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Mit dem Anpfiff der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko erleben Fans das größte Turnier der 96-jährigen WM-Geschichte: 48 Teams, 104 Spiele, 16 Austragungsorte und ein völlig neues Sechzehntelfinale. Doch warum hat die FIFA die Weltmeisterschaft überhaupt von 32 auf 48 Mannschaften vergrößert? Die Antwort verbindet das Ideal globaler Inklusion, prognostizierte Mehreinnahmen von 4 Milliarden US-Dollar und jahrzehntelangen politischen Druck im Weltfußball. Hier ist die ganze Geschichte.
Die kurze Antwort
Die WM 2026 hat 48 Teams, weil der FIFA-Rat im Januar 2017 einstimmig für die Erweiterung von 32 Mannschaften stimmte – mit dem erklärten Ziel, das größte Fußballturnier der Welt „inklusiver“ zu machen, vor allem für die historisch unterrepräsentierten Regionen Afrika und Asien. Hinter der Inklusions-Erzählung stehen zwei härtere Kräfte: die FIFA-eigene Prognose von rund 4 Milliarden US-Dollar Mehreinnahmen durch mehr Spiele, TV-Rechte und Sponsoring – und die politische Realität, dass mehr WM-Startplätze mehr Unterstützung unter den 211 FIFA-Mitgliedsverbänden sichern.
Die Entscheidung: Die einstimmige FIFA-Abstimmung 2017
Die Erweiterung wurde am 10. Januar 2017 formell beschlossen, als der FIFA-Rat am Sitz des Verbands in Zürich einstimmig für eine WM mit 48 Teams ab der Ausgabe 2026 votierte. Der Entscheidung ging eine Analyse von vier verschiedenen Format-Optionen voraus – und sie fiel weniger als ein Jahr, nachdem Gianni Infantino FIFA-Präsident geworden war. Die Erweiterung war ein zentrales Versprechen seines Wahlkampfs.
Der damals beschlossene Entwurf sah anders aus als das Turnier, das die Fans 2026 erleben: 48 Teams in 16 Dreiergruppen mit 80 Spielen, einer Turnierdauer von 32 Tagen und maximal sieben Partien für die Finalisten – Zugeständnisse an die mächtigen europäischen Klubs, die um ihre Abstellungsperioden fürchteten. Das Format änderte sich später grundlegend (mehr dazu unten), doch die Kernzahl stand fest: 48.
Die ursprüngliche Mitteilung der FIFA ist auf der offiziellen Verbandsseite nachzulesen: FIFA Council unanimously decides on expansion of the FIFA World Cup (englisch).
Der offizielle Grund: Eine „inklusivere“ WM
Die offizielle Begründung der FIFA ist seit 2016 dieselbe: Die WM soll den globalen Fußball abbilden, nicht nur seine traditionellen Großmächte. Infantino bezeichnete die Erweiterung als Schritt zu einem „inklusiveren“ Turnier und betonte, Fußball sei mehr als nur Europa und Südamerika – so berichtete die BBC zur Abstimmung (englisch).
Arsène Wenger, seit 2019 FIFA-Direktor für globale Fußballentwicklung, ist zum prominentesten Fürsprecher der Erweiterung geworden. In Interviews vor dem Turnier 2026 argumentierte Wenger, die FIFA habe die WM „für die Welt öffnen“ müssen – 48 Teams seien das Minimum, um mehr afrikanischen und asiatischen Ländern den Zugang zur größten Bühne des Sports zu ermöglichen. Er verwies zudem darauf, wie die an die WM-Teilnahme gekoppelten Entwicklungsgelder kleinere Verbände verändert haben.
Das Inklusionsargument hat Substanz: Mit 48 Teilnehmern ist nun fast ein Viertel der 211 FIFA-Mitgliedsverbände bei der Endrunde vertreten. Die Ausgabe 2026 hat Debütanten, die sich im alten Format nie hätten qualifizieren können – darunter Curaçao, die kleinste Nation, die je eine WM erreicht hat.
Der finanzielle Grund: 4 Milliarden Dollar Mehreinnahmen
Inklusion ist die offizielle Geschichte – Geld die strukturelle. Die FIFA-eigenen Prognosen bezifferten die zusätzlichen Einnahmen des 48-Team-Formats auf rund 4 Milliarden US-Dollar gegenüber dem 32-Team-Modell. Die Rechnung ist simpel: 104 statt 64 Spiele bedeuten 40 zusätzliche TV-Übertragungsfenster, mehr Ticketkontingente, mehr Hospitality-Pakete und mehr Sponsoren-Aktivierungen – verteilt auf drei Länder und 16 Austragungsorte.
Für die FIFA, die ihre weltweiten Entwicklungsprogramme fast vollständig aus den WM-Zyklen finanziert, vergrößert die Erweiterung faktisch ihren einzigen großen Einnahmemotor. Kritiker merken an, dass diese Finanzlogik – nicht der sportliche Wert – am besten erklärt, warum die Erweiterung trotz breiter Skepsis von Trainern, Spielergewerkschaften und europäischen Ligen einstimmig beschlossen wurde.
So funktioniert das Format mit 48 Teams
Gruppenphase: Zwölf Vierergruppen
Die 48 Teams werden in zwölf Vierergruppen aufgeteilt. Jedes Team bestreitet drei Gruppenspiele nach dem üblichen Punktesystem: drei Punkte für einen Sieg, einer für ein Unentschieden. Der vertraute Rhythmus der Vierergruppen – inklusive zeitgleicher letzter Gruppenspiele gegen Absprachen – bleibt erhalten.
Das neue Sechzehntelfinale
Die beiden Gruppenbesten (24 Teams) kommen weiter, dazu die acht besten Gruppendritten – das ergibt eine K.-o.-Runde mit 32 Mannschaften. Das Sechzehntelfinale ist eine komplett neue Runde in der WM-Geschichte. Danach folgen Achtelfinale, Viertelfinale, Halbfinale und Finale.
Mehr Spiele, längerer Weg zum Titel
Die WM 2026 umfasst 104 Spiele statt bisher 64. Die beiden Finalisten bestreiten jeweils acht statt sieben Partien – der längste Weg zum Titel in der Geschichte des Turniers.
Warum die FIFA die Dreiergruppen verworfen hat
Die Abstimmung von 2017 sah 16 Dreiergruppen vor – ein Format, das sofort in der Kritik stand. In Dreiergruppen pausiert an jedem Spieltag ein Team, die letzten Gruppenspiele können nicht zeitgleich stattfinden, und zwei Mannschaften könnten im letzten Spiel theoretisch ein für beide günstiges Ergebnis aushandeln, um das abwesende dritte Team auszuschalten. Über dem Entwurf schwebte das Gespenst der „Schande von Gijón“ 1982, als die BRD und Österreich ein Ergebnis verwalteten, das Algerien eliminierte.
Der Wendepunkt kam bei der WM 2022 in Katar: Die Dramatik der zeitgleichen letzten Gruppenspiele – Deutschlands Ausscheiden trotz Siegs gegen Costa Rica, Japans Gruppensieg vor Spanien und Deutschland – führte allen vor Augen, was das Vierergruppen-Format leistet. Im März 2023 verwarf der FIFA-Rat den Dreiergruppen-Plan offiziell und beschloss zwölf Vierergruppen – und nahm dafür den Sprung von 80 auf 104 Spiele in Kauf.
Wer am meisten profitiert: Die neuen Startplätze
Die Erweiterung verteilte die Qualifikationsplätze stark zugunsten Afrikas und Asiens um – jener Wählerschaften, um deren Unterstützung Infantino geworben hatte. Die Verteilung der 46 Direktplätze, 2017 vom FIFA-Büro vereinbart:
| Konföderation | Altes Format (32 Teams) | Format 2026 (48 Teams) | Veränderung |
|---|---|---|---|
| UEFA (Europa) | 13 | 16 | +3 |
| CAF (Afrika) | 5 | 9 | +4 |
| AFC (Asien) | 4,5 | 8 | +3,5 |
| CONCACAF (Nord-/Mittelamerika) | 3,5 | 6 | +2,5 |
| CONMEBOL (Südamerika) | 4,5 | 6 | +1,5 |
| OFC (Ozeanien) | 0,5 | 1 | +0,5 |
Die letzten beiden der 48 Plätze werden über ein interkontinentales Play-off-Turnier mit sechs Teams vergeben. Gastgeber qualifizieren sich automatisch, ihre Plätze werden auf die Quote ihrer Konföderation angerechnet – so kamen die USA, Kanada und Mexiko ins Teilnehmerfeld 2026.
Bemerkenswert: Mit sechs garantierten Plätzen für Südamerika qualifiziert sich bei nur zehn CONMEBOL-Mitgliedern künftig mehr als die Hälfte des Kontinents – eine der von Kritikern am häufigsten zitierten Zahlen.
Die Kritik: Verwässerung, Belastung, Politik
Sportliche Verwässerung
Der häufigste Einwand ist sportlicher Natur: Mehr Teams bedeuten mehr ungleiche Duelle und mehr Gruppenspiele ohne echten Einsatz. Die Analyse von Al Jazeera zum Format weist darauf hin, dass die Erweiterung die Wettbewerbsdynamik der Gruppenphase verändern könnte – ein Team könnte theoretisch alle drei Spiele unentschieden spielen und trotzdem als einer der besten Gruppendritten weiterkommen. Die vollständige Analyse: Al Jazeera: What to expect from the 48-team format (englisch).
Spielerbelastung
Europäische Klubs und Spielergewerkschaften warnen seit Jahren vor dem überfüllten Kalender. Ein Finalist bestreitet nun acht Partien am Ende einer Saison, die bereits über 60 Klubspiele, erweiterte Europapokal-Wettbewerbe und die vergrößerte Klub-WM umfassen kann.
Politische und kommerzielle Motive
Skeptiker argumentieren, die Erweiterung sei mindestens so sehr FIFA-Politik wie Fußball: Mehr Startplätze belohnen mehr Mitgliedsverbände, die wiederum bei FIFA-Präsidentschaftswahlen abstimmen – während die zusätzlichen Spiele Inventar für Sponsoren und TV-Sender schaffen. Befürworter halten dagegen, dass K.-o.-Fußball schon immer von David-gegen-Goliath-Geschichten gelebt hat – und dass dieselben Verwässerungsargumente bereits vor der Erweiterung auf 32 Teams im Jahr 1998 vorgebracht wurden, die heute in bester Erinnerung ist.
Ein Jahrhundert Wachstum: Von 13 auf 48 Teams
Erweiterung ist die älteste Tradition der WM. Das erste Turnier 1930 in Uruguay zählte nur 13 Teams. Das Feld wuchs auf 16, dann 1982 in Spanien auf 24 und 1998 in Frankreich auf 32 – ein Format, das sieben Ausgaben hielt und weithin als sportlicher Idealzustand gilt. Der Sprung auf 48 im Jahr 2026 ist die größte einzelne Erweiterung der Turniergeschichte. Wenger nennt sie eine „natürliche Evolution“ auf dem Weg zum 100-jährigen WM-Jubiläum 2030.
Ob 48 der neue Idealzustand wird oder nur eine Zwischenstation – Vorschläge für eine Jubiläums-WM 2030 mit 64 Teams kursieren bereits –, wird maßgeblich davon abhängen, wie die kommenden fünf Wochen in Nordamerika verlaufen.
Häufig gestellte Fragen
Wann hat die FIFA die Erweiterung auf 48 Teams beschlossen?
Der FIFA-Rat stimmte am 10. Januar 2017 in Zürich einstimmig für die Erweiterung von 32 auf 48 Teams – gültig ab der WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko.
Wie viele Spiele gibt es bei der WM 2026?
104 Spiele – zuvor waren es im 32-Team-Format 64. Die Finalisten bestreiten jeweils acht Partien, eine mehr als bisher.
Wie funktioniert das Format mit 48 Teams?
Zwölf Vierergruppen. Die beiden Gruppenbesten und die acht besten Gruppendritten erreichen das neue Sechzehntelfinale, danach folgen die klassischen K.-o.-Runden.
Warum hat die FIFA die ursprünglichen Dreiergruppen verworfen?
In Dreiergruppen können die letzten Gruppenspiele nicht zeitgleich stattfinden, was Absprachen ermöglicht. Nach den dramatischen Parallelspielen bei der WM 2022 in Katar entschied sich die FIFA im März 2023 für zwölf Vierergruppen.
Welche Konföderationen haben die meisten Plätze gewonnen?
Afrika erhielt vier zusätzliche Direktplätze (von fünf auf neun), Asien 3,5 (von 4,5 auf acht). Europa hält 16 Plätze, CONCACAF und Südamerika je sechs, Ozeanien bekam erstmals einen festen Platz.
Wie viel Mehreinnahmen bringt die WM mit 48 Teams?
Die FIFA prognostizierte rund 4 Milliarden US-Dollar zusätzliche Einnahmen gegenüber dem 32-Team-Format – getrieben durch 40 zusätzliche Spiele und das damit verbundene TV- und Sponsoring-Inventar.