvinas zusammen mit dem territorialen Anspruch Spaniens.
Wer kontrolliert die Falklandinseln heute?
Die Inseln sind ein britisches Überseegebiet mit eigener, gewählter Lokalregierung. Verteidigung und Außenpolitik liegen bei London, das dort auch dauerhaft Truppen stationiert hat.
Wie ging das Referendum von 2013 aus?
99,8 Prozent der Inselbewohner stimmten bei einer Wahlbeteiligung von 92 Prozent dafür, britisches Überseegebiet zu bleiben. Nur drei Personen stimmten dagegen.
Hat der Iran-Krieg 2026 wirklich Einfluss auf den Falklandstreit?
Indirekt ja. Ein durchgesickertes Pentagon-Memo brachte eine Überprüfung der US-Unterstützung für den britischen Anspruch ins Spiel, als Reaktion darauf, dass Großbritannien sich nicht aktiv am Krieg gegen den Iran beteiligte. Das US-Außenministerium stellte später klar, an der offiziellen Position habe sich nichts geändert.