Warum feiern wir Sankt Martin? Am 11. November erinnern wir an Martin von Tours, einen römischen Soldaten, der der Legende nach seinen Mantel mit einem frierenden Bettler teilte. Später wurde er Bischof und einer der beliebtesten Heiligen Europas. Der 11. November ist der Tag seiner Beerdigung im Jahr 397. Laternenumzug, Martinsfeuer und Martinsgans erinnern bis heute an ihn und an seine Botschaft: teilen und helfen.
Sankt Martin ist kein gesetzlicher Feiertag, aber in vielen Kindergärten, Schulen und Gemeinden einer der schönsten Termine im Herbst. 2026 fällt der Martinstag auf einen Mittwoch. Hier erfahren Sie, wer Martin war, woher die Bräuche kommen und warum die Gans eine Rolle spielt.

Wer war Sankt Martin?
Martin wurde um das Jahr 316 in Pannonien geboren, im Gebiet des heutigen Ungarn. Sein Vater war ein römischer Offizier. Martin wuchs in Norditalien auf und musste schon als Jugendlicher in die römische Armee eintreten.
| Lebensstation | Zeit |
|---|---|
| Geburt in Pannonien (heute Ungarn) | um 316 |
| Eintritt in die römische Armee | mit etwa 15 Jahren |
| Mantelteilung in Amiens (Legende) | als junger Soldat |
| Abschied vom Militär, Leben als Einsiedler bei Poitiers | Mitte des 4. Jahrhunderts |
| Bischof von Tours | ab etwa 372 |
| Tod | 8. November 397 |
| Beerdigung in Tours | 11. November 397 |
Martin lebte auch als Bischof sehr einfach. Er gründete Klöster, besuchte die Armen auf dem Land und galt als Mann, der sich um Kranke und Ausgestoßene kümmerte. Schon kurz nach seinem Tod wurde er als Heiliger verehrt. Er gehört zu den ersten Heiligen, die nicht als Märtyrer gestorben sind.
Die Legende von der Mantelteilung
Die bekannteste Geschichte über Sankt Martin spielt in Amiens im heutigen Nordfrankreich. An einem eiskalten Wintertag ritt der junge Soldat Martin durch das Stadttor. Dort saß ein Bettler, der kaum Kleidung trug und fror.
Martin hatte kein Geld bei sich. Also nahm er sein Schwert, teilte seinen Soldatenmantel in zwei Hälften und gab eine davon dem Bettler. In der folgenden Nacht soll ihm im Traum Jesus erschienen sein, bekleidet mit dem halben Mantel. Daraufhin ließ sich Martin taufen.
Warum nur den halben Mantel?
Diese Frage stellen Kinder jedes Jahr. Eine verbreitete Erklärung: Römische Soldaten bezahlten einen Teil ihrer Ausrüstung selbst, den anderen stellte die Armee. Martin gab also die Hälfte, die ihm gehörte. Ob das historisch stimmt, ist unsicher. Die Botschaft bleibt aber klar: Man muss nicht alles hergeben, um wirklich zu helfen.
Ob die Mantelteilung so passiert ist, lässt sich nicht beweisen, wie auch wissen.de betont. Sie ist aber zum Kern seiner Verehrung geworden.
Warum feiern wir Sankt Martin am 11. November?
Heilige werden meist an ihrem Todestag gefeiert. Bei Martin ist es anders: Er starb am 8. November 397, wurde aber am 11. November in Tours beigesetzt. Dieser Tag der Beerdigung wurde zu seinem Gedenktag.
Dazu kam die Bedeutung des Datums im Kalender. Im Mittelalter war der Martinstag ein wichtiger Stichtag:
- Das Bauernjahr endete, die Ernte war eingebracht.
- Knechte und Mägde erhielten ihren Lohn und konnten die Stelle wechseln.
- Pacht und Zinsen wurden fällig, oft in Naturalien wie Gänsen.
- Danach begann vielerorts eine Fastenzeit bis Weihnachten.
Weil am Martinstag gleichzeitig Lohn gezahlt und vor dem Fasten noch einmal gefeiert wurde, wurde er zu einem großen Volksfest. Diese Verbindung erklärt auch, warum am 11.11. heute zusätzlich der Karneval beginnt.
Woher kommt der Laternenumzug?
Der Laternenumzug ist heute der wichtigste Brauch zu Sankt Martin. Für ihn gibt es mehrere Erklärungen.
Die erste führt zurück zu Martins Beerdigung. Sein Leichnam soll auf der Loire von Candes nach Tours gebracht worden sein, begleitet von vielen Menschen mit Fackeln und Lichtern. Die Lichterumzüge erinnern an diesen Weg.
Die zweite Erklärung ist christlich-symbolisch. Das Licht steht für die Hoffnung und für das Gute, das Martin in die Welt gebracht hat, gerade in der dunklen Jahreszeit.
Die heutige Form mit Kindern, selbst gebastelten Laternen und Liedern entstand vor allem im 19. und 20. Jahrhundert im Rheinland. Oft reitet ein als Martin verkleideter Reiter auf einem Pferd voran. Am Ziel wird die Mantelteilung nachgespielt.
Bekannte Martinslieder
- „Ich geh mit meiner Laterne“
- „Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind“
- „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“
Warum isst man an Sankt Martin eine Gans?
Auch für die Martinsgans gibt es eine Legende. Als die Menschen in Tours Martin zum Bischof machen wollten, soll er sich aus Bescheidenheit in einem Gänsestall versteckt haben. Die Gänse schnatterten so laut, dass sie ihn verrieten. Seitdem landen die Gänse am Martinstag im Ofen.
Die nüchterne Erklärung ist eine andere. Im November waren die Gänse nach dem Sommer gut genährt. Sie mussten vor dem Winter ohnehin geschlachtet werden, weil das Futter knapp wurde. Außerdem wurden Pacht und Abgaben am Martinstag oft in Gänsen bezahlt. Und vor der Fastenzeit war ein festliches Essen willkommen.
Weitere Bräuche rund um Sankt Martin
| Brauch | Region | Was dahintersteckt |
|---|---|---|
| Martinsfeuer | Rheinland, Westfalen | Ein großes Feuer am Ende des Umzugs, Symbol für Licht und Wärme |
| Weckmann, Stutenkerl, Martinsbrezel | Rheinland, Westfalen, Süddeutschland | Gebäck, das an Martin oder an einen Bischof erinnert und geteilt wird |
| Martinssingen, „Schnörzen“ | Rheinland, Ostfriesland | Kinder ziehen von Haus zu Haus, singen und bekommen Süßigkeiten |
| Martinsgans | Fast überall | Festessen am oder um den 11. November |
Sankt Martin in evangelischen Regionen
Sankt Martin ist ein katholischer Heiliger. Trotzdem wird der Martinstag auch in vielen evangelischen Gegenden gefeiert. Das hat einen besonderen Grund: Martin Luther wurde am 10. November 1483 geboren und am nächsten Tag, dem Martinstag, getauft. Deshalb bekam er den Namen Martin.
In manchen Regionen, etwa in Thüringen und Sachsen-Anhalt, feiert man deshalb am 10. oder 11. November das „Martinsfest“ oder „Martinisingen“ zu Ehren beider Martins. Damit ist Sankt Martin einer der wenigen Bräuche, die Katholiken und Protestanten gemeinsam pflegen.
Der Martinstag in Europa
Martin ist nicht nur in Deutschland beliebt. Als einer der ersten volkstümlichen Heiligen Europas wird er in vielen Ländern verehrt, jeweils mit eigenen Bräuchen.
- Frankreich: Martin ist einer der Schutzpatrone des Landes. Tausende Orte und Kirchen tragen seinen Namen. Tours mit seiner Basilika ist bis heute ein Pilgerziel.
- Niederlande und Belgien: Zu „Sint-Maarten“ ziehen Kinder mit Laternen von Tür zu Tür, singen Lieder und bekommen Süßigkeiten, ganz ähnlich wie im Rheinland.
- Österreich: Das „Martinigansl“ ist ein fester Termin in vielen Gasthäusern. Im Burgenland ist Martin Landespatron, der 11. November ist dort ein Landesfeiertag für Schulen und Landesdienst.
- Ungarn: In Szombathely, dem antiken Savaria, wird Martins Geburtsort gefeiert.
- Großbritannien: „Martinmas“ war früher ein wichtiger Termin für Löhne und Pachten. Heute ist der Tag dort kaum noch bekannt.
Ein schönes Wort hat sich ebenfalls gehalten: Den oft milden, sonnigen Herbsttagen um den 11. November sagt man in einigen Regionen „Martinssommer“ nach.
Laterne basteln: Tipps für einen sicheren Umzug
Ein Umzug im Dunkeln mit vielen Kindern braucht etwas Vorbereitung. Feuerwehren und Kitas geben jedes Jahr ähnliche Hinweise:
- LED statt Kerze: Elektrische Laternenstäbe verhindern, dass Papierlaternen Feuer fangen.
- Helle Kleidung und Reflektoren: Viele Umzüge führen über Straßen. Reflektierende Westen oder Bänder helfen Autofahrern.
- Warm anziehen: Umzüge und Martinsfeuer dauern oft länger als gedacht.
- Treffpunkt ausmachen: In der Menge gehen kleine Kinder leicht verloren.
- Abstand zum Feuer: Beim Martinsfeuer sollten Kinder hinter der Absperrung bleiben.
Ist Sankt Martin ein Feiertag?
Nein. Der Martinstag ist in keinem Bundesland ein gesetzlicher Feiertag. Schulen und Geschäfte haben normal geöffnet. Die Umzüge finden deshalb meist am frühen Abend statt, oft an den Tagen rund um den 11. November.
Welche Tage in Ihrem Bundesland wirklich frei sind, zeigt unsere Übersicht der Feiertage in Deutschland. Warum die Regeln so unterschiedlich sind, erklärt der Beitrag Feiertage nach Bundesland.
Was können Kinder von Sankt Martin lernen?
Die Geschichte von Sankt Martin wird in Kitas und Grundschulen so gern erzählt, weil sie einfach und stark ist. Ein Mensch sieht jemanden in Not, hält an und teilt, was er hat. Er fragt nicht, wer der andere ist oder ob er die Hilfe verdient.
Viele Gemeinden verbinden den Martinstag deshalb mit Spendenaktionen für Obdachlose oder Tafeln. So wird aus einer alten Legende ein praktisches Beispiel für Hilfsbereitschaft heute.
Häufige Fragen zu Sankt Martin
Warum feiern wir Sankt Martin?
Wir erinnern an Martin von Tours, der der Legende nach seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Der 11. November ist der Tag seiner Beerdigung im Jahr 397.
Wann ist Sankt Martin 2026?
Am Mittwoch, dem 11. November 2026. Viele Umzüge finden auch an den Tagen davor oder danach statt.
Warum gibt es an Sankt Martin Laternen?
Die Lichter erinnern an den Trauerzug bei Martins Beerdigung und stehen für Hoffnung in der dunklen Jahreszeit.
Warum isst man eine Martinsgans?
Der Legende nach verrieten Gänse Martins Versteck. Praktisch waren die Gänse im November gut genährt, und Abgaben wurden oft in Gänsen bezahlt.
Ist der Martinstag ein Feiertag?
Nein, er ist in keinem Bundesland gesetzlich frei.
Fazit
Wir feiern Sankt Martin, weil seine Geschichte zeitlos ist: Ein Soldat teilt seinen Mantel mit einem Fremden. Dazu kommt die alte Bedeutung des 11. Novembers als Ende des Bauernjahres und letzter Festtag vor der Fastenzeit. Aus beidem sind Laternenumzug, Martinsfeuer und Martinsgans entstanden. Wer in diesem Jahr mit Kindern einen Umzug besucht, kann die Geschichte vom geteilten Mantel unterwegs erzählen. Sie ist über 1.600 Jahre alt und trotzdem leicht zu verstehen.
Am selben Tag beginnt um 11:11 Uhr übrigens auch der Karneval. Wie Ostern und andere bewegliche Feste berechnet werden, lesen Sie in unserem Artikel Warum ist Ostern an unterschiedlichen Tagen?