Gunther von Hagens: Wer ist er wirklich? Kontroversen und die dunkle Verbindung nach China

Last Updated on 2 Tagen ago by TodayWhy Editorial

Gunther von Hagens — Erfinder der Plastination und Gründer von KÖRPERWELTEN. Biografie, das Plastinationsverfahren, öffentliche Sektionen, Schädeleinschüsse und die ungeklärte China-Verbindung.


1. Gunther von Hagens — Wer ist er?

Gunther von Hagens (geboren am 10. Januar 1945) ist ein deutscher Anatom, der 1977 das Verfahren der Plastination erfand — eine Methode zur Konservierung von menschlichen Leichen und biologischem Gewebe, bei der alles Wasser und Fett in den Zellen durch festes Kunstharz ersetzt wird.

Er ist der Gründer der Ausstellung KÖRPERWELTEN (englisch: Body Worlds) — einer Wanderausstellung, die echte plastinierte menschliche Körper in lebensechten Posen zeigt. Bis 2025 haben weltweit über 57 Millionen Menschen in mehr als 170 Städten in 42 Ländern die Ausstellung besucht, was sie zu einer der meistbesuchten Wanderausstellungen der Geschichte macht. ¹

Doch Gunther von Hagens ist nicht nur Wissenschaftler. Er ist auch eine der umstrittensten Figuren der modernen Wissenschaft — ein Mann, den Boulevardblätter „Dr. Death“ (Dr. Tod) nennen, der trotz britischer Gesetze öffentliche Leichensektionen durchführte, wegen zweifelhafter Körperherkunft in Verdacht geriet, und der wünscht, seine Ehefrau möge seinen eigenen Leichnam nach seinem Tod plastinieren.

Auf einen Blick:

  • Geburtsname: Gunther Gerhard Liebchen
  • Geboren: 10. Januar 1945 in Alt-Skalden, Polen (damals deutsches Gebiet)
  • Abschluss: Doktor der Medizin, Universität Heidelberg (1975)
  • Erfindung: Plastinationsverfahren (1977)
  • Bekannteste Ausstellung: KÖRPERWELTEN / Body Worlds (seit 1995)
  • Ehefrau: Dr. Angelina Whalley, Kuratorin von Body Worlds
  • Erkrankung: Parkinson-Krankheit (diagnostiziert im fortgeschrittenen Alter)

2. Von Ostdeutschland nach Heidelberg

Kindheit und die Krankheit, die alles prägte

Gunther von Hagens wurde in einer jüdischen Familie in Polen geboren. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg floh die Familie aus der sowjetisch besetzten Zone und ließ sich in Greiz, Ostdeutschland, nieder. Dort wuchs er unter dem kommunistischen Regime auf.

Eine Besonderheit: Er litt seit der Kindheit an Hämophilie (Bluterkrankheit). Diese Erkrankung zwang ihn nach einem kleinen Unfall monatelang ins Krankenhaus — doch gerade diese Monate weckten in ihm die Leidenschaft für Medizin und Wissenschaft. ²

Verhaftet beim Versuch, die DDR zu verlassen

1965 begann er sein Medizinstudium an der Universität Jena. Sein Leben nahm eine entscheidende Wendung, als er an politischen Widerstandsaktivitäten teilnahm und nach einem gescheiterten Fluchtversuch in den Westen verhaftet wurde.

Er blieb inhaftiert, bis Westdeutschland sein Freikaufen bezahlte — eine geheime Praxis des Kalten Krieges. Nach seiner Freilassung setzte er das Studium in Lübeck fort und promovierte 1975 an der Universität Heidelberg. ²

Der Nachname als Hochzeitsgeschenk

Ein wenig bekanntes Detail: Der Nachname „von Hagens“ ist nicht sein Geburtsname. Bei seiner ersten Heirat tauschte er seinen Geburtsnamen „Liebchen“ gegen den Nachnamen seiner Frau — „von Hagens“ — ein Name, der ihn bis heute begleitet.


3. Der Schlüsselmoment von 1977

Eine Idee, die aus einer Schale heraus entstand

1977, während seiner Tätigkeit am Institut für Anatomie und Zellbiologie der Universität Heidelberg, betrachtete von Hagens eine Sammlung von Gewebeproben, die in transparente Kunststoffblöcke eingebettet waren — die damals übliche Konservierungsmethode.

Er fragte sich: „Warum das Polymer nicht direkt in die Zellen des Gewebes pumpen, anstatt es von außen zu umhüllen?“

Wenn dies gelänge, würde das Präparat von innen heraus fest werden, ließe sich ohne Handschuhe anfassen, behielte seine natürliche Form — und bräuchte kein übelriechendes, giftiges Formalin. ³

Sechs Jahre Experimente, ein Patent, das alles veränderte

Er verbrachte die folgenden sechs Jahre damit, die Technik zu perfektionieren. Das erste Patent wurde 1978 angemeldet, weitere folgten bis 1982.

Parallel zur Forschung gründete er 1978 die Firma Biodur Products, um Plastinationschemikalien und -geräte an andere Forscher zu vertreiben. 1993 gründete er offiziell das Institut für Plastination (IfP) in Heidelberg. ⁴


4. Wie Funktioniert Plastination? Die 5 Schritte im Detail

Der gesamte Prozess zur Plastination eines vollständigen menschlichen Körpers dauert über ein Jahr und umfasst fünf Schlüsselschritte.

Schritt 1 — Fixierung

Unmittelbar nach dem Tod (idealerweise innerhalb von 2–10 Tagen) wird Formalin direkt in das Arteriensystem gepumpt, um bakteriellen Verfall zu stoppen. Dann wird der Körper sorgfältig präpariert, um die anatomischen Strukturen freizulegen. ⁵

Schritt 2 — Entwässerung

Der Leichnam wird in ein Aceton-Bad bei niedriger Temperatur (unter 0°C) getaucht. Das Aceton zieht schrittweise das gesamte Wasser aus den Zellen heraus. Bei Raumtemperatur löst es anschließend auch die fettlöslichen Substanzen im Gewebe heraus.

Dieser gesamte Entwässerungs- und Entfettungsprozess dauert etwa 3–4 Monate.

Schritt 3 — Erzwungene Imprägnierung

Dies ist der kreativste und einzigartigste Schritt — das Herzstück von von Hagens‘ Erfindung.

Der acetongetränkte Leichnam wird in eine Vakuumkammer mit flüssigem Polymer gelegt — meist Silikonkautschuk, Polyesterharz oder Epoxidharz. Eine Pumpe saugt Luft ab, was dazu führt, dass das Aceton in den Zellen zu verdampfen beginnt. Überall dort, wo Aceton entweicht, wird das flüssige Polymer von außen hineingezogen und füllt jeden Hohlraum — bis hinunter zur kleinsten Zelle. ⁵

Ergebnis: Das Polymer ersetzt vollständig das Wasser und Fett in jeder einzelnen Zelle.

Schritt 4 — Positionierung

Nachdem das Polymer das gesamte Gewebe durchdrungen, aber noch nicht ausgehärtet hat, ist dies die einzige Gelegenheit für den Anatomen, den Leichnam zu formen. Mit Nadeln, Klemmen, Drähten und Stützen wird der Körper in die gewünschte Pose gebracht — laufend, Schach spielend, sich selbst sezierend oder in jeder anderen Pose.

Schritt 5 — Aushärtung

Schließlich wird der Leichnam in einer geschlossenen Kammer einem Spezialgas (bei Silikon) oder Licht und Wärme (bei Polyester und Epoxid) ausgesetzt, damit das Polymer dauerhaft aushärtet.

Das fertige Plastinat ist geruchlos, verrottet nicht, kann ohne Handschuhe angefasst werden und behält seine Form für Jahrzehnte.

Vergleich mit traditionellen Konservierungsmethoden:

PlastinationÄgyptische MumifizierungFormalin-Einlagerung
GeruchKeinerVorhandenStark giftig
Mit bloßen Händen anfassbar✅ Ja❌ Nein❌ Nein
Flexible Positionierung✅ Hoch❌ Gering❌ Gering
HaltbarkeitJahrzehnteJahrtausendeVon Chemikalien abhängig
ZweckBildung/AusstellungReligiösMedizinische Forschung

5. KÖRPERWELTEN: Vom Labor zum Weltphänomen

1988 — Der Reinigungskraft-Moment

1988 arbeitete von Hagens spät im Labor und beobachtete, wie ein Reinigungsmann fasziniert und staunend auf plastinierte Präparate starrte. In diesem Moment erkannte er: Anatomisches Wissen gehört nicht nur Medizinern. Öffentliches Interesse war größer als er gedacht hatte. ²

1995 — Tokyo: Die Welt schaut hin

1995 feierte Body Worlds Weltpremiere in Tokio, Japan — in einem Land, in dem 200 Jahre lang die öffentliche Ausstellung von Leichen verboten war. Über 450.000 Menschen kamen. ¹

Als von Hagens und seine Frau — Dr. Angelina Whalley, die später zur Hauptkuratorin der Ausstellung wurde — die langen Menschenschlangen vor dem Eingang sahen, erkannten sie: Dies war kein akademisches Projekt mehr.

Drei Jahrzehnte globaler Expansion

Bis 2025 hat KÖRPERWELTEN:

  • Über 170 Städte in 42 Ländern besucht
  • Über 57 Millionen Besucher empfangen
  • Ständige Ausstellungen in Berlin, Amsterdam, Heidelberg und London etabliert
  • Den Sohn Rurik von Hagens als CEO von Von Hagens Plastination eingesetzt ¹

6. Der Schwarze Hut und der Beiname „Dr. Death“

Warum trägt er immer einen schwarzen Hut?

Eines der ersten Dinge, die Menschen an Gunther von Hagens auffallen, ist der breite schwarze Filzhut, den er bei jeder Gelegenheit trägt — auch bei Sektionen und anatomischen Demonstrationen.

Er erklärt, dies sei kein Markenzeichen. Er verweist auf Rembrandts Gemälde „Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“ (1632), in dem der Anatom einen Hut trägt — als Symbol der Unabhängigkeit von gesellschaftlichen Konventionen seiner Zeit. Im 17. Jahrhundert trugen Anatomen beim Sezieren Hüte, um zu signalisieren, dass die Wissenschaft das Recht hat, religiöse und gesellschaftliche Normen zu überwinden.

Von Hagens setzt diese Tradition fort — zumindest nach seiner eigenen Interpretation.

„Dr. Death“ — ein Beiname, den er nicht ablehnt

Die britische und deutsche Presse gaben ihm den Beinamen „Dr. Death“ (Dr. Tod). Er leugnet oder ärgert sich selten über diesen Beinamen — er versteht, dass ein ungewöhnliches Image Medienwert hat, und Medien bedeuten Besucher für seine Ausstellung.

Von Hagens in der Plastinationsanlage für menschliche Körper.
Von Hagens in der Plastinationsanlage für menschliche Körper.

7. Die Großen Kontroversen

7.1 Öffentliche Sektion in London (2002): Gesetzliche Grenzen ausgetestet

Am 20. November 2002 führte von Hagens in einer ehemaligen Brauerei in der Brick Lane, London, die erste öffentliche Leichenöffnung in Großbritannien seit über 170 Jahren durch — vor rund 500 Zuschauern, während hunderte weitere draußen warteten.

Zuvor hatte der königliche Anatomierektor schriftlich gewarnt: Dies könnte gegen das Anatomy Act von 1984 verstoßen und eine Straftat darstellen. Die Metropolitanpolizei war vor Ort — griff aber nicht ein.

Als ein Zuschauer von ihm verlangte, den Hut abzunehmen, um dem Verstorbenen Respekt zu erweisen, zeigte er auf das Rembrandt-Gemälde an der Wand und machte weiter.

Die Sendung auf Channel 4 erhielt über 130 Beschwerden — ein Rekord beim britischen Rundfunkregulator OFCOM zu der Zeit. Nach der Untersuchung wurde festgestellt: kein Verstoß gegen Rundfunkvorschriften. ⁶

7.2 Der Kirgisistan-Skandal (2003): Leichen aus Gefängnissen?

2003 untersuchte das kirgisische Parlament Vorwürfe, dass von Hagens Hunderte von Leichen aus Gefängnissen, Krankenhäusern und psychiatrischen Einrichtungen des Landes entgegengenommen habe.

Laut einem BBC-Bericht wurde die Untersuchung eingeleitet, nachdem Berichte aufgetaucht waren, dass von Hagens über seinen Kirgisistan-Kanal Leichen erhalten hatte, deren Herkunft fragwürdig war. Eine Verurteilung erfolgte nicht — doch der Verdacht blieb bestehen. ⁷

7.3 Der Nowosibirsk-Skandal (2001–2002): 56 Körper dubiöser Herkunft

2001 hielt der deutsche Zoll eine Lieferung aus der Medizinischen Akademie Nowosibirsk (Russland) an ein Labor in Heidelberg an. Die Lieferung enthielt 56 Leichen und Hunderte Gehirnproben.

Die Ermittlungen ergaben, dass diese Körper auf einen russischen Kriminellen zurückgingen — Vladimir Novosylov — der später wegen des illegalen Handels mit Leichen von Obdachlosen, Gefangenen und armen Krankenhauspatienten verurteilt wurde. Angehörige mancher dieser Menschen wurde mitgeteilt, ihre Verstorbenen seien eingeäschert worden — während die Körper in Wirklichkeit verkauft worden waren. ⁸

Von Hagens wurde in diesem Fall nicht angeklagt. Er bestand darauf, nichts von der illegalen Herkunft gewusst zu haben, und betonte, dass keiner dieser Körper in KÖRPERWELTEN ausgestellt worden sei — sie seien nur im Auftrag für den russischen Partner plastiniert worden.

7.4 Der Einwilligungsproblem: Haben die Spender wirklich verstanden, was sie signierten?

Ein Bioethiker der Boston University formulierte die Kernfrage: „Kann es eine echte Einwilligung geben, wenn die Körperspender die Ausstellung nie gesehen haben?“ ⁹

Viele Spender meldeten sich an, weil sie zur Wissenschaft beitragen wollten — aber haben sie sich vorgestellt, ihr Körper werde beim Schachspielen, beim Laufen oder gar in einer Sexualpose (wie in einer Version von 2009) ausgestellt? Das ist die Grenze zwischen informierter Einwilligung und vager Zustimmung.

7.5 Das Projekt „Futurehuman“ (2003): Lebende Spender für die Show?

2003 schlug das Produktionsunternehmen Mentorn ein Dokumentationsprojekt namens Futurehuman vor, bei dem von Hagens anatomische Veränderungen an Leichen vornehmen sollte, um mögliche Evolutionspfade des menschlichen Körpers zu veranschaulichen. Das Kontroverse: Das Projekt suchte öffentlich nach einer todkranken Person, die ihren Körper unmittelbar vor dem Tod spenden würde.

Eine Welle des Widerstands aus Medizinethik und Presse zwang das Projekt zur Einstellung. Das Ereignis zeigte: Die Grenze zwischen Wissenschaft und Show ist in von Hagens‘ Welt mitunter sehr dünn.

Von Hagens wurde häufig dafür kritisiert, plastinierte Körper in lächerlichen Posen zu inszenieren und nackte Frauen für die Werbung für seine Ausstellungen zu engagieren.
Von Hagens wurde häufig dafür kritisiert, plastinierte Körper in lächerlichen Posen zu inszenieren und nackte Frauen für die Werbung für seine Ausstellungen zu engagieren.

8. Die China-Verbindung: Dalian, Schädeleinschüsse und das „Mörderdreieck“

Dies ist das dunkelste und komplexeste Kapitel in der Geschichte von Gunther von Hagens — und das, worüber am wenigsten offen gesprochen wird.

8.1 Warum China? Die eigene Erklärung

Im August 1999 eröffnete von Hagens sein erstes Plastinationslabor in Dalian, China. 1996 war er bereits als Gastprofessor an der Medizinischen Universität Dalian tätig und hatte dort ein Plastinationszentrum aufgebaut. ¹⁰

Sein ehemaliger Schüler Sui Hongjin gab 2003 gegenüber dem Magazin Oriental Outlook zu Protokoll: „Von Hagens wollte China zu seiner Produktionsstätte machen, weil Löhne und Rohstoffkosten dort günstiger sind.“ — mit „Rohstoffen“ meinte er Leichen. ¹⁰

Von Hagens selbst räumte gegenüber Journalisten ein, er habe Dalian nicht nur wegen der günstigen Arbeitskräfte gewählt, sondern auch wegen des einfachen Zugangs zu Körpern und der Unterstützung durch lokale Behörden.

8.2 Das Problem: China fehlte an freiwilligen Spendern

Eine bezeichnende Ironie: Noch 1999 beklagte von Hagens, er leide unter einem Körpermangel — chinesische Menschen seien traditionell nicht bereit, ihren Körper zu spenden. Das wirft eine ernste Frage auf: Woher kamen dann die Körper, die sein Dalian-Labor verarbeitete? ¹⁰

8.3 Der Spiegel, Januar 2004: Einschusslöcher im Schädel

Im Januar 2004 veröffentlichte das deutsche Nachrichtenmagazin Der Spiegel eine Enthüllung auf Basis interner E-Mails und Dokumente: Mehrere der über 600 Körper, die im Lager von von Hagens in Dalian lagerten, wiesen Anzeichen auf, von hingerichteten Gefangenen zu stammen.

Von Hagens‘ Reaktion war aufschlussreich: Statt nur zu leugnen, überprüfte er seinen gesamten Bestand und entdeckte sieben Körper mit Kopfverletzungen — darunter mindestens zwei mit Einschusslöchern im Schädel, die mit der chinesischen Hinrichtungsmethode (Schuss in den Hinterkopf oder Schläfe) übereinstimmen.

Er gab diese sieben Körper nach China zurück und ordnete die Vernichtung aller Plastinate an, die Hinrichtungsbeweise zeigten.

In einer im Guardian zitierten Erklärung sagte von Hagens: „Ich kann nicht beweisen, dass die Körper keine hingerichteten Gefangenen waren, aber ich glaube, dass sie es nicht waren.“ ¹¹ — eine Aussage, die implizit einräumt, dass er das Gegenteil ebenfalls nicht beweisen konnte.

Von Hagens klagte anschließend gegen Der Spiegel und gewann in Teilen. Doch das Ereignis der sieben zurückgesandten Körper ist unstrittig geblieben.

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8.4 Das „Mörderdreieck“: Von Hagens, Sui Hongjin und die KP China

Die Quellen aus TriThucVN beschreiben, wie sich in Dalian ein System herausbildete, das als „Mörderdreieck“ bezeichnet wird:

Ecke 1 — Von Hagens: Gründete das erste Plastinationslabor in Dalian (1999). Genoss Unterstützung lokaler Behörden, einfachen Körperzugang und niedrige Kosten.

Ecke 2 — Sui Hongjin: Von Hagens‘ ehemaliger Student und Laborleiter in Dalian. Nachdem von Hagens 2004 das Labor schloss, gründete Sui Hongjin heimlich seine eigene Plastinationsfabrik — Dalian Hoffen Bio-Technique — und versorgt seitdem Bodies: The Exhibition, den direkten Konkurrenten von KÖRPERWELTEN. Ein Whistleblower zeigte ABC News 2008 Fotos von frisch hingerichteten Gefangenen in Gassen, die er auf Anweisung abholen sollte — für Suis Fabrik. ¹²

Ecke 3 — Behördliche Unterstützung: Sui Hongjin bestätigte selbst, dass ein Teil der „Körper“ von der Polizei (Öffentliche Sicherheitsbehörde) stammte. Ein Funktionär des Büros 610 — eine außergesetzliche Geheimtruppe zur Unterdrückung von Falun Gong — aus Tianjin soll bestätigt haben, dass Organe und Körper von Falun-Gong-Praktizierenden stammten. ¹³

8.5 Foetus aus der Polizeidatenbank?

Ein besonders erschreckendes Detail, das in Berichten der WOIPFG (Weltorganisation zur Untersuchung der Verfolgung von Falun Gong) auftaucht: In der Körperdatenbank des IfP-Labors soll ein 9 Monate alter Fötus als aus dem Bestand des „Öffentlichen Sicherheitsbüros“ (Polizei) stammend vermerkt worden sein — in einem Jahr, in dem der Fötus laut den Unterlagen noch lebend war. ¹³

Einschränkung: Diese Vorwürfe stammen von einer Organisation mit direktem Interesse an der Aufdeckung chinesischer Menschenrechtsverletzungen. Eine unabhängige Gerichtsbestätigung speziell gegen KÖRPERWELTEN liegt für diese Punkte nicht vor.

8.6 Von Hagens zieht sich zurück — aber warum?

2004 schloss von Hagens das Dalian-Labor und beendete die Zusammenarbeit mit Sui Hongjin. Seine offizielle Begründung: ethische Bedenken über die Körperherkunft in China.

Dies schafft eine Paradoxie: Wenn er aus ethischen Gründen zurückzog, erkennt er damit implizit an, dass in der Phase davor — also zwischen 1999 und 2004 — die ethischen Standards nicht vollständig gewährleistet waren.


9. Alter und Vermächtnis: Wenn Dr. Death dem Tod Gegenübersteht

Die Parkinson-Diagnose

Gunther von Hagens wurde mit der Parkinson-Krankheit diagnostiziert — einer fortschreitenden neurodegenerativen Erkrankung ohne Heilung. Der Mann, der sein Leben dem Studium des Todes gewidmet hat, steht nun selbst dem eigenen Tod gegenüber.

Charakteristisch für von Hagens: Er begegnet seiner Erkrankung mit demselben Geist, den er auf alles anwendet — ohne Verheimlichung, ohne Kapitulation. Er hält ein strenges Trainingsprogramm aufrecht und erprobt neue Therapien in dem Bemühen, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen.

Der letzte Wunsch: Teil seiner eigenen Ausstellung werden

Von Hagens hat öffentlich erklärt, dass seine Frau Dr. Angelina Whalley seinen Leichnam nach seinem Tod plastinieren und das Plastinat am Eingang der KÖRPERWELTEN-Ausstellung aufstellen soll — so dass er „die Besucher noch nach seinem Tod empfangen“ kann.

Dr. Whalley war zunächst schockiert und lehnte ab. Mit der Zeit sagte sie, sie verstehe, dass dies für ihn die vollständige Vollendung seines Lebenswerks darstellt — eine Art Liebe auf seine eigene Weise. ¹⁴

Sein wissenschaftliches Erbe

Trotz aller Kontroversen ist das wissenschaftliche Erbe von Gunther von Hagens unbestreitbar:

  • Das Plastinationsverfahren wird heute in Hunderten von Medizinschulen und Forschungsinstituten weltweit für die Ausbildung eingesetzt ¹⁵
  • Über 57 Millionen Menschen haben anatomisches Wissen erworben, das früher ausschließlich akademischen Kreisen vorbehalten war
  • KÖRPERWELTEN hat zur embryologischen Forschung beigetragen durch Exponate von Föten und Schwangerschaftsverläufen
  • Sein Sohn Rurik von Hagens führt als CEO von Von Hagens Plastination das Lebenswerk fort

10. Häufig Gestellte Fragen (FAQ)

Lebt Gunther von Hagens noch?

Stand 2025 lebt er noch — er ist 80 Jahre alt. Er kämpft gegen Parkinson, bleibt aber in Forschungsprojekte der Plastination eingebunden.

Ist Plastination legal?

Plastination ist ein rechtmäßiges Verfahren, das weltweit in der medizinischen Ausbildung eingesetzt wird. Die Rechtmäßigkeit hängt von der Herkunft der Körper und der Einwilligung der Spender ab.

Woher kommen die Körper in KÖRPERWELTEN?

Laut von Hagens stammen alle erwachsenen Ganzkörper-Plastinate aus dem freiwilligen Körperspendeprogramm des IfP. Eine unabhängige Vollprüfung jedes einzelnen Exponats hat jedoch nie stattgefunden. Für die Zeit vor 2004, als das Dalian-Labor noch aktiv war, bleiben Fragen offen.

Was unterscheidet KÖRPERWELTEN von Bodies: The Exhibition?

Es sind zwei völlig verschiedene Ausstellungen unter verschiedener Leitung. KÖRPERWELTEN beruft sich auf freiwillige Spender; Bodies: The Exhibition nutzte nach eigener Aussage „nicht beanspruchte“ chinesische Körper — eine Kategorie, die hingerichtete Gefangene einschließen kann. (Detaillierter Vergleich in Artikel 5 dieser Serie.)

Ist es wahr, dass von Hagens selbst plastiniert werden möchte?

Ja. Er hat dies öffentlich erklärt und gebeten, am Eingang der KÖRPERWELTEN-Ausstellung aufgestellt zu werden.

Warum trägt von Hagens immer einen schwarzen Hut?

Er verweist auf das Rembrandt-Gemälde „Die Anatomie des Dr. Nicolaes Tulp“ (1632), in dem der Anatom einen Hut als Symbol der Unabhängigkeit von gesellschaftlichen und religiösen Konventionen trägt. Von Hagens setzt diese Tradition bewusst fort.


11. Quellenverzeichnis

#Zitierte AussageQuelle & Link
¹57 Millionen Besucher, 170 Städte, 42 Länder; Tokyo-Premiere 1995, 450.000 Besucher; Sohn Rurik als CEOTaboo Education — Plastination Exhibitions Explained (2026) · https://www.tabooeducation.com/plastination-exhibitions-explained-body-worlds-ethics-and-human-rights
²Biografie: Geburtsname Liebchen, Hämophilie, Verhaftung DDR, Freikauf, NamensänderungLemelson-MIT Program — Gunther von Hagens · https://lemelson.mit.edu/resources/gunther-von-hagens — Notable Biographies · https://www.notablebiographies.com/supp/Supplement-Fl-Ka/Von-Hagens-Gunther.html
Biodur Products 1978; Institut für Plastination 1993Anatomic Excellence — Body Donation · https://anatomicexcellence.com/about-plastination/body-donation/
Die 5 Plastinationsschritte; Vakuumkammer; 3–4 Monate EntwässerungPlastinarium Guben — Technique · https://www.plastinarium.de/en/plastination-guben/technique-of-plastination/ — ASU Embryo Project · https://embryo.asu.edu/pages/body-worlds
Öffentliche Sektion London 2002: 500 Zuschauer, 130 OFCOM-Beschwerden, kein VerstoßJournal of Plastination (2025) · https://journal.plastination.org/articles/gunther-von-hagens-a-life-beyond-limits-an-80th-birthday-tribute/
Kirgisistan 2003: Parlamentsuntersuchung wegen Leichen aus GefängnissenBBC News — Von Hagens investigation · http://news.bbc.co.uk/2/hi/asia-pacific/3242327.stm
Nowosibirsk 2001–2002: 56 Körper + Gehirnproben; Novosylov verurteilt; Angehörige falsch informiertThe Guardian — Russia Arts · https://www.theguardian.com/world/2002/oct/17/russia.arts — The Independent · https://www.independent.co.uk/news/world/europe/professor-body-and-the-curious-case-of-siberias-lost-corpses-85793.html
Bioethiker (Boston University) zur Frage der informierten EinwilligungBoston University — Body Worlds: Study or Spectacle? · https://www.bu.edu/articles/2006/body-worlds-study-or-spectacle
¹⁰Dalian-Labor August 1999; Gastprofessur 1996; Sui-Hongjin-Zitat „Rohstoffkosten“; von Hagens über Körpermangel in ChinaTriThucVN — Nguồn gốc thi thể nhựa hóa: Tam giác giết người · https://trithucvn2.net/trung-quoc/nguon-goc-thi-the-nhua-hoa-tam-giac-giet-nguoi.html
¹¹Der Spiegel Jan. 2004; 7 Körper mit Schädeleinschüssen; von-Hagens-Zitat „kann nicht beweisen“Films for Freedom · https://www.filmsforfreedom.com/body-exhibits/ — Wikipedia Body Worlds · https://en.wikipedia.org/wiki/Body_Worlds
¹²Sui Hongjin gründet eigene Fabrik 2002/2004; Dalian Hoffen Bio-Technique; ABC-20/20-Whistleblower 2008Films for Freedom · https://www.filmsforfreedom.com/body-exhibits/ — EagleVisionTimes · https://eaglevisiontimes.com/china/worldwide-controversy-follows-exhibition-of-corpses/
¹⁴Parkinson-Diagnose; letzter Wunsch plastiniert zu werden; Dr. Whalley ReaktionTimes of Israel — Body Worlds creator asks to become part of exhibit · https://www.timesofisrael.com/body-worlds-creator-asks-to-become-part-of-exhibit-after-death/ — Journal of Plastination (2025)
¹⁵Plastination in Hunderten Medizinschulen weltweitAnatomic Excellence — The Plastination Process · https://anatomicexcellence.com/about-plastination/plastination-process/

📌 Weitere Artikel in dieser Serie:

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