Warum liegt die AfD in Sachsen-Anhalt so hoch in Umfragen?

Last Updated on 2 Stunden ago by TodayWhy Editorial

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September 2026 steht die AfD in aktuellen Umfragen bei bis zu 43 Prozent – mehr als doppelt so viel wie die CDU auf Platz zwei. Warum liegt die AfD in Sachsen-Anhalt gerade so hoch in den Umfragen, und welche Themen und Versprechen ziehen die Wählerinnen und Wähler konkret an?

Wie hoch steht die AfD aktuell wirklich in den Umfragen?

Mehrere Institute bestätigen den Trend unabhängig voneinander, wie t-online berichtet. Die Forschungsgruppe Wahlen sah die AfD Ende August bei 40 Prozent, Infratest dimap bei 42 Prozent, Civey und pollytix sogar bei 43 Prozent – jeweils weit vor der CDU von Ministerpräsident Sven Schulze, die zwischen 21 und 23 Prozent liegt. Zum Vergleich: Bei der letzten Landtagswahl 2021 kam die AfD auf 20,8 Prozent. Der Vorsprung hat sich damit binnen fünf Jahren mehr als verdoppelt.

Auffällig ist zudem, wie viele Wählerinnen und Wähler noch unentschlossen sind: Bei der jüngsten Politbarometer-Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen gaben 31 Prozent der Befragten an, noch nicht sicher zu wissen, wen oder ob sie überhaupt wählen wollen – ein Potenzial, um das in den letzten Tagen vor der Wahl noch intensiv geworben wird.

Trotz der hohen Werte würde es laut Forschungsgruppe Wahlen für eine absolute Mehrheit im Magdeburger Landtag knapp nicht reichen, weil auch andere Parteien Sitze gewinnen dürften. Der Trend beschränkt sich zudem nicht auf Sachsen-Anhalt: Auch in Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Brandenburg lag die Partei zuletzt in Umfragen deutlich vor der CDU.

Warum profitiert die AfD gerade jetzt so stark?

Politikwissenschaftler Benjamin Höhne führt gegenüber der WirtschaftsWoche einen zentralen Grund an: die wahrgenommene Schwäche der Konkurrenz. Die Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz habe zentrale Versprechen bislang nicht einlösen können, obwohl sie angetreten war, geschlossener und wirksamer zu regieren als ihre Vorgängerkoalition. Diese Enttäuschung über die etablierten Parteien in Berlin strahlt nach Einschätzung von Beobachtern direkt auf die Landesebene aus.

Hinzu kommen laut Nachrichtenagentur dpa handfeste, lokale Gründe: Unzufriedenheit in Dörfern und Kleinstädten, die sich abgehängt fühlen – ohne Arzt vor Ort, ohne Geschäfte, mit schwindender Infrastruktur. Dazu kommt Unmut über Themen wie Migration und, wie es in Städten auch in Nordrhein-Westfalen beklagt wird, wahrgenommene Verwahrlosung im öffentlichen Raum. Diese Mischung aus wirtschaftlicher Abstiegsangst und dem Gefühl, von der Politik in Berlin und Magdeburg nicht mehr gehört zu werden, prägt besonders den ländlichen Osten Deutschlands.

Welche konkreten Themen und Versprechen zieht die AfD-Wählerschaft an?

Das gut 150 Seiten starke Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt wurde im April 2026 auf einem Parteitag in Magdeburg mit nur einer Gegenstimme unter 226 Delegierten verabschiedet. Beim für die Partei zentralen Thema Migration fordert das Programm unter anderem, das Grundrecht auf Asyl auf Landesebene faktisch abzuschaffen und die Kapazitäten für Abschiebehaft massiv auszuweiten. Daneben finden sich außenpolitische Forderungen wie ein Ende der Russland-Sanktionen und eine Wiederinbetriebnahme der Nord-Stream-Pipelines – Positionen, die rechtlich auf Landesebene kaum umsetzbar wären, aber programmatisch Symbolkraft besitzen und offenbar bei einem Teil der Wählerschaft auf Zustimmung stoßen.

Wirtschaftspolitisch positioniert sich die Partei als Anwältin des „kleinen Mannes“ und des Mittelstands, mit Forderungen nach niedrigeren Abgaben und einem Bürokratieabbau, der insbesondere Handwerksbetriebe entlasten soll. Ökonomen äußern an diesen Versprechen allerdings Zweifel: Mehrere Wirtschaftsforscher warnten im Vorfeld der Wahlen im Osten, die Steuersenkungs- und Ausgabenpläne der AfD ließen sich mit den vorhandenen Landeshaushalten kaum vereinbaren und könnten eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe aufreißen. Bei der Wählerschaft scheinen solche Warnungen bislang jedoch wenig Wirkung zu zeigen.

Warum wirkt der Spitzenkandidat so erfolgreich?

Ein wesentlicher Faktor ist der 35-jährige Spitzenkandidat Ulrich Siegmund, Wirtschaftspsychologe und seit 2016 im Landtag. Sein Auftreten setzt bewusst auf Nahbarkeit: Er sucht die Nähe zu Handwerkern und Arbeitern, betont Tugenden wie Fleiß und Leistungsbereitschaft und positioniert sich als Ministerpräsident „aller Sachsen-Anhalter“. Bei Wahlkampfauftritten wie kürzlich in Salzwedel bilden sich lange Schlangen für Selfies mit ihm – Politikwissenschaftler sprechen bereits von „Wohlfühl-Gemeinschaften“, die seine Auftritte prägen.

Diese freundliche, zugängliche Kommunikation steht in einem auffälligen Kontrast zum Wahlprogramm selbst, das in Teilen deutlich radikaler formuliert ist. Analysten beschreiben dies als bewusste doppelte Ansprache: Während das Programm die parteiinterne Kernanhängerschaft bedient, richtet sich Siegmunds persönlicher Auftritt an ein breiteres Publikum, das sich vor allem eine Rückkehr zu geordneten Verhältnissen wünscht, ohne sich intensiv mit den Details des Programms zu befassen.

Welche Rolle spielt die Einstufung durch den Verfassungsschutz?

Der Landesverband Sachsen-Anhalt der AfD wurde 2023 vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft. Bemerkenswert ist, dass diese Einstufung für einen erheblichen Teil der Wählerschaft laut Berichterstattung offenbar keine große Rolle für die Wahlentscheidung spielt – ein Befund, der zeigt, wie stark andere Faktoren wie wirtschaftliche Sorgen und das Gefühl mangelnder politischer Repräsentation das Wahlverhalten inzwischen prägen.

Wie reagieren die anderen Parteien auf den Umfragetrend?

CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze positioniert sich in seinem eigenen Wahlkampf explizit als Gegenpol zur AfD. Kritiker warnen jedoch, dass ein reiner Zweikampf zwischen CDU und AfD kleineren Parteien schaden könnte: Sollten SPD, Grüne oder Linke an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern, würde dies rein rechnerisch die Chancen der AfD auf eine Mehrheit der Sitze im Landtag erhöhen, selbst ohne eigene Stimmengewinne.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch liegt die AfD aktuell in Umfragen zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?

Je nach Institut zwischen 40 und 43 Prozent, deutlich vor der CDU mit 21 bis 23 Prozent (Stand Ende August 2026).

Wann ist die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt?

Am 6. September 2026.

Warum ist die AfD in Sachsen-Anhalt gerade so beliebt?

Beobachter nennen mehrere Gründe: Enttäuschung über die Bundesregierung, lokale Unzufriedenheit über schwindende Infrastruktur in ländlichen Regionen, Sorgen rund um Migration, sowie die als nahbar wahrgenommene Kampagne des Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund.

Was fordert die AfD in ihrem Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt?

Zentral ist eine deutliche Verschärfung der Migrationspolitik, darunter die faktische Abschaffung des Grundrechts auf Asyl auf Landesebene und mehr Abschiebehaftplätze, daneben wirtschaftspolitische Entlastungsversprechen für den Mittelstand.

Wer ist der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt?

Ulrich Siegmund, 35 Jahre alt, Wirtschaftspsychologe und seit 2016 Mitglied des Landtags.

Reicht die Umfrage der AfD für eine absolute Mehrheit?

Nach aktuellem Stand knapp nicht, da auch andere Parteien voraussichtlich Sitze im Landtag gewinnen werden.

Warum sind so viele Wähler in Sachsen-Anhalt noch unentschlossen?

Bei der jüngsten Politbarometer-Umfrage gaben 31 Prozent der Befragten an, ihre Wahlentscheidung noch nicht getroffen zu haben – ein ungewöhnlich hoher Anteil kurz vor einer Landtagswahl, der zeigt, wie offen das Rennen um viele Sitze im Detail noch ist.

Warum kritisieren Ökonomen die Wirtschaftspläne der AfD?

Mehrere Wirtschaftsforscher warnen, dass die von der Partei versprochenen Steuersenkungen und Mehrausgaben mit dem Landeshaushalt kaum zu vereinbaren seien und eine Finanzierungslücke in Milliardenhöhe entstehen könnte.

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