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Warum heißt Zverev Sascha, wenn er doch Alexander heißt? Diese Frage stellen sich viele Zuschauer jedes Mal aufs Neue, wenn die Kommentatoren den Hamburger im Wimbledon-Finale minutenlang „Sascha“ nennen — und auf dem Anzeigenbrett steht „A. Zverev“.
Die Antwort ist keine Marotte der Sportreporter. Sie steckt in der russischen Sprache, in einer Familie mit zwei Alexandern und in einem deutschen Missverständnis, das sich hartnäckig hält.
Warum heißt Zverev Sascha? Die kurze Antwort
Sascha ist im Russischen die Koseform von Alexander. Kein zweiter Vorname, kein Künstlername, kein Spitzname im deutschen Sinne. Wer in Russland so heißt, wird von Familie und Freunden ein Leben lang so gerufen — vom Kindergarten bis ins Rentenalter.
Alexander Zverev wurde 1997 in Hamburg geboren, aber seine Eltern stammen aus Russland. In der Familie war er nie „Alex“. Er war immer der Sascha. Weil er sich mit 16 auf der Profitour genauso vorstellte, blieb es dabei.
Wie aus Alexander die Koseform wird
Auf den ersten Blick ergibt das keinen Sinn. In „Alexander“ steckt kein einziges „Sch“. Der Weg führt über eine Zwischenstufe: Aus dem russischen Aleksandr wird zunächst die Nebenform Aleksaschka — und daraus die Koseform Sascha. Die Kurzform greift also nicht den Anfang des Namens ab, sondern die Mitte.
Das ist im Russischen völlig normal. Aus Michail wird Mischa. Aus Maria wird Mascha. Aus Iwan wird Wanja. Deutsche Kurzformen funktionieren anders: aus Alexander wird Alex, aus Michael Michi. Man schneidet vorne ab. Das russische System formt den Namen um.
Im Russischen gibt es sogar mehrere Stufen der Zuneigung: Sascha im Alltag, Saschka etwas lässiger, Saschenka richtig zärtlich. Diese Formen sind kein Zeichen von Kindlichkeit, sondern von Nähe.
Zwei Alexander in einem Haus
Es gibt einen zweiten, sehr praktischen Grund. Der Vater heißt ebenfalls Alexander. Alexander Zverev senior war Tennisprofi und spielte für die Sowjetunion im Davis Cup, seine Mutter Irina war ebenfalls Profi. Beide arbeiteten später als Trainer ihres Sohnes.
Zwei Träger desselben Vornamens an einem Esstisch — da braucht es eine Unterscheidung. Der Vater blieb Alexander, der Sohn wurde Sascha. Genau dasselbe Muster trägt sein älterer Bruder: Mischa Zverev, ebenfalls Tennisprofi, ist die Koseform von Michail.
Das deutsche Missverständnis
Hier wird es interessant. Hierzulande ist der Name nämlich kein Kosename, sondern ein eigenständiger Vorname. In den 1970er und 80er Jahren gehörte er zu den beliebtesten Jungennamen des Landes. Wer heute einen Sascha kennt, kennt ihn genau so — und nicht als Alexander.
Deshalb klingt „Alexander, genannt Sascha“ für deutsche Ohren wie zwei verschiedene Personen. Im Russischen ist es ein und dieselbe. Der Name hat in Deutschland den Sprung von der Koseform zum Taufnamen geschafft — im Herkunftsland ist er das nie geworden.
Ein zweiter Irrtum kursiert hartnäckig: Die Koseform sei ein Patronym, also der vom Vater abgeleitete Namensteil. Das stimmt nicht. Das Patronym wäre Alexandrowitsch — „Sohn des Alexander“. Der Kosename ist etwas anderes: reine Zuneigung, keine Genealogie.
Und was ist mit „Spargel“?
Es ist nicht der einzige Name, den Zverev auf der Tour trägt. Kollegen nannten den 1,98 Meter großen Hamburger auch schon „Asparagus“ — Spargel. Der zielt auf die Statur, nicht auf die Herkunft — und ist im Gegensatz zur Koseform ein echter Spitzname.
Dass Namen im Sport oft mehr erzählen als gedacht, ist kein Einzelfall. Warum bei einem norwegischen Weltklassestürmer nicht nur der Nachname auf dem Trikot steht, hat ebenfalls eine familiäre Erklärung. Und warum ein WM-Debütant zwei Namen gleichzeitig führt, haben wir hier auseinandergenommen.
Warum die Frage gerade jetzt so oft gestellt wird
Zverev ist derzeit so präsent wie nie. Nach seinem French-Open-Titel steht er als Nummer zwei der Weltrangliste — und im Wimbledon-Finale 2026 unterlag er Jannik Sinner erst nach vier Sätzen mit 7:6, 6:7, 3:6, 4:6, nachdem er den ersten Durchgang gewonnen hatte.
Fast vier Stunden Live-Übertragung, in denen ein Mann namens Alexander durchgehend Sascha genannt wird: Kein Wunder, dass Millionen Zuschauer danach dieselbe Frage in die Suchmaschine tippen.
Häufige Fragen
Warum wird Zverev Sascha genannt?
Weil es im Russischen die Koseform von Alexander ist. Zverevs Eltern stammen aus Russland, in der Familie hieß er von Anfang an so.
Ist Sascha Zverevs zweiter Vorname?
Nein. Sein Vorname ist Alexander, die Koseform davon ist kein eigener Eintrag im Pass.
Wie entsteht die Koseform aus Alexander?
Über die russische Nebenform Aleksaschka. Die Koseform greift die Mitte des Namens auf, nicht den Anfang — anders als das deutsche „Alex“.
Warum heißt sein Bruder Mischa?
Dasselbe Prinzip: Mischa ist die russische Koseform von Michail.
Heißt Zverevs Vater auch Alexander?
Ja. Der Vater war sowjetischer Davis-Cup-Spieler und später Trainer seines Sohnes. Die Koseform half, Vater und Sohn zu unterscheiden.