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Am Dienstag, den 8. September 2026, veröffentlichte die OECD die Ergebnisse der neunten PISA-Erhebung — und für Deutschland ist die Nachricht eindeutig schlecht. In allen drei getesteten Bereichen erzielten die 15-Jährigen die niedrigsten Werte seit Beginn der Studie im Jahr 2000. Nicht nur schlechter als 2022, sondern schlechter als beim allerersten Test vor 25 Jahren, der damals als „PISA-Schock“ eine jahrelange Reformdebatte auslöste.
Warum schneidet Deutschland in der PISA-Studie 2025 so schlecht ab wie nie zuvor in der 25-jährigen Geschichte der Erhebung? Die Antwort liegt nicht in einem einzelnen Ereignis, sondern in einer Kombination aus drei Faktoren: einer Reformbewegung, die nach anfänglichem Erfolg ins Stocken geriet, einem sozialen Gefälle, das in kaum einem anderen Industrieland so stark ausgeprägt ist, und einem Nachwirken der Pandemie, das sich als hartnäckiger erweist, als viele gehofft hatten.
Was die PISA-Studie 2025 konkret zeigt
An der neunten PISA-Runde nahmen mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern teil, aus Deutschland rund 6.700 Jugendliche von etwa 250 Schulen. Getestet wurden die Kompetenzbereiche Naturwissenschaften, Lesen und Mathematik, ergänzt um einen neuen Themenblock zum Lernen in der digitalen Welt.
Die deutschen Ergebnisse im Detail: In den Naturwissenschaften erreichten die Jugendlichen im Schnitt 486 Punkte, im Lesen 465 Punkte und in Mathematik 464 Punkte. Zum Vergleich: 2022 lagen die Werte noch bei 492 (Naturwissenschaften), 480 (Lesen) und 475 (Mathematik). Besonders bemerkenswert: Selbst die Ergebnisse der allerersten PISA-Studie im Jahr 2000, die 483 Lesepunkte maß und damals einen bundesweiten Aufschrei auslöste, werden 2025 in keinem der drei Bereiche mehr erreicht.
Samuel Greiff, Bildungsforscher an der Technischen Universität München und Leiter des deutschen PISA-Teils, wählte seine Worte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur bewusst vorsichtig: „Ich möchte nicht bewerten, ob wir jetzt vom nächsten PISA-Schock sprechen müssten. Aber ich kann sagen, dass wir bei PISA 2025 historisch niedrige Kompetenzstände sehen.“ Diese Zurückhaltung eines Wissenschaftlers, der die Daten selbst mitverantwortet, wiegt angesichts der nackten Zahlen umso schwerer.
Im Lesen reicht es für Deutschland nach Angaben von ZDFheute nur noch für Platz 19 im internationalen Vergleich. Wie groß der reale Kompetenzverlust ist, machte Greiff gegenüber dem Sender an einem einzigen Satz fest, der die trockenen Punktzahlen plastisch übersetzt: „Das, was die Jugendlichen heute mit 15 Jahren können, das konnten sie vor zehn Jahren schon mit 13 Jahren.“ Da 20 bis 30 PISA-Punkte ungefähr einem Lernjahr entsprechen und die Naturwissenschaften vor rund zehn Jahren noch deutlich über 500 Punkten lagen, gegenüber 486 Punkten heute, hält Greiff diesen Vergleich für vereinfacht, aber in der Größenordnung zutreffend.
Wichtig ist Greiff dabei eine Klarstellung, die verhindern soll, dass die Debatte an der falschen Stelle ansetzt: „Wir meinen eben nicht komplizierte Gedichtsinterpretationen oder Integralrechnung oder sonstige Raketenwissenschaften.“ Gemeint seien grundlegende Alltagsfähigkeiten — etwa Informationen aus einer Behördenmail zu entnehmen oder eine einfache finanzielle Entscheidung zu treffen. Genau auf diesem Basisniveau versagt nach den PISA-2025-Daten etwa ein Fünftel der Jugendlichen in allen drei Bereichen gleichzeitig; in Lesen und Mathematik verfehlt sogar rund ein Drittel die Mindeststandards, in den Naturwissenschaften etwa ein Viertel.
Warum das kein bloßer Nachhall der Pandemie mehr ist
Als die PISA-Ergebnisse von 2022 veröffentlicht wurden, ließ sich der Rückgang noch relativ bequem erklären: Schulschließungen, Homeschooling, monatelanger Unterrichtsausfall während der Corona-Pandemie hatten überall auf der Welt Spuren hinterlassen. Offen blieb damals eine entscheidende Frage — handelte es sich um einen vorübergehenden Einbruch, der sich mit der Rückkehr zum Präsenzunterricht wieder ausgleichen würde, oder um den Beginn eines dauerhaften Abwärtstrends?
Die Daten von 2025 liefern darauf eine ernüchternde Antwort. Es zeigt sich kein Aufholeffekt, sondern eine Fortsetzung des Abwärtstrends drei Jahre nach den pandemiebedingten Schulschließungen — zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Lernbedingungen längst wieder normalisiert haben sollten. Die Erklärung „Corona“ allein trägt für 2025 damit nicht mehr.
Warum Deutschlands Reformen wirkten — und dann ins Stocken gerieten
Um den aktuellen Rückgang einzuordnen, lohnt sich ein Blick auf die Geschichte der deutschen PISA-Teilnahme selbst. Der ursprüngliche „PISA-Schock“ im Jahr 2000 traf ein Land, das sich selbst als Bildungsnation verstand, aber im internationalen Vergleich nur mittelmäßig abschnitt. Die Reaktion damals war eine breite politische und pädagogische Reformbewegung — und sie zeigte tatsächlich Wirkung: In den folgenden PISA-Runden konnte sich Deutschland spürbar verbessern.
Greiff erklärte den Wendepunkt so: „Nach PISA 2000 haben wir uns deutlich verbessert, das hat unglaubliche Reformkräfte freigesetzt. Aber seit zehn Jahren beobachten wir einen Knick.“ Seine Deutung: Der Eindruck, Deutschland stehe inzwischen ganz gut da, habe den Schwung der ursprünglichen Aufholbewegung ausgebremst — mit der Folge, dass die Reformenergie versandete, während die zugrundeliegenden strukturellen Probleme bestehen blieben und sich in den vergangenen zehn Jahren erneut verschärften.
Warum die soziale Herkunft in Deutschland stärker über Bildungserfolg entscheidet als anderswo
Der vielleicht aufschlussreichste — und unbequemste — Befund der Studie 2025 betrifft nicht den Durchschnittswert, sondern die Verteilung dahinter. PISA bestätigt erneut, dass der schulische Erfolg in Deutschland stärker als in den meisten anderen Ländern vom Elternhaus abhängt. Und diese Kluft wird nicht kleiner, sondern nimmt seit 2015 sogar wieder zu.
Greiff nannte dazu eine konkrete Vergleichszahl: „Der Zusammenhang zwischen dem sozioökonomischen Status und dem Bildungserfolg ist in Deutschland etwa dreimal so stark wie in Kanada.“ Noch greifbarer wird das Ausmaß an einer einzelnen Kennziffer, die er in demselben Gespräch nannte: In Deutschland zählen nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülerinnen und Schülern zu den Leistungsstarken. Unter sozial privilegierten Jugendlichen sind es 25 von 100 — mehr als das Zwölffache. Länder wie Kanada oder Norwegen zeigten laut Greiff, dass hohe Leistungen und mehr Bildungsgerechtigkeit gleichzeitig möglich seien — Deutschland sei von diesem Zustand also nicht aus Prinzip weit entfernt, sondern schöpft ein erreichbares Potenzial bislang nicht aus.
Diese Zahl macht deutlich, warum viele Bildungsforscher den PISA-Durchschnitt für Deutschland ohnehin für eine unvollständige Kennzahl halten: Er verdeckt, wie stark der Erfolg einzelner Schüler weniger von individueller Begabung als vom Elternhaus abhängt, in das sie hineingeboren wurden.
Nicht jede Nachricht aus der Studie ist dabei ausschließlich negativ. Rund drei Viertel der Jugendlichen gaben an, sich an ihrer Schule wohlzufühlen und einer Gemeinschaft zugehörig zu fühlen. Auch bei digitalen Kompetenzen, dem neuen Themenblock der PISA-Runde 2025, zeigten deutsche Schüler laut ZDFheute durchaus Stärken — ein Lichtblick, der an der Grundaussage zu Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften jedoch nichts Grundsätzliches ändert.
Warum Ökonomen den Schaden inzwischen in Billionen Euro beziffern
Für den Bildungsökonomen Ludger Wößmann, der das ifo Zentrum für Bildungsökonomik leitet, sind die PISA-Ergebnisse weit mehr als eine akademische Fußnote — sie sind ein Wohlstandsrisiko mit konkretem Preisschild. Allein den Rückgang gegenüber der Studie von 2022 beziffert er mit einem durchschnittlichen Verlust des späteren Erwerbseinkommens der betroffenen Schülergeneration von drei bis vier Prozent. Vergleicht man die aktuellen Werte stattdessen mit dem Vor-Pandemie-Niveau von 2018, rechnet Wößmann sogar mit einem Einkommensverlust von bis zu zehn Prozent.
In einer Langfristsimulation für die Bertelsmann-Stiftung ist Wößmann noch einen Schritt weiter gegangen: Könnte Deutschland seine Bildungsleistungen spürbar verbessern, ließe sich über die kommenden 80 Jahre zusätzliches Bruttoinlandsprodukt in Höhe von knapp 21 Billionen Euro erwirtschaften. Sein Fazit gegenüber der WirtschaftsWoche ist entsprechend unmissverständlich: „Nichts geht ohne die Basiskompetenzen Lesen, Schreiben und Rechnen.“
Warum manche Experten schon bei Vierjährigen ansetzen wollen
Angesichts der Zahlen ist die Forderung nach Konsequenzen erwartungsgemäß laut geworden — auffällig ist jedoch, wie früh manche Maßnahmen inzwischen tatsächlich ansetzen, nicht nur als Vorschlag, sondern bereits als beschlossene Politik. Nur wenige Tage vor der PISA-Veröffentlichung, am 2. September 2026, billigte das Bundeskabinett ein neues Kita-Gesetz, das vorsieht, dass künftig alle vierjährigen Kinder in Deutschland nach einheitlichen Standards auf Sprache und Entwicklung getestet werden sollen — noch vor der Einschulung, mit dem erklärten Ziel, Förderbedarf früher zu erkennen als bisher.
Greiff selbst sieht genau darin einen zentralen Hebel: Deutschland warte häufig zu lange, bis Unterstützungsbedarf überhaupt erkannt werde, sagte er ZDFheute — vor allem Sprachförderung bereits im Kita-Alter sei entscheidend, weil die Unterrichtssprache die Grundlage für alles spätere Lernen bilde. Der Bildungsökonom Ludger Wößmann argumentiert in dieselbe Richtung und schlägt einen verpflichtenden Sprachtest bereits im Alter von viereinhalb Jahren vor — ein Ansatz, der sich mit dem neuen Kita-Gesetz inzwischen weitgehend deckt.
Auch aus der Wirtschaft kommt Druck: Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger bezeichnete Bildung als „Kernaufgabe des Staates und ein Aufstiegsversprechen“, das Bund und Länder einlösen müssten — „verbindlich, messbar und unabhängig von Herkunft oder Wohnort“. Konkret schlägt er einheitliche bundesweite Bildungsstandards, gezielte Unterstützung für leistungsschwächere Schüler, eine bessere Ausbildung der Lehrkräfte sowie eine bessere Ausstattung der Schulen vor. Wößmann fordert in dieselbe Richtung gehende Maßnahmen.
Warum ausgerechnet jetzt auch digitale Kompetenzen mitgetestet wurden
Eine methodische Neuerung der PISA-Runde 2025 fällt bislang kaum auf, dürfte aber in den kommenden Jahren an Bedeutung gewinnen: Erstmals ergänzte die OECD ihre drei klassischen Kompetenzbereiche um einen eigenen Themenblock zum „Lernen in der digitalen Welt“. Die Studie erfasst damit nicht mehr nur, ob Jugendliche lesen, rechnen und naturwissenschaftlich denken können, sondern auch, wie kompetent sie mit digitalen Werkzeugen umgehen, Informationen online einordnen und digitale Lernangebote sinnvoll nutzen.
Für Deutschland ist das keine rein akademische Fußnote. Die Digitalisierung der Schulen gilt hierzulande seit Jahren als Dauerbaustelle, von unzureichender WLAN-Ausstattung bis zu uneinheitlichen Lernplattformen zwischen den Bundesländern. Erste Auswertungen zu diesem neuen Themenblock lagen zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht in vergleichbarer Tiefe vor wie für die drei etablierten Kernbereiche, dürften aber in den kommenden Monaten zu einer eigenen Debatte über digitale Bildungsgerechtigkeit beitragen.
Warum der ursprüngliche PISA-Schock 2000 überhaupt so wirkungsvoll war
Um zu verstehen, wie tief der aktuelle Rückgang wiegt, hilft ein genauerer Blick darauf, was der erste PISA-Schock im Jahr 2000 politisch tatsächlich auslöste. Das damals mittelmäßige Abschneiden Deutschlands traf ein Land, das sich selbst traditionell als Bildungsnation verstand — der Widerspruch zwischen Selbstbild und internationalem Ranking erzeugte einen politischen Handlungsdruck, der über Parteigrenzen hinweg wirkte. In den Folgejahren wurden bundesweit einheitliche Bildungsstandards eingeführt, der Ausbau von Ganztagsschulen beschleunigt, und einzelne Bundesländer reformierten ihre Lehrpläne und Übergangsregelungen zwischen Grundschule und weiterführenden Schulen.
Diese erste Reformwelle zeigte messbare Wirkung: In den PISA-Runden der 2000er- und frühen 2010er-Jahre verbesserte sich Deutschland in allen drei Kernbereichen spürbar und näherte sich zeitweise dem oberen Mittelfeld der OECD-Staaten an. Genau dieser Erfolg wurde nach Einschätzung von Studienleiter Greiff jedoch zum eigenen Bremsklotz: Der Eindruck, das Problem sei im Wesentlichen gelöst, nahm dem politischen Prozess die Dringlichkeit, mit der er ein Jahrzehnt zuvor noch geführt worden war.
Warum Deutschlands Absturz nicht ganz isoliert zu betrachten ist
Ein Stück Kontext relativiert das Bild, ohne es zu widerlegen: Weltweit erzielten in sehr vielen Staaten Schülerinnen und Schüler niedrigere Kompetenzwerte als noch bei der letzten, 2023 veröffentlichten PISA-Runde. Diese globale Tendenz wird überwiegend den Nachwirkungen der Corona-Pandemie sowie weiteren internationalen Krisen und Konflikten zugeschrieben, die viele Bildungssysteme gleichzeitig belastet haben.
Für Deutschland ändert das jedoch wenig an der Kernbotschaft: Selbst im Vergleich mit einem international insgesamt schwächeren Testjahrgang fielen die deutschen Werte in allen drei Kompetenzbereichen zurück — auch im direkten Ranking gegenüber anderen OECD-Ländern verschlechterte sich die Position weiter, wenn auch nur um einen Platz. Hinter Spitzenreitern wie Estland, Kanada oder Finnland im Lesen beziehungsweise Japan, Südkorea und Estland in Mathematik bleibt Deutschland damit weiterhin deutlich zurück.
Ein strukturelles Detail, das bei der Debatte um bundesweite Standards regelmäßig mitschwingt, ohne in den aktuellen PISA-Zahlen selbst aufzutauchen: Deutschlands föderale Bildungshoheit bedeutet, dass 16 Bundesländer mit teils unterschiedlichen Lehrplänen, Einschulungsregeln und Ressourcenausstattungen getestet werden, deren Ergebnisse anschließend zu einem bundesweiten Durchschnitt zusammengefasst werden. Genau diese Zersplitterung ist einer der Gründe, warum Rufe nach einheitlichen, länderübergreifenden Standards — wie sie Arbeitgeberpräsident Dulger fordert — regelmäßig aufkommen, aber ebenso regelmäßig an der verfassungsrechtlich verankerten Zuständigkeit der Länder für Bildungspolitik abprallen.
Häufige Fragen
Wie schlecht sind die PISA-Ergebnisse 2025 für Deutschland tatsächlich?
So schlecht wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung im Jahr 2000. Deutschland erreichte 465 Punkte im Lesen, 464 in Mathematik und 486 in den Naturwissenschaften — niedriger als 2022 und niedriger als beim allerersten PISA-Test vor 25 Jahren.
Ist der Rückgang noch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen?
Nicht mehr allein. Der Rückgang von 2022 ließ sich noch mit pandemiebedingten Schulschließungen erklären. Dass sich der Abwärtstrend 2025, drei Jahre nach der Rückkehr zum Regelunterricht, fortsetzt, deutet auf tieferliegende strukturelle Ursachen hin.
Warum spielt die soziale Herkunft in Deutschland eine so große Rolle für den Bildungserfolg?
PISA 2025 bestätigt einen seit Jahren bekannten, sich seit 2015 sogar wieder verstärkenden Zusammenhang: In Deutschland ist die Verbindung zwischen sozioökonomischem Status und Bildungserfolg laut Studienleiter Samuel Greiff etwa dreimal so stark wie in Kanada. Nur zwei von 100 sozial benachteiligten Schülern zählen hierzulande zu den Leistungsstarken, gegenüber 25 von 100 bei sozial privilegierten Jugendlichen.
Wie wirkt sich das schwächere PISA-Ergebnis wirtschaftlich aus?
Bildungsökonom Ludger Wößmann beziffert allein den Rückgang gegenüber 2022 mit einem durchschnittlichen späteren Einkommensverlust von drei bis vier Prozent für die betroffene Schülergeneration, verglichen mit dem Vor-Pandemie-Niveau sogar mit bis zu zehn Prozent. Langfristig rechnet er mit einem möglichen zusätzlichen Bruttoinlandsprodukt von knapp 21 Billionen Euro über 80 Jahre, sollte sich die Bildungsqualität deutlich verbessern.
Warum hatten frühere PISA-Reformen zunächst Erfolg, bevor die Werte wieder sanken?
Nach dem ersten PISA-Schock im Jahr 2000 löste das schlechte Abschneiden eine breite Reformbewegung aus, die Deutschland in den folgenden Jahren spürbar verbesserte. Laut Samuel Greiff ließ der Schwung dieser Reformen jedoch nach, sobald der Eindruck entstand, Deutschland stehe inzwischen gut da — mit der Folge, dass sich die Werte seit rund zehn Jahren wieder verschlechtern.
Welche konkreten Reformen werden jetzt gefordert?
Vorschläge reichen von einem verpflichtenden Sprachtest bereits im Alter von viereinhalb Jahren (Ludger Wößmann) bis zu einheitlichen, verbindlichen und messbaren bundesweiten Bildungsstandards, besserer Lehrerausbildung und besserer Schulausstattung (Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger).
Wie viele Schüler und Länder nahmen an PISA 2025 teil?
Mehr als 760.000 Schülerinnen und Schüler aus 91 Ländern nahmen an der neunten PISA-Runde teil, aus Deutschland rund 6.700 Jugendliche von etwa 250 Schulen.
Welche Länder schneiden bei PISA international am besten ab?
Im Lesen zählen Estland, Kanada und Finnland zu den europäischen Spitzenreitern, in Mathematik liegen Japan, Südkorea und Estland vorn. Deutschland bleibt in beiden Bereichen deutlich hinter dieser Spitzengruppe zurück, auch wenn es im OECD-Durchschnitt insgesamt noch leicht darüberliegt.
Wurde bei PISA 2025 erstmals etwas anderes getestet als früher?
Ja. Neben den drei etablierten Kompetenzbereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften erfasste die OECD erstmals auch einen eigenen Themenblock zum Lernen in der digitalen Welt — ein Hinweis darauf, dass digitale Bildungsgerechtigkeit künftig eine größere Rolle in der PISA-Debatte spielen dürfte.
Warum scheitern einheitliche bundesweite Bildungsstandards bisher oft?
Bildungspolitik ist in Deutschland Ländersache. Die 16 Bundesländer testen mit teils unterschiedlichen Lehrplänen und Ressourcen, deren Ergebnisse erst nachträglich zu einem bundesweiten PISA-Durchschnitt zusammengefasst werden — was Forderungen nach einheitlichen Standards regelmäßig erschwert.