Warum heißt die Elfenbeinküste Elfenbeinküste? Erklärt

Last Updated on 19 Stunden ago by TodayWhy Editorial

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ist die deutsche Nationalmannschaft auf einen Gegner getroffen, dessen deutscher Name fast niemand richtig erklären kann: die Elfenbeinküste. Der Name klingt nach Abenteuerroman, hat aber einen ganz konkreten historischen Hintergrund – und ist inzwischen offiziell gar nicht mehr erlaubt. TodayWhy erklärt, woher die Bezeichnung kommt, warum sie umstritten ist und warum sie sich im Deutschen trotzdem hartnäckig hält.

Der Ursprung: Europäischer Handel mit Elefanten-Stoßzähnen

Der Name geht auf den europäischen Kolonialhandel des 15. bis 19. Jahrhunderts zurück. Portugiesische, später französische und britische Händler segelten entlang der westafrikanischen Küste und benannten ganze Küstenabschnitte schlicht nach dem Rohstoff, den sie dort am profitabelsten eintauschen konnten. An diesem Küstenstreifen war es vor allem Elfenbein – die wertvollen Stoßzähne afrikanischer Elefanten, die in Europa als Schmuck-, Schnitz- und Statusmaterial heiß begehrt waren.

Ein ganzes Benennungsschema: Pfeffer-, Gold-, Sklaven- und Zahnküste

Die Elfenbeinküste war dabei kein Einzelfall. Europäische Seefahrer teilten die gesamte westafrikanische Küste in eine Reihe von „Handelsküsten“ ein, benannt nach dem jeweils dominanten Exportgut: die Pfefferküste (heutiges Liberia/Sierra Leone), die Goldküste (heutiges Ghana), die Sklavenküste (heutiges Benin/Togo/Nigeria) – und die Elfenbein- oder, im älteren deutschen Sprachgebrauch, „Zahnküste“. Diese Namen sagen nichts über die Kultur oder Identität der dort lebenden Völker aus, sondern beschreiben ausschließlich, was Europäer dort wirtschaftlich ausbeuten konnten.

1893: Vom Handelsbegriff zum Kolonialnamen

Der französische Admiral Louis Edouard Bouet-Willaumez verwendete die Bezeichnung „Côte d’Ivoire“ bereits 1839 in seinen Aufzeichnungen. Endgültig amtlich wurde der Name, als Frankreich das Gebiet 1893 offiziell zur Kolonie Côte d’Ivoire erklärte. Der Elfenbeinhandel selbst war zu diesem Zeitpunkt für die regionale Wirtschaft längst weniger bedeutend als Kakao und Kaffee – der Name blieb trotzdem haften, wie es bei Kolonialbezeichnungen häufig der Fall war.

1985: Warum das Land seinen Namen nur noch auf Französisch erlaubt

Nach der Unabhängigkeit am 7. August 1960 behielt der neue Staat den französischen Namen bei. Weil es international jedoch völlig unterschiedliche Übersetzungen gab – Ivory Coast im Englischen, Costa de Marfil im Spanischen, Costa d’Avorio im Italienischen, Elfenbeinküste im Deutschen – ordnete Präsident Félix Houphouët-Boigny Ende 1985 an, dass der Staatsname in internationalen Foren ausschließlich in der französischen Form „Côte d’Ivoire“ verwendet werden dürfe, ohne Übersetzung in andere Sprachen. Im Land selbst steht die Verwendung einer anderen Bezeichnung sogar unter Strafe.

Warum sagen Deutsche trotzdem „Elfenbeinküste“?

Offizielle deutsche Stellen halten sich an die Vorgabe: Das Auswärtige Amt und die Bundesregierung verwenden in diplomatischen Dokumenten ausschließlich „Côte d’Ivoire“. Im Alltag, in den Medien und auch bei der FIFA selbst hat sich die deutsche Übersetzung „Elfenbeinküste“ jedoch bis heute deutlich stärker gehalten als der französische Originalname – ein Umstand, der zur WM 2026 für neue Debatten sorgte. Kritiker werten „Elfenbeinküste“ inzwischen als kolonial geprägten Begriff, der durch eine Bezeichnung ersetzt werden sollte, die das Land sich selbst gegeben hat und die nicht mehr direkt an seine wirtschaftliche Ausbeutung erinnert. Befürworter der gebräuchlichen Übersetzung verweisen darauf, dass auch andere Ländernamen im Deutschen traditionell übersetzt werden, ohne dass dies als abwertend gilt.

Was hat das mit dem Wappen und den Elefanten zu tun?

Das Staatswappen der Côte d’Ivoire zeigt bis heute einen Elefantenkopf – ein direkter Verweis auf den namensgebenden Handel. Wild lebende Elefanten sind im Land inzwischen jedoch selten geworden, unter anderem als Folge genau jener Jagd auf Stoßzähne, die dem Gebiet einst seinen europäischen Namen gab. Der internationale Handel mit Elfenbein ist heute weitgehend verboten, um die verbliebenen Bestände zu schützen.

Häufig gestellte Fragen

Warum heißt die Elfenbeinküste Elfenbeinküste?

Weil europäische Händler ab dem 15. Jahrhundert diesen Küstenabschnitt Westafrikas nach seinem wichtigsten Handelsgut benannten: Elfenbein, also die Stoßzähne afrikanischer Elefanten.

Wie heißt das Land offiziell?

Offiziell und amtlich ausschließlich Côte d’Ivoire (Republik Côte d’Ivoire) – auf Anordnung der Regierung seit 1985, ohne Übersetzung in andere Sprachen.

Seit wann gilt die Regel, den Namen nicht zu übersetzen?

Präsident Félix Houphouët-Boigny erließ die Anordnung Ende 1985, um die Verwirrung durch unterschiedliche internationale Übersetzungen zu beenden.

Ist „Elfenbeinküste“ ein kolonialer Begriff?

Der Name selbst entstand im Kontext des europäischen Kolonialhandels. Manche Kommentatoren werten die deutsche Übersetzung deshalb als problematisch, während andere sie als etablierte geografische Bezeichnung betrachten.

Wie nennt man die Bewohner des Landes?

Ivorer beziehungsweise Ivorerin – abgeleitet vom französischen „Ivoirien/Ivoirienne“.

Wann wurde die Côte d’Ivoire unabhängig?

Am 7. August 1960 erlangte das Land die Unabhängigkeit von Frankreich.

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