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Stand 18. Oktober 2026. Die Straße von Hormus ist nicht geschlossen, aber stark eingeschränkt. Öl fließt, Angriffe auf Schiffe erreichen Rekordwerte.
Straße von Hormus – wer danach sucht, will wissen, wo die Meerenge liegt, wer sie kontrolliert und was gerade passiert. Die kurze Antwort: Sie liegt zwischen Iran und Oman am Ausgang des Persischen Golfs, ist an der engsten Stelle etwa 33 bis 40 Kilometer breit, und durch sie lief vor dem Krieg rund ein Fünftel des weltweit auf See transportierten Öls. Seit Ende Februar 2026 ist der Verkehr stark eingeschränkt. Iran und die USA beanspruchen beide die Kontrolle. Öl fließt weiter, aber weit unter dem Vorkriegsniveau, und Angriffe auf Handelsschiffe haben im Oktober einen Höchststand erreicht.
Das ist die Lage. Der Rest ist die Karte, die Rechtslage, die Zahlen und warum die Meerenge für Deutschland und Europa teuer ist.
Wo liegt die Straße von Hormus?
Die Straße von Hormus verbindet den Persischen Golf mit dem Golf von Oman und damit mit dem Indischen Ozean. Im Norden liegt die iranische Küste, im Süden die Küste Omans und der Halbinsel Musandam. An der engsten Stelle misst die Meerenge rund 33 Kilometer, nach anderen Angaben bis zu 40. Die Schiffahrtsroute selbst ist noch schmaler: Die Fahrwasser für ein- und auslaufende Schiffe liegen jeweils nur wenige Kilometer breit, getrennt durch eine Pufferzone.
Auf einer Karte sieht die Meerenge aus wie ein Flaschenhals. Der Persische Golf dahinter ist ein Binnenmeer. Fast alles, was aus Saudi-Arabien, Kuwait, Irak, Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Iran auf See exportiert wird, muss durch diesen Engpass. Pipelines nach Westen, etwa die East-West-Pipeline Saudi-Arabiens zum Roten Meer, umgehen ihn teilweise. Vor dem Krieg liefen aber etwa 17 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Meerenge – rund 20 Prozent des seetransportierten Öls weltweit. Dazu kommen große Mengen Flüssigerdgas, vor allem aus Katar.
Die strategische Bedeutung ist alt. Wer die Meerenge kontrolliert, kontrolliert den Zugang zum Öl des Golfs. Das ist der Grund, warum sie in jedem Konflikt zwischen den USA und dem Iran zum zentralen Punkt wird.
Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
Rechtlich ist die Antwort klarer als politisch. Die Meerenge liegt vollständig in den Hoheitsgewässern Irans und Omans. Es gibt kein Stück internationale Gewässer in der Mitte. Das Völkerrecht gewährt aber allen Schiffen das Recht der Durchfahrt durch Meerengen, die zwei Teile der Hohen See verbinden. Iran und Oman besitzen das Wasser. Sie besitzen nicht das Recht, die Durchfahrt nach Belieben zu sperren. Das ist der Kern des Streits, der seit Monaten läuft.
In der Praxis beanspruchen beide Seiten die Kontrolle. Iran hat seit Kriegsbeginn Ende Februar 2026 eine Genehmigungspflicht für die Durchfahrt eingeführt und spricht von einer „smarten Kontrolle“. Die USA erklären, sie und ihre regionalen Partner kontrollierten die Meerenge, und organisieren geleitete Durchfahrten für Handelsschiffe. Beide Aussagen sind gleichzeitig wahr und unvollständig. Schiffe fahren durch. Sie fahren unter Risiko. Und beide Seiten greifen oder behindern Schiffe, die ihrer Ansicht nach die Regeln der anderen Seite befolgen.
Ausführlicher zur Eigentumsfrage steht hier: Who owns the Strait of Hormuz?
Aktuelle Lage: Oktober 2026
Stand Mitte Oktober 2026 ist die Straße von Hormus weder offen noch geschlossen. Tracker beschreiben sie als stark eingeschränkt. Die Krise läuft seit Ende Februar, also seit über 230 Tagen.
Die Zahlen schwanken je nach Quelle und Tag. Kpler meldete für die Woche bis zum 13. Oktober rund 11,6 Millionen Barrel Öl pro Tag durch die Meerenge – etwa 68 Prozent des Vorkriegsniveaus von 17,1 Millionen. An einzelnen Tagen lag der Wert deutlich niedriger, an anderen höher. AIS-sichtbarer Schiffsverkehr liegt weit darunter, weil viele Schiffe mit ausgeschaltetem Transponder fahren, oft in US-geleiteten Konvois. Unabhängige Zählungen kommen auf einstellige bis niedrige zweistellige Durchfahrten pro Tag, gegenüber über 100 vor dem Krieg.
Angriffe haben im Oktober zugenommen. Die britische Behörde UKMTO meldete für die Woche bis zum 11. Oktober zwölf angegriffene Schiffe – den höchsten Wochenwert seit Kriegsbeginn. Am 13. Oktober sank das unter singapurischer Flagge fahrende Containerschiff GFS Pride nach einem Treffer. Iran sprach von einer Mine und einer unerlaubten Route. Die USA sprachen von einem Geschoss. Ein Supertanker soll am 17. Oktober ebenfalls auf eine Mine aufgelaufen sein; die Angaben stammen von iranischen Quellen und sind nicht unabhängig bestätigt. Brent-Öl notierte Mitte Oktober zeitweise bei rund 110 Dollar je Barrel.
Die USA blockieren seit Juli iranische Häfen. Iranisches Öl kommt praktisch nicht mehr heraus. Öl aus Saudi-Arabien, den Emiraten und anderen Golfstaaten fließt weiter, aber unter Schutz und mit hohen Versicherungsprämien. Kriegsrisiko-Zuschläge liegen bei einem Vielfachen des normalen Satzes. Viele Reedereien meiden die Route oder fahren nur in geleiteten Gruppen.
Warum die Meerenge für Europa teuer ist
Europa importiert seit dem Wegfall russischer Lieferungen einen großen Teil seines Diesels und seines Öls aus dem Nahen Osten und aus Indien. Störungen in der Straße von Hormus treffen deshalb direkt die Tankstellenpreise. Nicht die ausgefallene Menge allein treibt den Preis, sondern das Risiko: höhere Versicherungen, Umwege, die Möglichkeit einer vollständigen Sperrung. Brent ist seit Kriegsbeginn von rund 70 auf zeitweise über 100 Dollar gestiegen. Für den Zusammenhang mit den Spritpreisen in Deutschland siehe warum Diesel gerade so teuer ist.
Alternative Routen haben zugenommen. Rund 40 Prozent der regionalen Ölexporte laufen inzwischen nicht mehr durch die Meerenge, sondern über Pipelines und Häfen am Roten Meer – vor dem Krieg waren es etwa 17 Prozent. Das mildert den Schock, hebt ihn aber nicht auf. Die Kapazität der Pipelines ist begrenzt. Ein längerer Ausfall der Meerenge wäre für den Weltmarkt nicht ersetzbar.
Die Karte in Worten
| Straße von Hormus | |
|---|---|
| Lage | Zwischen Iran (Norden) und Oman / Musandam (Süden) |
| Verbindet | Persischer Golf und Golf von Oman |
| Engste Stelle | Etwa 33–40 km |
| Vorkriegs-Ölfluss | Rund 17 Millionen Barrel/Tag (~20 % des Seetransports) |
| Oktober 2026 | Stark eingeschränkt, rund 10–12 Millionen Barrel/Tag in guten Wochen |
| Kontrolle | Rechtlich Iran und Oman; praktisch beide Seiten beanspruchen sie |
Eine interaktive Karte mit Live-Verkehr bieten mehrere Tracker. Die offiziellen Angaben der USA und Irans weichen regelmäßig voneinander ab. Für die aktuelle Zahl der Durchfahrten sind unabhängige AIS-Auswertungen und Berichte der UKMTO zuverlässiger als die Pressemitteilungen beider Seiten.
Was als Nächstes passieren kann
Drei Szenarien sind offen. Erstens eine weitere Eskalation: mehr Angriffe, höhere Ölpreise, noch weniger Verkehr. Zweitens ein politisches Abkommen, das die Genehmigungspflicht und die US-Blockade iranischer Häfen aufhebt. Drittens der Status quo: eingeschränkter Verkehr unter Schutz, hohe Preise, gelegentliche Zwischenfälle. Verhandlungen auf technischer Ebene wurden für Mitte Oktober in der Schweiz angesetzt. Ob sie etwas ändern, ist offen. Iran hat erklärt, die Meerenge erst vollständig zu öffnen, wenn Bedingungen aus früheren Vereinbarungen erfüllt sind. Die USA haben erklärt, die Kontrolle zu behalten.
Für Deutschland und Europa heißt das: Die Straße von Hormus bleibt ein Preistreiber, solange der Krieg nicht beendet oder die Meerenge nicht normalisiert ist. Die Zahlen können sich täglich ändern. Die Struktur – Engpass, zwei Anspruchsteller, hohe Versicherungskosten – bleibt.
Häufige Fragen zur Straße von Hormus
Wo liegt die Straße von Hormus?
Zwischen Iran und Oman, am Ausgang des Persischen Golfs zum Golf von Oman. Engste Stelle etwa 33 bis 40 Kilometer.
Ist die Straße von Hormus offen?
Teilweise. Stand Oktober 2026 fahren Schiffe durch, aber weit unter dem Vorkriegsniveau, oft in geleiteten Konvois und unter Angriffsrisiko. Iran und die USA beanspruchen beide die Kontrolle.
Wie viel Öl fließt durch die Straße von Hormus?
Vor dem Krieg rund 17 Millionen Barrel pro Tag. Im Oktober 2026 in guten Wochen etwa 10 bis 12 Millionen, an schlechten Tagen deutlich weniger.
Wer kontrolliert die Straße von Hormus?
Rechtlich Iran und Oman das Wasser, alle Staaten das Recht der Durchfahrt. Praktisch beanspruchen die USA und Iran jeweils die Kontrolle.
Warum ist die Straße von Hormus wichtig?
Weil ein großer Teil des Öls und Flüssigerdgases aus dem Persischen Golf nur durch sie auf den Weltmarkt kommt. Störungen treiben die Preise weltweit.
Gibt es Alternativen zur Straße von Hormus?
Ja, Pipelines zum Roten Meer und andere Routen. Sie decken aber nur einen Teil der früheren Menge ab. Ein vollständiger Ausfall wäre nicht ersetzbar.
Der Verlauf seit Februar 2026
Der Krieg begann Ende Februar 2026 mit US-israelischen Schlägen gegen iranische Ziele. Iran schränkte daraufhin die Durchfahrt durch die Straße von Hormus ein. Im März stieg der Ölpreis zeitweise über 100 Dollar. Im April gab es eine zweiwöchige Waffenruhe, die die Meerenge teilweise öffnete. Im Juni wurde ein Memorandum unterzeichnet, das eine Normalisierung versprach. Der Verkehr erholte sich nicht vollständig. Im Juli verhängten die USA erneut eine Blockade iranischer Häfen. Seitdem fließt Öl aus den anderen Golfstaaten unter Schutz, iranisches Öl praktisch nicht mehr.
Im September näherten sich die Exporte zeitweise dem Vorkriegsniveau an. Im Oktober stiegen die Angriffe auf Schiffe auf den höchsten Stand seit Kriegsbeginn. Die Erholung stockte. Brent notierte wieder bei rund 110 Dollar. Die Zahlen ändern sich täglich. Die Struktur – eingeschränkter Verkehr, zwei Anspruchsteller, hohe Kosten – bleibt seit Monaten gleich.
Was Schiffe und Versicherer tun
Viele Schiffe fahren mit ausgeschaltetem AIS durch die Meerenge, oft nachts und in Gruppen, die von US-Kräften geleitet werden. Andere meiden die Route ganz und nutzen Pipelines oder Umwege. Kriegsrisiko-Versicherungen sind teuer geworden. Für große Tanker liegen die Zuschläge bei einem Vielfachen des Friedenssatzes. Einige Reedereien haben die Route ganz aus ihren Fahrplänen genommen. Containerlinien, die früher regelmäßig durch den Golf fuhren, haben Dienste gestrichen oder umgelegt. Das erhöht die Kosten für Waren, die nicht Öl sind, aber durch denselben Engpass müssen.
Für die aktuelle Sicherheitslage veröffentlichen die UKMTO und das Joint Maritime Information Center regelmäßige Berichte. Sie weichen in den Zahlen von den Angaben der USA und Irans ab. Wer den Verkehr einschätzen will, sollte mehrere Quellen nebeneinander legen, nicht eine einzelne Pressemitteilung.
Die Rolle Omans
Oman besitzt die südliche Seite der Meerenge und hat sich im Konflikt zurückgehalten. Muscat beansprucht keine Kontrolle über die Durchfahrt und hat die iranische Genehmigungspflicht nicht übernommen. Die Halbinsel Musandam, die der Meerenge am nächsten liegt, gehört zu Oman, ist aber vom restlichen Staatsgebiet getrennt. Oman hat sich in früheren Krisen als Vermittler angeboten. In der aktuellen Lage bleibt die Küste Omans der ruhigere der beiden Ufer. Schiffe, die die Meerenge meiden, nutzen teilweise omanische Häfen als Ausweichpunkte, bevor sie weiterfahren oder umkehren.
Was die Zahlen nicht zeigen
Die täglichen Barrel-Zahlen erfassen nur das, was Tracker sehen. Schiffe mit ausgeschaltetem Transponder fehlen. Umleitungen über Pipelines erscheinen in anderen Statistiken. Deshalb schwanken die Angaben zwischen den Quellen. Kpler, Vortexa, IMF PortWatch und die UKMTO zählen unterschiedlich und mit unterschiedlichem Zeitverzug. Eine einzelne Zahl für „wie viel Öl heute durchfließt“ ist deshalb immer eine Näherung. Die Richtung ist klarer als die genaue Menge: Der Verkehr liegt deutlich unter dem Vorkriegsniveau, er ist nicht auf null gefallen, und er ist unsicherer als vor dem Krieg.
Für Deutschland heißt das praktisch: Der Dieselpreis bleibt höher, solange die Risikoaufschläge bleiben. Eine einzelne ruhige Woche senkt den Preis nicht dauerhaft. Eine einzelne schwere Woche kann ihn schnell wieder nach oben treiben. Die Meerenge ist kein lokales Problem am anderen Ende der Welt. Sie ist ein Preisfaktor an der deutschen Tankstelle.
Die Geschichte der Meerenge als Konfliktraum ist älter als der aktuelle Krieg. Schon in den 1980er Jahren, während des Iran-Irak-Kriegs, wurden Tanker in der Straße von Hormus angegriffen. Die USA begleiteten damals Schiffe unter ihrer Flagge. Die rechtliche Lage war dieselbe wie heute: Das Wasser gehört den Anrainern, die Durchfahrt gehört allen. Was sich geändert hat, ist die Dichte des Verkehrs und die Abhängigkeit Europas von Routen, die früher über Russland liefen. Deshalb wirkt eine Störung 2026 stärker auf die europäischen Preise als eine vergleichbare Störung vor zwanzig Jahren.
Wer die Lage verfolgen will, sollte drei Dinge nebeneinander halten: die Barrel-Zahlen der Tracker, die Angriffsmeldungen der UKMTO, und die Aussagen der beiden Seiten. Keine einzelne Quelle reicht. Die Meerenge ist zu wichtig und die Angaben zu widersprüchlich, um sich auf eine Pressemitteilung zu verlassen.
Die kurze Antwort
Straße von Hormus: Die Meerenge zwischen Iran und Oman, durch die vor dem Krieg rund ein Fünftel des seetransportierten Öls lief. Seit Ende Februar 2026 ist der Verkehr stark eingeschränkt. Öl fließt weiter, aber unter Risiko und zu höheren Preisen. Iran und die USA beanspruchen beide die Kontrolle. Angriffe auf Schiffe haben im Oktober 2026 einen Höchststand erreicht. Für Europa bleibt die Meerenge ein direkter Preistreiber an der Tankstelle, solange die Lage so bleibt.