Warum wählen nicht alle Staaten bei den Midterms 2026 – und warum gibt es in den USA nur zwei Parteien?

Warum wählen nicht alle Staaten bei den Midterms? Als nach den US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 die interaktiven Wahlkarten für den US-Senat und die Gouverneurswahlen im deutschen Fernsehen und auf Nachrichtenportalen veröffentlicht wurden, wunderten sich Millionen Zuschauer über riesige graue Flächen: Ausgerechnet bevölkerungsreiche Schlüsselstaaten wie Kalifornien, New York, Pennsylvania, Indiana oder Washington zeigten beim Senat das Feld „Keine Wahl“ (No Election). Gleichzeitig fragten sich viele Beobachter mit Blick auf das rein rot-blaue Duell zwischen Republikanern und Demokraten: Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien?

Die kurze verfassungsrechtliche Antwort lautet: Beim US-Repräsentantenhaus haben am 3. November 2026 ausnahmslos alle 50 US-Bundesstaaten gewählt, da sämtliche 435 Abgeordnetensitze alle zwei Jahre komplett neu vergeben werden. Dass dennoch 15 Bundesstaaten auf der Senatskarte und 14 Staaten auf der Gouverneurskarte grau blieben, liegt am gestaffelten Sechs-Jahres-Rotationsprinzip des US-Senats (Class I, II und III) sowie an den Wahlgesetzen der einzelnen Bundesstaaten. Hier finden Sie die vollständige Erklärung beider Phänomene – inklusive der Übersicht aller Staaten ohne Senatswahl und warum das amerikanische Mehrheitswahlrecht dritte Parteien fast chancenlos macht.

🗳️ Kurzüberblick: Warum die US-Wahlkarte 2026 graue Staaten zeigt

  • Jeder US-Staat hat gewählt (Repräsentantenhaus): Kein einziger Bundesstaat hat die Midterms 2026 komplett ausgelassen. In allen 50 Staaten wurden sämtliche 435 Sitze des Repräsentantenhauses (Amtszeit: 2 Jahre) neu gewählt.
  • Warum wählen nicht alle Staaten bei den Midterms einen Senator? Jeder der 50 Staaten stellt exakt zwei Senatoren für sechs Jahre. Die 100 Senatoren sind laut US-Verfassung in drei Gruppen (Klasse I, Klasse II und Klasse III) eingeteilt, sodass alle zwei Jahre nur ein Drittel des Senats gewählt wird. 2026 war Klasse II (33 reguläre Sitze plus 2 Nachwahlen in Ohio und Florida) an der Reihe. Die übrigen 15 Staaten besitzen ausschließlich Senatoren der Klassen I und III (Wahljahre 2024/2030 und 2028) und hatten 2026 keine Senatswahl.
  • Warum wählte Kalifornien 2026 keinen US-Senator? Kaliforniens beide Senatssitze gehören zu Klasse III (Alex Padilla, gewählt bis 2029) und Klasse I (Adam Schiff, gewählt bis 2031). Kalifornier wählten 2026 daher nur einen neuen Gouverneur, 52 Kongressabgeordnete und über Volksabstimmungen.
  • Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien? Es existieren zwar dutzende kleinere Parteien (wie Libertäre und Grüne), doch das kompromisslose relative Mehrheitswahlrecht („The Winner Takes It All“ ohne 5-Prozent-Hürde oder Verhältnisausgleich) führt nach Duvergers Gesetz automatisch zu einem stabilen Zweiparteiensystem.

Warum wählen nicht alle Staaten bei den Midterms? Das 3-Ebenen-System erklärt

Wer in Suchmaschinen warum wählen nicht alle staaten bei den midterms eingibt, blickt fast immer auf die TV-Grafik der US-Senatswahlen oder der Gouverneurswahlen. Um das Rätsel der grauen Bundesstaaten zu lösen, muss man die drei großen Stimmzettel-Ebenen einer US-Zwischenwahl (Midterm Election) klar voneinander trennen:

  1. Das US-Repräsentantenhaus (Alle 50 Staaten wählen): Alle 435 Wahlkreise (Congressional Districts) in sämtlichen 50 Bundesstaaten wählen alle zwei Jahre neu. Selbst wenn ein Staat 2026 weder einen Senator noch einen Gouverneur wählte (wie Indiana, Missouri, North Dakota, Utah und Washington), gingen die Bürger dort trotzdem für ihre Abgeordneten im Repräsentantenhaus an die Urnen (warum genau diese Wahl über Donald Trumps restliche Amtszeit entscheidet, lesen Sie in unserer englischsprachigen Analyse zu den Midterms 2026).
  2. Der US-Senat (2026 wählten nur 34 von 50 Staaten): Da jeder Bundesstaat unabhängig von seiner Einwohnerzahl genau zwei Senatoren nach Washington entsendet und deren Amtszeit sechs Jahre beträgt, setzt jeder Staat rechnerisch alle sechs Jahre einmal bei den Senatswahlen aus.
  3. Die Gouverneure (2026 wählten nur 36 von 50 Staaten): Nur 36 Bundesstaaten legen ihre Gouverneurswahlen auf die Halbzeit der Präsidentschaft (Midterms). Neun Staaten wählen ihren Gouverneur parallel zur Präsidentschaftswahl (2024 und 2028), fünf Staaten sogar in ungeraden Jahren (2025 und 2027).

Das Rotationsprinzip des US-Senats: Klasse I, Klasse II und Klasse III

Der genaue historische Grund, warum wählen nicht alle staaten bei den midterms einen US-Senator, ist in Artikel I, Abschnitt 3 der Verfassung der Vereinigten Staaten aus dem Jahr 1787 verankert. Die Gründerväter der USA wollten verhindern, dass der gesamte Senat durch eine kurzfristige politische Stimmungswelle auf einen Schlag komplett ausgetauscht werden kann.

Deshalb wurden die 100 Senatssitze fest in drei zeitlich versetzte Klassen (Classes) aufgeteilt – mit einer wichtigen Grundregel: Die beiden Senatssitze desselben Bundesstaates dürfen niemals in derselben Klasse liegen.

  • Klasse I (33 Senatoren): Zuletzt gewählt im November 2024; nächste reguläre Wahl im Jahr 2030.
  • Klasse II (33 Senatoren): Regulär gewählt bei den Midterms am 3. November 2026; nächste Wahl im Jahr 2032.
  • Klasse III (34 Senatoren): Zuletzt gewählt im November 2022; nächste reguläre Wahl im Jahr 2028.

Weil jeder Staat nur zwei Sitze hat, besitzt jeder Bundesstaat eine Kombination aus zwei dieser drei Klassen (entweder Klasse I & II, Klasse II & III oder Klasse I & III). Genau jene 17 Bundesstaaten, deren beide Senatoren zu Klasse I und Klasse III gehören, haben im Jahr 2026 regulär keine Senatswahl.

Die Sonderfälle Ohio und Florida 2026: Eigentlich gehört auch Ohio zur Gruppe der Staaten ohne Wahl im Jahr 2026 (Klasse I und III). Da jedoch Ohios Klasse-III-Senator JD Vance im Januar 2025 zurücktrat, um US-Vizepräsident zu werden, fand am 3. November 2026 in Ohio eine außerplanmäßige Nachwahl (Special Election) statt. Dasselbe geschah in Florida für den Klasse-III-Sitz von Marco Rubio, nachdem dieser das Amt des US-Außenministers übernommen hatte (siehe auch unsere Analyse zur Grundsatzrede von Außenminister Marco Rubio).

Tabelle: Diese 15 US-Staaten hatten 2026 KEINE Senatswahl (inkl. Kalifornien)

Nach Abzug der Nachwahlen in Ohio und Florida blieben am 3. November 2026 exakt 15 US-Bundesstaaten komplett ohne Senatswahl. Besonders häufig wunderten sich Beobachter über Kalifornien (fast 39 Millionen Einwohner) und New York – doch beide Staaten hatten ihre Senatoren bereits 2022 und 2024 gewählt:

US-Bundesstaat (Ohne Senatswahl 2026)Senator der Klasse I (Gewählt bis 2031)Senator der Klasse III (Gewählt bis 2029)Fand 2026 eine Gouverneurswahl statt?
ArizonaRuben Gallego (D)Mark Kelly (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
Kalifornien (California)Adam Schiff (D)Alex Padilla (D)Ja (Nachfolge von Gavin Newsom)
ConnecticutChris Murphy (D)Richard Blumenthal (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
HawaiiMazie Hirono (D)Brian Schatz (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
IndianaJim Banks (R)Todd Young (R)Nein (Wahl nur in Präsidentenjahren)
MarylandAngela Alsobrooks (D)Chris Van Hollen (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
MissouriJosh Hawley (R)Eric Schmitt (R)Nein (Wahl nur in Präsidentenjahren)
NevadaJacky Rosen (D)Catherine Cortez Masto (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
New YorkKirsten Gillibrand (D)Chuck Schumer (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
North DakotaKevin Cramer (R)John Hoeven (R)Nein (Wahl nur in Präsidentenjahren)
PennsylvaniaDave McCormick (R)John Fetterman (D)Ja (Gouverneurswahl 2026)
UtahJohn Curtis (R)Mike Lee (R)Nein (Wahl nur in Präsidentenjahren)
VermontBernie Sanders (Unabh.)Peter Welch (D)Ja (Wählt Gouverneur alle 2 Jahre)
WashingtonMaria Cantwell (D)Patty Murray (D)Nein (Wahl nur in Präsidentenjahren)
WisconsinTammy Baldwin (D)Ron Johnson (R)Ja (Gouverneurswahl 2026)

Besonderheit bei fünf Staaten: Wer sich auf der Tabelle Indiana, Missouri, North Dakota, Utah und Washington ansieht, erkennt sofort den Grund für die Frage warum wählen nicht alle staaten bei den midterms: Diese fünf Staaten hatten 2026 weder eine Senatswahl noch eine Gouverneurswahl, weil sie ihre Gouverneure immer parallel zur US-Präsidentschaftswahl (zuletzt 2024, nächstes Mal 2028) bestimmen.

Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien? (Der Unterschied zu Deutschland erklärt)

Eng verbunden mit dem Blick auf die rot-blauen Wahlkarten der Midterms ist die zweite große Frage, die in Deutschland aktuell stark gesucht wird: Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien? Während im Deutschen Bundestag oder bei Landtagswahlen (wie zuletzt bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus) regelmäßig fünf bis sieben Parteien vertreten sind und Koalitionen bilden müssen, teilen sich in den USA seit über 160 Jahren ausschließlich die Demokraten (Blau) und die Republikaner (Rot) die Macht.

Tatsächlich sind in den USA dutzende weitere Parteien offiziell registriert – darunter die Libertarian Party, die Green Party (Grüne) und die Constitution Party. Dass diese im US-Kongress jedoch fast nie einen einzigen Sitz gewinnen, liegt an vier eisernen Systemregeln:

1. „The Winner Takes It All“ (Relatives Mehrheitswahlrecht statt Verhältniswahl)

In Deutschland gilt ein personalisiertes Verhältniswahlrecht: Wenn eine Partei bundesweit 12 Prozent der Zweitstimmen erhält, bekommt sie auch rund 12 Prozent der Sitze im Parlament. In den USA hingegen gibt es keine Zweitstimme und keine Landeslisten. In jedem der 435 Wahlkreise des Repräsentantenhauses und bei jeder Senatswahl gilt das reine Mehrheitswahlrecht (First-Past-The-Post): Nur derjenige Kandidat, der in seinem Wahlkreis die meisten Stimmen holt (und sei es nur mit 38 % zu 37 %), gewinnt das Mandat. Alle Stimmen für den Zweit- oder Drittplatzierten verfallen komplett.

2. Duvergers Gesetz und die Angst vor dem „Spoiler-Effekt“

In der Politikwissenschaft beschreibt das berühmte Duvergersche Gesetz (nach dem französischen Soziologen Maurice Duverger), dass ein Wahlsystem mit einfachen Wahlkreis-Mehrheiten zwangsläufig zu einem Zweiparteiensystem führt. Wähler wissen genau: Wer in einem knappen US-Bundesstaat für einen grünen oder libertären Drittkandidaten stimmt, „verschenkt“ nicht nur seine Stimme, sondern schwächt damit das eigene politische Lager (der sogenannte Spoiler-Effekt, durch den am Ende der Kandidat der ungeliebten Gegenseite gewinnt).

3. Offene Vorwahlen (Primaries): Flügelkämpfe finden IN den zwei Großparteien statt

In Europa gründen unzufriedene politische Strömungen meist eine eigene Partei. In den USA hingegen sind Demokraten und Republikaner keine straff geführten Mitgliederparteien wie CDU oder SPD, sondern offene Wahlplattformen. Über die gesetzlich geregelten Vorwahlen (Primaries) kann jeder Außenseiter versuchen, die Kandidatur einer der beiden Großparteien zu erobern:

  • So trat der demokratische Sozialist Bernie Sanders bei Präsidentschaftsvorwahlen einfach innerhalb der Demokratischen Partei an, während der linke Flügel um Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) innerhalb der Demokraten koaliert.
  • Umgekehrt übernahm Donald Trumps MAGA-Bewegung ab 2016 über die Vorwahlen die Republikanische Partei von innen heraus, statt eine dritte Partei zu gründen. Was in Deutschland eine Koalitionsregierung nach der Wahl ist, findet in den USA bereits vor der Wahl als Bündnis verschiedenster Flügel unter dem Dach einer der beiden Großparteien statt.

4. Milliardenkosten und hohe Hürden für den Wahlzettel (Ballot Access Laws)

Hinzu kommt eine massive finanzielle und bürokratische Hürde: Während Demokraten und Republikaner in allen 50 Bundesstaaten automatisch auf dem Stimmzettel stehen, müssen dritte Parteien vor jeder Wahl in jedem einzelnen Bundesstaat zehntausende beglaubigte Unterschriften sammeln, um überhaupt auf dem Stimmzettel (Ballot) zugelassen zu werden – in einem Wahlkampf, der bei den Midterms 2026 insgesamt mehrere Milliarden US-Dollar an TV- und Online-Werbung verschlingt, wie auch Analysen der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) zeigen.

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Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Warum wählen nicht alle Staaten bei den Midterms in den USA?

Bei der Wahl zum US-Repräsentantenhaus (alle 435 Sitze) wählen tatsächlich alle 50 US-Bundesstaaten. Auf den Karten für den US-Senat bleiben jedoch 15 Staaten (darunter Kalifornien, New York und Pennsylvania) grau, weil die 100 Senatoren für sechs Jahre gewählt werden und in drei zeitlich versetzte Gruppen (Klasse I, II und III) aufgeteilt sind. Alle zwei Jahre wird nur ein Drittel des Senats neu gewählt.

Warum gibt es in den USA nur zwei Parteien im Kongress?

In den USA gilt das relative Mehrheitswahlrecht („The Winner Takes It All“) ohne Verhältnisausgleich oder Zweitstimme: Nur wer einen Wahlkreis direkt gewinnt, zieht ins Parlament ein. Dadurch sind Wähler gezwungen, sich zwischen den beiden großen Lagern (Demokraten und Republikaner) zu entscheiden, da Stimmen für kleinere Drittparteien komplett verfallen.

Welche US-Bundesstaaten hatten 2026 weder eine Senats- noch eine Gouverneurswahl?

Fünf US-Bundesstaaten – Indiana, Missouri, North Dakota, Utah und Washington – hatten am 3. November 2026 weder eine Senatswahl noch eine Gouverneurswahl, da ihre Senatoren den Klassen I und III angehören und ihre Gouverneure immer parallel zur US-Präsidentschaftswahl (2024 und 2028) gewählt werden.

Wann tritt der neu gewählte US-Kongress nach den Midterms 2026 zusammen?

Gemäß dem 20. Zusatzartikel der US-Verfassung tritt der neu gewählte 120. Kongress der Vereinigten Staaten offiziell am 3. Januar 2027 um 12:00 Uhr mittags in Washington, D.C. zusammen.

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