Tabaksteuer 2027: Warum sie jedes Jahr weiter steigt

Last Updated on 3 Stunden ago by TodayWhy Editorial

Rauchen wird in Deutschland spürbar teurer – und zwar nicht in einem großen Schritt, sondern jedes Jahr aufs Neue. Die Bundesregierung hat eine Erhöhung der Tabaksteuer auf den Weg gebracht, die ab dem 1. Januar 2027 greift und bis 2030 fortlaufend weitergeht.

Warum steigt die Tabaksteuer gerade jetzt so stark, und warum wurde der ursprüngliche Plan innerhalb weniger Tage noch einmal verschärft?

Was genau hat die Bundesregierung beschlossen?

Das Kabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der die Tabaksteuer ab 2027 jährlich anhebt – nicht nur einmalig, sondern in mehreren Stufen bis 2030. Betroffen sind nicht nur Zigaretten, sondern auch Feinschnitt, Pfeifentabak, Zigarren, Zigarillos und E-Zigaretten-Liquids.

Nach den ursprünglichen Kabinettszahlen soll eine Packung mit 20 Zigaretten, die heute rund acht Euro kostet, bis 2030 auf über elf Euro steigen. Der Steuersatz pro Zigarette klettert dabei von 12,28 Cent im Jahr 2026 auf 17,41 Cent im Jahr 2030. Auch bei Liquids für E-Zigaretten steigt die Steuer jedes Jahr um einen Cent pro Milliliter, von aktuell 32 Cent auf 36 Cent im Jahr 2030.

Warum wurde der Plan dann noch einmal verschärft?

Nur wenige Tage nach dem Kabinettsbeschluss wurde bekannt, dass die Erhöhung noch deutlicher ausfallen soll als zunächst geplant. Einer sogenannten Formulierungshilfe des Bundesfinanzministeriums für die Koalitionsfraktionen zufolge soll die Tabaksteuer bis 2030 nicht nur moderat, sondern um insgesamt rund 54,8 Prozent steigen. Der Packungspreis würde damit schrittweise auf 9,10 Euro (2027), 9,91 Euro (2028), 10,81 Euro (2029) und schließlich 11,78 Euro (2030) klettern.

Auslöser für die nachträgliche Verschärfung ist laut Berichten eine neue Lücke im Bundeshaushalt: Die gesetzlichen Krankenkassen erhalten mehr Steuermittel als ursprünglich eingeplant, was den Finanzierungsbedarf des Bundes erhöht hat.

Warum ausgerechnet Tabak – und wie viel bringt das dem Staat?

Bundesfinanzminister Lars Klingbeil hat die Stoßrichtung beim Kabinettsbeschluss auf eine kurze Formel gebracht: „Ungesund wird teurer.“ Neben der Tabaksteuer werden auch die Steuern auf Alkohol und Schaumwein angehoben, außerdem kommt eine neue Plastiksteuer, und für 2027 wird zusätzlich eine Zuckersteuer auf bestimmte Lebensmittel diskutiert.

Für die Staatskasse ist die Tabaksteuer vor allem eines: eine verlässliche Einnahmequelle. Nach den ursprünglichen Kabinettszahlen sollen die höheren Sätze 2027 rund 756 Millionen Euro zusätzlich einbringen, bis 2030 steigt dieser Betrag auf geschätzte 3,589 Milliarden Euro pro Jahr. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums begründete das offen mit der Haushaltslage: Eine der zentralen Aufgaben der Bundesregierung sei es, den Haushalt zu konsolidieren und die Einnahmenseite zu stärken.

Offiziell dient die Erhöhung daneben auch dem Gesundheitsschutz. Das Finanzministerium verweist darauf, dass die Maßnahme im Einklang mit dem Ziel stehe, die Raucherquote von Jugendlichen und Erwachsenen zu senken.

Was bedeutet das konkret für Raucher und Dampfer?

Wer täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, zahlt allein durch die geplante Erhöhung auf über elf Euro pro Packung schnell mehrere hundert Euro mehr im Jahr. Auch Vielraucher von Feinschnitt oder Nutzer von E-Zigaretten-Liquids spüren die stufenweisen Aufschläge, da die Steuer jedes Jahr automatisch weitersteigt, ohne dass der Bundestag jedes Mal neu abstimmen muss.

Wichtig zur Einordnung: Der Gesetzentwurf ist noch nicht endgültig verabschiedet. Termine und exakte Höhe der Erhöhung stehen damit formal noch unter dem Vorbehalt der parlamentarischen Beratung – der politische Wille zur Anhebung gilt in Berlin aber als klar erkennbar.

Warum das mehr ist als nur eine Randnotiz

Die Tabaksteuer ist Teil eines größeren Musters im Bundeshaushalt 2027: Wo immer neue Finanzierungslücken auftauchen, greift die Bundesregierung zu Verbrauchsteuern auf Dinge, die als ungesund oder verzichtbar gelten – ähnlich wie bei den zuletzt gestiegenen Spritpreisen nach außenpolitischen Schocks. Für Verbraucher bedeutet das: Wer auf steigende Lebenshaltungskosten reagieren will, kommt an solchen gezielten Verbrauchsteuern kaum vorbei.

Fazit

Die Tabaksteuer steigt ab 2027 nicht nur einmal, sondern automatisch Jahr für Jahr bis 2030 – und der ursprüngliche Plan wurde binnen weniger Tage bereits nachträglich verschärft. Hinter der Erhöhung steckt weniger reine Gesundheitspolitik als eine Bundesregierung, die dringend neue Einnahmen braucht, um ein wachsendes Haushaltsloch zu stopfen.

Schreibe einen Kommentar