Warum ist der Buß- und Bettag nur in Sachsen ein Feiertag? Weil die anderen Bundesländer ihn 1995 abgeschafft haben, um die neue Pflegeversicherung zu finanzieren. Die Arbeitgeber sollten durch einen zusätzlichen Arbeitstag entlastet werden. Sachsen behielt den Feiertag. Dafür zahlen Beschäftigte dort bis heute einen höheren Anteil an der Pflegeversicherung als im Rest Deutschlands.
2026 fällt der Buß- und Bettag auf Mittwoch, den 18. November. In Sachsen ist der Tag arbeitsfrei, in Bayern haben zumindest die Schulen frei. Überall sonst ist es ein normaler Arbeitstag. Dieser Artikel erklärt, woher der Feiertag kommt, warum er verschwand und was Sachsen sein Festhalten kostet.
Buß- und Bettag 2026 auf einen Blick
| Frage | Antwort |
|---|---|
| Datum 2026 | Mittwoch, 18. November |
| Gesetzlicher Feiertag | Nur in Sachsen |
| Schulfrei | Sachsen und Bayern |
| Konfession | Evangelisch |
| Bundesweit abgeschafft | 1995 |
| Grund | Finanzierung der Pflegeversicherung |
Was ist der Buß- und Bettag?
Der Buß- und Bettag ist ein evangelischer Feiertag. „Buße“ bedeutet hier nicht Strafe, sondern Umkehr: Menschen sollen innehalten, über ihr Leben nachdenken und sich neu ausrichten. Viele Kirchengemeinden feiern an diesem Tag Gottesdienste.
Der Tag liegt immer am Mittwoch vor dem letzten Sonntag des Kirchenjahres, dem Ewigkeits- oder Totensonntag. Anders gesagt: Er ist genau elf Tage vor dem ersten Advent. Deshalb fällt er immer zwischen den 16. und den 22. November.
Woher kommt der Feiertag?
Buß- und Bettage gibt es seit Jahrhunderten. Früher riefen Kirchen und Landesherren sie bei Krisen aus, etwa bei Kriegen, Seuchen oder Missernten. Jedes Land hatte eigene Termine, manchmal mehrere im Jahr.
Im 19. Jahrhundert wurden die vielen Termine vereinheitlicht. In Preußen legte man den Tag auf den Mittwoch vor dem Totensonntag. Andere Länder folgten. Später war der Buß- und Bettag in der Bundesrepublik in den meisten Ländern und nach der Wiedervereinigung bundesweit ein arbeitsfreier Feiertag.
Warum wurde der Buß- und Bettag 1995 abgeschafft?
Anfang der 1990er-Jahre beschloss der Bundestag die Pflegeversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung. Sie startete am 1. Januar 1995. Wie die Renten- und Krankenversicherung wird sie je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bezahlt.
Die Arbeitgeber wehrten sich gegen die neuen Kosten. Als Ausgleich einigte man sich auf einen Kompromiss: Ein Feiertag sollte wegfallen. Ein zusätzlicher Arbeitstag bringt Unternehmen mehr Wertschöpfung und gleicht so ihren Beitrag aus.
Die Wahl fiel auf den Buß- und Bettag. Er war ein Werktag mitten in der Woche, hatte für viele Menschen keine große religiöse Bedeutung mehr und war überwiegend evangelisch. Ab 1995 war er in allen Bundesländern außer Sachsen wieder ein normaler Arbeitstag.
Die Kritik
Die evangelischen Kirchen protestierten heftig. Sie sahen in der Abschaffung ein Signal, dass religiöse Feiertage wirtschaftlichen Interessen geopfert werden. Bis heute gibt es immer wieder Initiativen, den Tag als Feiertag zurückzuholen. Erfolgreich waren sie bisher nicht.
Warum hat Sachsen den Buß- und Bettag behalten?
Sachsen entschied sich 1995 anders. Der Landtag wollte den Feiertag erhalten, auch wegen der evangelischen Tradition im Land, der Heimat der Reformation. Dafür musste Sachsen den Ausgleich für die Arbeitgeber auf andere Weise schaffen.
Die Lösung: In Sachsen tragen die Beschäftigten einen größeren Teil des Pflegebeitrags. Die Arbeitgeber zahlen entsprechend weniger. So bleibt der Feiertag, aber die Arbeitnehmer bezahlen ihn praktisch selbst.
Was kostet der Feiertag die Sachsen?
Der allgemeine Beitragssatz zur Pflegeversicherung liegt 2026 bei 3,6 Prozent des Bruttolohns. Im Rest Deutschlands teilen sich Arbeitnehmer und Arbeitgeber diesen Satz je zur Hälfte. In Sachsen zahlen Beschäftigte 0,5 Prozentpunkte mehr, wie zum Beispiel diese Übersicht zu den Beitragssätzen 2026 erläutert.
| Pflegebeitrag 2026 (mit Kind) | Arbeitnehmer | Arbeitgeber |
|---|---|---|
| Alle Bundesländer außer Sachsen | 1,8 % | 1,8 % |
| Sachsen | 2,3 % | 1,3 % |
Für Kinderlose ab 23 Jahren kommt überall ein Zuschlag von 0,6 Prozentpunkten auf den Arbeitnehmeranteil dazu. Eltern mit mehreren Kindern unter 25 zahlen weniger.
Ein Rechenbeispiel
Eine Beschäftigte in Leipzig verdient 3.500 Euro brutto im Monat. 0,5 Prozent davon sind 17,50 Euro. Im Jahr zahlt sie also rund 210 Euro mehr für die Pflegeversicherung als eine Kollegin mit gleichem Gehalt in Thüringen oder Bayern. Bei höheren Einkommen steigt der Betrag bis zur Beitragsbemessungsgrenze.
Ob sich das lohnt, ist Ansichtssache. Für 210 Euro im Jahr bekommt man einen zusätzlichen freien Tag. Viele Sachsen sehen darin einen fairen Preis, andere finden die Regelung ungerecht.
Der November: Monat der stillen Tage
Der Buß- und Bettag gehört zu einer ganzen Reihe ernster Gedenktage im November. Sie liegen bewusst am Ende des Kirchenjahres, wenn die Tage kurz und dunkel werden.
| Tag | Datum 2026 | Bedeutung |
|---|---|---|
| Allerheiligen | Sonntag, 1. November | Katholisches Gedenken an alle Heiligen; in fünf Bundesländern Feiertag |
| Volkstrauertag | Sonntag, 15. November | Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt |
| Buß- und Bettag | Mittwoch, 18. November | Evangelischer Tag der Besinnung und Umkehr |
| Totensonntag (Ewigkeitssonntag) | Sonntag, 22. November | Evangelisches Gedenken an die Verstorbenen |
| 1. Advent | Sonntag, 29. November | Beginn des neuen Kirchenjahres |
An einigen dieser Tage gelten in vielen Bundesländern besondere Ruheregeln, zum Beispiel Einschränkungen für laute Veranstaltungen und Tanzverbote. Die Regeln stehen in den Feiertagsgesetzen der Länder und unterscheiden sich stark.
Welche Feiertage hat Sachsen?
Mit dem Buß- und Bettag hat Sachsen einen Feiertag, den kein anderes Bundesland kennt. Insgesamt gelten in Sachsen diese gesetzlichen Feiertage:
- Neujahr (1. Januar)
- Karfreitag und Ostermontag
- Tag der Arbeit (1. Mai)
- Christi Himmelfahrt und Pfingstmontag
- Tag der Deutschen Einheit (3. Oktober)
- Reformationstag (31. Oktober)
- Buß- und Bettag
- 1. und 2. Weihnachtstag
Dazu kommt Fronleichnam in einigen katholisch geprägten Gemeinden der sorbischen Lausitz. Der Reformationstag ist in Sachsen schon lange Feiertag. Mehrere norddeutsche Länder haben ihn erst 2018 dazugenommen.
Was bedeutet „Buße“ heute?
Viele Menschen verbinden das Wort „Buße“ mit Strafe oder Bußgeld. Im kirchlichen Sinn meint es etwas anderes: das ehrliche Eingeständnis, Fehler gemacht zu haben, und den Willen, es besser zu machen. Das griechische Wort im Neuen Testament bedeutet wörtlich „Umdenken“.
Kirchen nutzen den Tag heute oft für Themen, die über den Einzelnen hinausgehen: Umgang mit der Umwelt, Gerechtigkeit, Frieden. Manche Gemeinden laden zu Gottesdiensten am Abend ein, damit auch Berufstätige außerhalb Sachsens teilnehmen können.
Warum haben Schüler in Bayern frei?
In Bayern ist der Buß- und Bettag kein gesetzlicher Feiertag. Die Schulen bleiben aber geschlossen. Das ist im bayerischen Schulrecht so geregelt. Für berufstätige Eltern ist das oft ein Problem, weil sie selbst arbeiten müssen. Viele Kommunen bieten an diesem Tag deshalb eine Notbetreuung an.
Welche Feiertage in welchem Bundesland gelten, zeigt unsere Übersicht der Feiertage in Deutschland.
Wie verbringen die Sachsen den Tag?
Für viele Menschen in Sachsen ist der Buß- und Bettag heute vor allem ein willkommener freier Tag mitten in der Woche. Manche besuchen einen Gottesdienst, viele nutzen ihn für Familie, Ausflüge oder Erledigungen.
Weil Geschäfte geschlossen sind, fahren manche Sachsen zum Einkaufen in die Nachbarländer Thüringen, Sachsen-Anhalt oder Brandenburg, wo normal geöffnet ist. Auch Tschechien und Polen sind für Grenzregionen ein beliebtes Ziel. Umgekehrt nutzen Familien aus Bayern den schulfreien Tag oft für ein verlängertes Wochenende mit einem Brückentag.
Wer aus einem anderen Bundesland in Sachsen arbeitet, sollte wissen: Entscheidend ist der Ort des Arbeitsplatzes, nicht der Wohnort. Wer in Dresden arbeitet und in Brandenburg wohnt, hat frei. Wer in Sachsen wohnt und in Thüringen arbeitet, muss arbeiten. Beim Pflegebeitrag gilt dagegen ebenfalls der Sitz des Beschäftigungsbetriebs.
Dürfen Arbeitnehmer außerhalb Sachsens freinehmen?
Einen allgemeinen Anspruch auf einen freien Tag gibt es nicht. Wer den Gottesdienst besuchen möchte, kann Urlaub nehmen oder mit dem Arbeitgeber eine Lösung finden. In einigen Ländern erlauben die Feiertagsgesetze, dass Beschäftigte für den Gottesdienstbesuch kurz freigestellt werden, allerdings meist ohne Lohnfortzahlung. Die genauen Regeln unterscheiden sich je nach Bundesland.
Sollte der Buß- und Bettag zurückkommen?
Die Debatte flammt regelmäßig auf. Die Argumente:
- Dafür: Deutschland hat weniger Feiertage als manche Nachbarländer, die Belastung im Beruf ist hoch, und der November hat außer dem Buß- und Bettag kaum freie Tage.
- Dagegen: Ein zusätzlicher Feiertag kostet die Wirtschaft nach Schätzungen von Arbeitgeberverbänden Milliarden, und die Pflegeversicherung steht ohnehin unter finanziellem Druck.
Warum Feiertage überhaupt so unterschiedlich verteilt sind, erklärt unser Beitrag Feiertage nach Bundesland: Warum so unterschiedlich?
Die nächsten Termine
| Jahr | Buß- und Bettag |
|---|---|
| 2026 | Mittwoch, 18. November |
| 2027 | Mittwoch, 17. November |
| 2028 | Mittwoch, 22. November |
Häufige Fragen zum Buß- und Bettag
Wann ist Buß- und Bettag 2026?
Am Mittwoch, dem 18. November 2026.
Wo ist der Buß- und Bettag ein Feiertag?
Nur in Sachsen. In Bayern sind die Schulen geschlossen, Arbeitnehmer müssen aber arbeiten.
Warum wurde der Buß- und Bettag abgeschafft?
1995 als Ausgleich für die Arbeitgeber, die sich an der neuen Pflegeversicherung beteiligen mussten.
Was zahlen Sachsen für den Feiertag?
Beschäftigte in Sachsen zahlen 0,5 Prozentpunkte mehr Pflegebeitrag als im übrigen Bundesgebiet, bei 3.500 Euro brutto rund 210 Euro im Jahr.
Ist der Buß- und Bettag ein katholischer Feiertag?
Nein, er ist evangelisch geprägt. Katholische Gemeinden kennen ähnliche Bußtage, aber nicht diesen festen Termin.
Fazit
Der Buß- und Bettag ist ein Beispiel dafür, wie eng Sozialpolitik und Feiertage zusammenhängen. 1995 verschwand er fast überall, um die Pflegeversicherung zu finanzieren. Nur Sachsen hielt an ihm fest und lässt seine Beschäftigten dafür einen höheren Beitrag zahlen.
Wer am 18. November 2026 in Sachsen lebt, hat frei. Alle anderen können den Tag nutzen, um zu verstehen, warum ein Feiertag manchmal eine Rechnung hat. Und wer über eine Rückkehr des Feiertags diskutiert, sollte immer auch die Frage beantworten, wer ihn am Ende bezahlt: die Arbeitgeber, die Beschäftigten oder die Pflegekasse.