Krankschreibung 2026: Warum die Koalition sie jetzt verschärft“ — 58 Zeichen

Last Updated on 19 Stunden ago by TodayWhy Editorial

Krankschreibung wird für Millionen Arbeitnehmer in Deutschland bald anders funktionieren. Nach einer siebenstündigen Sitzung im Kanzleramt hat der Koalitionsausschuss aus CDU, CSU und SPD am 2. Juli 2026 ein Reformpaket vorgestellt, das unter anderem die telefonische Krankschreibung abschafft und eine ärztliche Bescheinigung künftig schon ab dem ersten Krankheitstag verlangt. Was genau geändert wird, warum die Koalition diesen Schritt geht — und was Studien tatsächlich über den Krankenstand sagen, erklären wir hier.

Was ändert sich bei der Krankschreibung konkret?

Zwei zentrale Punkte stehen im neuen Reformpaket: Erstens soll die Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung komplett wegfallen. Seit Ende 2023 können Patientinnen und Patienten bei leichten Erkrankungen ohne persönlichen Praxisbesuch krankgeschrieben werden — vorausgesetzt, sie sind in der Praxis bereits bekannt und zeigen keine schweren Symptome. Diese Regelung, ursprünglich als Corona-Sonderregelung eingeführt, wird nun rückgängig gemacht. Zweitens soll die Pflicht zur Vorlage einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung beim Arbeitgeber vorgezogen werden: Bisher genügt eine formlose Meldung bis zum vierten Krankheitstag, künftig soll die ärztliche Bescheinigung bereits ab dem ersten Tag Pflicht sein.

Warum will die Koalition die telefonische Krankschreibung abschaffen?

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bereits im vergangenen Jahr einen aus seiner Sicht zu hohen Krankenstand in Deutschland kritisiert und die telefonische Regelung infrage gestellt. Gesundheitsministerin Nina Warken kündigte damals an, die Regelung zu überprüfen. Die Koalition begründet den Schritt jetzt mit den anhaltend hohen Fehlzeiten in Unternehmen und dem Ziel, Missbrauch strukturell auszuschließen.

Was sagen Studien tatsächlich über den Krankenstand?

Hier wird es differenzierter, als die politische Debatte oft suggeriert. Das Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung veröffentlichte bereits Anfang Oktober 2025 eine Untersuchung, wonach nicht die telefonische Krankschreibung für den gestiegenen Krankenstand verantwortlich ist, sondern vor allem die Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU). Durch die eAU werden inzwischen praktisch alle Krankschreibungen elektronisch erfasst — auch solche, die früher gar nicht in die offizielle Statistik eingeflossen wären. Auch die Krankenkasse DAK kommt in einer eigenen Untersuchung zu einem ähnlichen Ergebnis und sieht keinen „systematischen Missbrauch“ bei der telefonischen Krankschreibung. Der Verbraucherzentrale Bundesverband bezeichnete die Regelung sogar als „Erfolgsmodell“ der Entbürokratisierung.

Wie hängt die Krankschreibung mit dem restlichen Reformpaket zusammen?

Die Neuregelung ist nur ein Baustein eines deutlich größeren Pakets, das der Koalitionsausschuss am selben Tag beschlossen hat. Dazu gehört auch die vollständige Umsetzung aller 33 Empfehlungen der Rentenkommission bis Ende 2026 — darunter etwa die geplante Aktienrente nach schwedischem Vorbild und die Einbeziehung von Beamten und Selbstständigen in die Rentenversicherung — sowie eine Reform der Einkommensteuer mit einer neuen Staffelung der Reichensteuer ab 1. Januar 2027. Für Arbeitgeberverbände ist die verschärfte Regelung Teil eines größeren Versuchs, die Lohnnebenkosten zu senken; Gewerkschaften und Sozialverbände kritisieren dagegen, dass Beschäftigte mit chronischen oder wiederkehrenden Erkrankungen durch die neue Arztpflicht ab Tag eins stärker belastet werden.

Wann tritt die neue Regelung in Kraft?

Die Beschlüsse des Koalitionsausschusses sind zunächst politische Absichtserklärungen und müssen noch den Bundestag passieren. Wie t-online berichtet, sind im weiteren Gesetzgebungsverfahren theoretisch noch Änderungen möglich, bevor die neuen Regeln zur Krankschreibung tatsächlich gelten.

Häufig gestellte Fragen

Wird die telefonische Krankschreibung abgeschafft?

Ja. Die Koalition aus CDU, CSU und SPD hat beschlossen, die seit Ende 2023 geltende Möglichkeit zur telefonischen Krankschreibung wieder abzuschaffen.

Ab wann muss man eine Krankschreibung vorlegen?

Nach dem neuen Reformpaket soll die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung bereits ab dem ersten Krankheitstag Pflicht werden — bisher war sie erst ab dem vierten Tag vorgeschrieben.

Ist die telefonische Krankschreibung wirklich für den hohen Krankenstand verantwortlich?

Mehrere Studien, unter anderem vom Zentralinstitut der Kassenärztlichen Versorgung und von der Krankenkasse DAK, kommen zu dem Ergebnis, dass sie das nicht ist — der Anstieg wird vor allem mit der Corona-Pandemie und der elektronischen Erfassung (eAU) erklärt.

Ist die Reform bereits endgültig beschlossen?

Nein. Der Koalitionsausschuss hat sich politisch geeinigt, die Beschlüsse müssen aber noch den Bundestag durchlaufen, wo theoretisch noch Änderungen möglich sind.

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